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Weiter geht’s: Sparen macht heiß

 Christian Beckmann, 27.06.2008 in Partner- und Mitglieder-Blogs, automesse-live.de

AUTO BILD Effizienz-Marathon Teil IIDie Rechnung ist einfach: Vor den Teilnehmern der zweiten Runde des Effizienz-Marathons von AUTO BILD und Audi liegen knapp 1700 Kilometer Strecke durch Österreich, die Schweiz und Deutschland – zu fahren mit einem A4 2.0 TDI, dessen Tank 65 Liter Diesel fasst und der – laut Werksangabe – einen kombinierten Verbrauch von 5,1 Litern erzielt. Theoretische Reichweite: 1274 Kilometer – das sichere Aus weit vor dem Ziel der Rundfahrt, der österreichischen Metropole Wien. Aber natürlich nur, wenn es nicht auch möglich wäre, die offizielle Drittelmix-Angabe deutlich zu unterschreiten. Wer den Marathon tatsächlich mit einer Tankfüllung schaffen will, darf im Schnitt also höchstens 3,9 Liter auf 100 Kilometer durch die Brennräume schicken. Für den Sprung ganz oben aufs Siegertreppchen müssen es garantiert noch ein paar weniger sein.

AUTO BILD Effizienz-Marathon Teil II Jan BeckerErste Hinweise, wie das funktionieren kann, bekommen die Sparfahrer von Audi-Instruktor Jan Becker. Der Mann ist Profi, kennt sich ins kleinste Detail aus mit Rollwiderständen, Aerodynamik und ähnlichem. Und doch sind seine Tipps alles andere als Hexenwerk: behutsam beschleunigen, früh schalten, viel rollen lassen und unnötige elektrische Verbraucher, die in Summe knapp neun PS Motorleistung kosten können, besser nicht benutzen – kennt eigentlich jeder. Dass sie funktionieren, hat bereits der erste Teil des Effizienz-Marathons mit Durchschnittsverbräuchen von deutlich unter vier Litern gezeigt. Das Siegerteam – Primus inter Pares – hat den Audi mit 3,44 Litern pro 100 Kilometern im Schnitt ins Ziel gefahren. Den Teilnehmern der zweiten Runde nötigt das durchaus Respekt ab. Und es ist gleichzeitig Ansporn, es doch etwas besser zu machen.

Also in Zweierteams rein in die schneeweißen Spritknauserer namens A4, die hier am Schloss Schönbrunn in Wien in ordentlicher Formation parken. In der weitläufigen Parklandschaft sieht es in etwa genauso deutlich nach Sparen aus wie einst im legendären Bernsteinzimmer. Aber wer hier und jetzt der Versuchung erliegt, die 120-Diesel-Pferdchen im verschärften Galopp von der Anlage zu treiben, verschafft sich schon kurz nach Anlassen des Motors einen vermutlich kaum noch aufzuholenden Verbrauchsnachteil. Klingt für den eher dynamisch veranlagten Fahrer furchtbar, die Teams nehmen es dennoch sportlich. Schließlich ist hier und jetzt der Beweis zu erbringen, dass in Sachen Dieseldurst auch ganz kleine Brötchen gebacken werden können.

AUTO BILD Effizienz-Marathon Teil II Peter und ChristianSchwierige Entscheidung für alle Teilnehmer: Bei gefühlten 30 Grad (zumindest in Wien) die Klimaanlage anmachen oder das eigene Wohlbefinden lieber dem niedrigeren Verbrauch opfern? Mein Chauffeur für diese Etappe entscheidet sich für Letzteres. Ich will ihm da auch nicht reinreden, möchte nur zusehen, wie Sparen in der Praxis geht. Peter Urbansky (38) aus Schönderling sagt: “Natürlich habe ich Ehrgeiz, weit vorne zu landen, aber ich bin ein 80-Prozent-Mensch. Bei der Marke bin ich schon ganz zufrieden, alles was darüber hinausgeht, ist Zugabe.” Prima, dann können wir beiden uns später vielleicht doch mal ein bisschen den Segnungen der modernen Klimatisierungstechnik hingeben. Obwohl es wäre natürlich besser, den Kühlmittel-Kompressor schlafen zu lassen. Bis zu fünf kW schluckt das Ding. Hat Jan Becker erzählt, und der muss es schließlich wissen.

Aber es geht mit den Temperaturen im Auto. Österreich im Sommer 2008 zeichnet sich durch verschwenderischen Umgang mit Gewitter- und Platzregen aus. Natürlich auch irgendwie nicht gut, denn Wasser auf der Straße erhöht den Rollwiderstand. Haben wir gelernt und behalten. Wir müssen uns den Naturgewalten fügen und trösten uns damit, dass die anderen Teilnehmer da auch durch müssen. Und noch so eine Sache, die gar nicht super ist, wenn man spritknauserig unterwegs sein will: Stau! Auch unter normalen Bedingungen schon ein Autofahreralptraum, ist das jetzt geradezu eine Katastrophe. Da schnellt die Durchschnittsverbrauchsanzeige in unangemessene Höhen. Und das bedeutet hier, zu diesem frühen Zeitpunkt der Tour um die fünf Liter pro 100 Kilometer. Aber ein Gutes hat der Stau auch: Man kann mal durchlüften und die Fenster aufreißen, die bei höheren Geschwindigkeiten natürlich aus aerodynamischen Gründen geschlossen bleiben müssen.

AUTO BILD Effizienz-Marathon Teil II LastwagenDie nächsten 400 Kilometer verlaufen annähernd staufrei und relativ ereignislos. Kurz zusammengefasst: Bei Kilometer 117 überholen wir jubelnd den ersten Lkw, bei Kilometer 170 dürfen wir noch einmal ganz kurz die Scheiben öffnen (siehe oben), bei Kilometer 360 hat der Gaspedalstreichler und Windschattenkönig Peter den Verbrauch auf 3,7 Liter heruntergeschraubt, was sich auch bis ins Ziel in Innsbruck nicht mehr ändern soll. Wir stellen beide ein wenig erschöpft fest, dass Sparen auf diesem Niveau schon harte Arbeit ist. Aber im Laufe der Tour hat uns das Fieber gepackt. Jetzt wollen wir auch noch die letzten Zehntel-Liter Verbrauchsersparnis aus dem Zweiliter-TDI kitzeln. Auch wenn wir dabei morgen vielleicht wieder ins Schwitzen kommen. Ich sitze sicher wieder bei Peter im Auto, bin irgendwie schon ganz heiß aufs Sparen.


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Siehe auch: Volkswagen: Sei Knightrider|Ständig Tickets fürs Falschparken? Es gibt Hilfe!
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