Eigentlich fand ich ja, dass ich einen spitzenmäßigen Plan hatte. Eben den LeSupra anmelden, und dann ab nach Schweden. Mit Kind, Kegel und Gepäck für zwei Wochen. Denn schliesslich hat Michael ja nur aufgrund meiner Nerverei das Kreuz im Überrollkäfig hinter den Sitzen so konstruiert, dass man es rausnehmen kann. Und schliesslich wollte ich doch auf dem Power Big Meet debütieren.
"Eben mal schnell anmelden" war dann schon mal nix. "Baujahr 1972? Rote Rückleuchten? Und kein historisches Gutachten? Nein, das geht nicht. Wir lassen den Wagen erst zu, wenn Sie gelbe Blinker vorweisen können. Aber so - nein, so wird das nichts. Schliesslich handelt es sich nicht mehr um ein historisches Fahrzeug. Und kurze Kennzeichen? Nein." Erst ein intensives Telefonat zwischen mit dem TÜV Hanse, der extra ein Gutachten zu den Rückleuchten und dem Kennzeichen geschrieben hatte, überzeugte die Zulassungsstelle. Die Eintragung des Motors samt Getriebe und offenem K&N, der Camaro Bremsen und der 75 mm Auspuffanlage mit Kat und einem Standgeräusch von 95 db war dagegen eine Lappalie.
Ungefähr sieben Stunden und etliche Bürotüren weiter war es endlich soweit: Ich hatte nicht nur die begehrten Schilder in der Hand, sondern auch einen frischen, zweiseitigen Fahrzeugschein, sowie eine Ausnahmegenehmigung für die Rückleuchten. Also - nix wie los!
Naja, so relativ zumindest. Denn schon auf den Fahrten zwischen Itzehoe, Harburg und Hamburg hatte ich erfahren dürfen, dass das Fahrwerk wohl doch etwas zu sportlich war. Klar, "keep it loud and low", aber so "low", dass man Sorge haben muss, dass man aufsetzt - das ist auch irgendwie doof. Zumindest für die geplante Strecke. Also doch nochmal nach Itzehoe zurück, um schnell nochmal freundlichere Federn einzuziehen. Dass ich nicht auf meinen Wunschrädern unterwegs war, hatte ich an dieser Stelle wenigstens schon überwunden. Auch, dass die ECU noch nicht ganz das machte, was ich wollte - aber ich hatte je ein Notebook für die Programmierung bereits im Gepäck.
Nicht überwinden konnte ich allerdings das Problem, dass der LeSupra auf einem Fastfood-Parkplatz nicht mehr anspringen wollte. Das Problem konnte man riechen, denn eine Benzinleitung war geplatzt. Und zwar mitten im Kofferraum. Soweit also zu dem neuen Teppich, auf dem eigentlich unser Gepäck transportiert werden sollte. Der war hin. Ok, den Schlauch schnell eingekürzt, eben bei den Kollegen von Underground Racing einen Ersatzschlauch geholt und mit allen Fenstern runtern weiter. "Irgendwas ist immer", würde Kai "hellyeah" Petermann sagen. Auch egal, mittlerweile war es fast 18.00 Uhr, und ich war um 7:00 Uhr morgens gestartet. Nur, um kurz den Wagen anzumelden.
Zugegeben, der Plan, den ich anfangs für so spitzenmäßig gehalten hatte, war doch vielleicht etwas zu sportlich. Schliesslich wollte ich nicht mit irgendeinem "Gearhead" auf ein Treffen schrubben, sondern mit meiner Familie gemütlich in den Urlaub fahren. Und ganz nebenbei eben das Power Big Meet besuchen. So blieb es nicht aus, dass ich durch mein irrsinniges Pendeln zwischen Itzehoe und Hamburg - das zugleich meine erste Testfahrt war - irgendwann gegen 23.00 Uhr dann doch ins Grübeln kam. Wie groß mein Hau eigentlich wirklich ist. Und wie man ein Steuergerät überhaupt programmiert. Und was meine Familie sagen würde, wenn sie am nächsten Tag für die nächsten 1000 km im übelsten Gestank in den Urlaub fahren müsste. Und das mit der Gewissheit, dass auch garantiert unser gesamtes Gepäck so riechen würde. Denn bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich alle Sorge immer mit dem Argument entkäften können, dass wir ja quasi in einem 1991er Toyota unterwegs seien. "Quasi".
Eine Dusche und ein paar Stunden später, also am nächsten Morgen, war klar, dass der LeSupra dem Familienwagen weichen muss. Cruising in Västerås hin oder her. Natürlich war ich mächtig enttäuscht, schliesslich wollte ich doch partout mit dem Kopf durch die Wand. Aber der Preis wäre zu hoch gewesen. Also - ohne abenteuerliche Kletterpartie - alle rein in den Golf IV, und gut klimatisiert und bequem in den Norden. Klar, jeder US-Kreuzer auf dem Weg dahin sorgte bei mir für Seitenstiche. Und in Schweden gibt es viele US-Cars ...
Mit der Tatsache, dass ich ein paar Tage später im Golf zum Cruising kam, hatte ich mich mittlerweile abgefunden. Auch wenn es schon etwas komisch war. Besonders, als ich mich die WELT um eine kurze Stellungsnahme bat. Aber das Power Big Meet hat wieder alles entschädigt. Und besonders schmunzeln musste ich, dass der Hot Rod Shop, in dem wir im letzten Jahr gefilmt hatten (s. "Chromjuwelen bei kabeleins"), alle Fahrzeuge nach draussen gerollt hatte. Um einem gewaltig zwangsbeatmeten Nissan Platz zu machen. Auf meine Frage hin, wie es denn kommt, dass jetzt ein japanischer HighTech-Renner mitten in der Ausstellung prangt, erntete ich ein Achselzucken: "Well, it's the next generation. And it is the fastest car in sweden ...".
Wie beruhigend, dass im nächsten Jahr wieder ein Power Big Meet stattfindet ...
Das Big Meet war mit Abstand das beste und schönste Treffen was ich bis jetzt erlebt habe. Wer was für US-cars über hat und mal eine richtige Party eleben möchte, den kann ich das Big Meet nur empfehlen. Die Schweden können feiern.
Västeras: Immer ...
by: admin (Registered) on 18-07-2007 10:19