Mein neuer Mini hat einen festen Wohnsitz. Nämlich ein Parkhaus in der Hamburger Innenstadt, ich wurde hier mit einer Dauerparkberechtigung geadelt. Ist in Hamburg ein echtes Statussymbol. Autofahren kann ja jeder. Einen Kraftwagen in der Innenstadt ohne Gesetzesbruch parken, ist allerdings eine ganz große Sache. Täglich zwischen 9.00 und 10.00 strömen hier sämtliche Dauerparker ein, eine eingeschworene und relativ homogene Gemeinde. Alle parken hier täglich, alle arbeiten in der Innenstadt, alle wirken relativ sorglos und zeigen jenes Lächeln, dass man aus den langweiligen Filmen von Rosamunde Pilcher kennt. Was in unserer gefühlskalten Businesswelt wundert: Hier wird freundlich gegrüßt! In einem Parkhaus am Flughafen erlebt man dies nicht, hier denkt jeder nur an seine Reise. Tja, und wenn man schon freundlich ein Moin von sich gibt, kommt die Konversation ganz von alleine. Es gibt wunderbare Themen, wie die letzten Tage zeigten. Beispiele?
Saab-Fahrerin, über 40, dennoch relativ gut erhalten: “Der Lift ist aber langsam, wollen wir die Treppe nehmen?” Klar, wir wollen. Zwischen dritter Etage und EG erfahre ich von Ihrem Wohnsitz in Blankenese (Treppenviertel, falls jemand Interesse hat) und Ihrer Anwaltskanzlei am Gänsemarkt: “Arbeitsrecht, vielleicht brauchen Sie mal was von mir.” Aktuell wohl eher nicht, ihre Visitenkarte habe ich dennoch eingesteckt.
Smart-Lenkerin, ca. 30, wie ein Altkleidersack gestylt: “Na so ein großes Schiebedach ist ja fast so geil wie ein Cabrio!” Interessante Feststellung. Sie heißt Susanne, arbeitet für ein Tiefkühlunternehmen und wohnt im Alten Land. York. “Ist das nicht gleich hinter New York, da bist Du doch ewig unterwegs”, zeigte ich mich am Hamburger Umland interessiert. Plötzlich hatte sie den “Was-bist-Du-denn-für-ein-Idiot”-Gesichtsausdruck und klärte mich auf, wie schlecht die Luft in Hamburg sei. Die großen Autos spucken nämlich soviel CO2 aus, daher tritt sie auch einen Smart. Die Liftfahrt ins EG fühlte sich wie eine Ewigkeit an, was für eine verklemmte Öko-Spaßbremse…
Porsche-Cayenne-Fahrerin, etwa 35, mit brauner Hermes-Tasche: “Einparken ist aber nicht so Dein Ding?” Stimmt, da kann ich nicht widersprechen, schon gar nicht nach dieser peinlichen Einparkleistung. Und weil die Hermes-Tasche in wenigen Sekunden einen Sachverhalt so super checkt, macht die Eppendorfer Eisprinzessin demnächst meine Steuererklärung für 2006.
Was lehrt uns die Sache? Nun, es ist Frühling in der Großstadt, Beginn der Paarungszeit. Und wer das richtige Parkhaus frequentiert, braucht weder friendscout.de, die Bar Rossi noch einen Psychotherapeuten. Wenn die richtige Frau allerdings bereits vor längerer Zeit identifiziert wurde, bekommt man immerhin kostenlosen Kontakt zu Spezialistinnen in Arbeits- und Steuerrecht. Das ist oft wichtiger, als ein gut frequentiertes Schlafzimmer.
Siehe auch: Street Mag Show 2007: Hamburger Auftakt|Ständig Tickets fürs Falschparken? Es gibt Hilfe!|Volkswagen: Sei Knightrider|6. Hamburger Stadtpark-Rennen (Motorevival 2007): Filme|6. Hamburger Stadtpark-Rennen (Motorevival 2007): Bilder|7. Hamburger Stadtparkrennen (Motorevival): Bilder|5. Hamburger Stadtparkrevival Review |