Liebe Freunde des motorisierten Individualverkehrs,
der Roland und ich, wir haben echt einen Schaden. Melden uns für die Kitzbühler Alpenrallye 2008 an, der Klassikfahrt der Reichen, Schönen und Wichtigen, obwohl wir mindestens zwei der eben genannten Kriterien nicht erfüllen. Vor allem aber treten wir weder im Bentley an noch im Flügeltürer oder meinetwegen im E-Type, sondern mit einem Puch 650 T. Das ist sozusagen der Fiat 500 der Ösis. Diese 1971 gebaute Kleinstvariante eines Autos hat stolze 22,8 PS und 643 Kubik. Ich habe extra nachgeschaut: Wir sind die einzigen Teilnehmer im Feld mit einem dreistelligen Hubraum.
Aber zurück zu der Sache mit dem Schaden: Offenbar wollte uns eine höhere Macht für unseren Übermut bestrafen. Beim Abladen des kleinen Schmuckstückes, das uns netterweise das Johann Puch Museum in Graz vermittelt und der Besitzer Kurt Glabischnig zur Verfügung gestellt hat, rutscht der Puch einseitig von der Rampe und trägt links vorn nun eine Beule. Der erste große Knall, gewissermaßen. Roland Halfpap (64), ein Freund des Besitzers und ehemaliger Puch-Ingenieur, guckt, als hätte sich gerade die Schmach von Gijon wiederholt.
Während nach und nach der zwölf Wagen umfassende Fuhrpark des AUTO BILD-Teams eintrifft (ein dickes Danke besonders an den Classic Car Service Jutta Planitzer) und unter anderem eine Alfa Romeo Giulia Spider 1600 von 1965, ein BMW 328 von 1937 und das Ford A-Modell von 1930 aus dem Transporter kommen (siehe links), machen Roland und ich uns an die Vorbereitungen. Rollenverteilung: Er ist Fahrer, ich bin Beifahrer. Was uns eint: Wir haben beide absolut keine Ahnung von Oldtimer-Rallyes. “Nackerbatzerl” (oder so) seien wir, meint Roland. Das wird ein Spaß.
Dafür, finde ich, haben wir die technische Abnahme erstaunlich souverän gemeistert. Zum Glück war die Spur des Puch doch noch einen Tick breiter als die Spiegel, mit denen die Organisatoren Mogeleien aufspüren wollen (und bei uns selbstverständlich nichts fanden). Morgen steht der Prolog an, die 50 Kilometer weite Rettensteinrunde. Ich habe ein bisschen Zweifel, ob der Wagen die vollen vier Rallyetage durchhält, zumal die längste Etappe über 300 Kilometer führt und wir nicht mal eine Tankanzeige haben. Aber Roland lässt solche Zweifel gar nicht erst zu: “In dem Auto steckt der steyerische Geist”, sagt er. Dann will ich nur hoffen, dass dieser ein Herz hat - für kleine, sympathische Autos mit einer Beule in der Front.
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