Ausnahmezustand in Monterey, Kalifornien: Aus den Tiefgaragen sprudeln moderne Maybäche, die Hotels sind mit Bentley und Rollis zugeparkt, und auf den Straßen röhren mehr Lamborghini und Ferrari als während des Werksverkehrs in der Gegend um Maranello. Kurz: Es ist ''Pebble Beach''-Wochenende.
Hier werden auf einem stadtnahen Golfplatz am Pazifik einmal im Jahr die edelsten Oldtimer prämiert, die teuersten Supersportwagen vorgestellt und mit die begehrtesten Klassiker verkauft. Wer Geld hat, zeigt es durch das Auto, das er fährt oder fahren will. Aber auch in Monterey selber ist der Teufel los, was bemerkenswerte Autos angeht. Hier stellt zum Beispiel das Auktionshaus RM Auction ihre zu erwerbende Palette vor - ein großer Teil davon Hot Rods, Custom- und Muscle-Cars.
Es gibt wohl nur wenige Events, bei denen solche Dream-Cars wie ein 69er Dodge Daytona Charger, ein Plymouth Road Runner mit 425 PS starkem Chrysler-Hemi-V8 und ein Dodge Challenger R/T Convertible von 1970 so einträchtig nebeneinander stehen. In ausgezeichnetem Zustand, versteht sich. Noch mehr Magie aber strahlen die Custom Cars aus, wie zum Beispiel der ''Elvis Tribute'': ein Cadillac Eldorado Seville von 1959, unter dessen Karosserie keine Locke mehr passt. Geschätzt wurde ein Erlös von 190.000 und 240.000 Dollar - verkauft wurde er für 302.500 Dollar. Ähnliche Hingucker waren das orange 51er Mercury Custom Coupe (mit 300-PS-Chevy-V8) und der 53er Cadillac Eldorado-Roadster ''Tequila Sunset'', der aber nicht den erwünschten Preis erzielte und deshalb stehen blieb.
Leistung statt Glamour gibt's beim Chevrolet Nova Pro-Street Hardtop von 1966: Der Kompressor-V8 liefert 800 PS an die Hinterachse. Im schwarzen Plymouth Belvedere (1965) leistet der V8 immerhin noch 695 PS. Selbst einer der vier noch existierenden Original-Chevrolet Camaro IROC-Rennwagen kam unter den Hammer. Der 450-PS-Wagen gewann 1975 drei IROC-Rennen, am Steuer Bobby Unser, Emerson Fittipaldi und Bobby Allison. Der neue Besitzer erhielt den Zuschlag zu ''Lucky 7'' für 105.600 Dollar.
Heiß geboten wurde für die Hot Rods. So bringt das Willys Coupe von 1941 nicht nur gut 600 PS auf die Straße, sondern dem Verkäufer auch 60.500 Dollar abzüglich der Provision für RM. Dank des Chevy-Big-Block beschleunigt der Wagen in zehn Sekunden von 0 auf 225 km/h. 450 PS bringt der Ford ''Orange Crush'' von 1939 mit. Älteste Basis im Feld der Hot Rods war ein Ford Model T von 1927 namens ''Burning Desire''. Mit der sparsamsten Lackierung glänzte der 32er Ford Hi-Boy-Roadster mit Ford-V8 von 1939: Für gepflegten Rost wurde 68.200 Dollar bezahlt.
Absolutes Highlights der Auktion aber waren zwei Fahrzeuge, die gegensätzlicher nicht sein können. Auf der einen Seite der Chrysler Diablo Convertible von 1958. Das 375 PS starke Concept Car aus der Feder von Design-Papst Virgil Exner wurde von Ghia mit einem Softtop ausgerüstet, nachdem es zuerst (1956) ein versenkbares Hardtop besaß. Aufgrund seiner Einzigartigkeit des Chryslers reichte dem Besitzer ein Gebot von 1,2 Millionen Dollar nicht.
Auf der anderen Seite stand der Cramer Comet von 1954. Gebastelt hat sich das Monstrum der Automechaniker Ed Cramer, der aus Teilen aller US-Hersteller einen echten Brecher auf die Räder stellte. Die Türen von Buick, die Achsen aus Lkw von Chrysler und GM, die Frontscheibe ist eigentlich eine De-Soto-Heckscheibe. Unter der Haube des 2,4 Tonnen schweren Ungetüms arbeitet ein 1350 PS starker Allison-Flugzeugmotor, natürlich ein V12. Der Wagen rennt knapp 260 km/h. Wie die vier Trommelbremsen das Tempo abbauen sollen, weiß man dagegen nicht so genau. Ist auch nicht schlimm: Für nur 150.000 Dollar wollte der Besitzer den Wagen dann doch nicht hergeben.