In der Automobilgeschichte gab es immer Modelle, die trotz des teilweise hohen Entwicklungsaufwands der großen Hersteller nicht besonders gelungen waren. Blogmaster Eickmann hat mit seiner kleinen Serie ?Schlimmer geht?s nicht? schon einen Überblick über das ein oder andere Beispiel gegeben. Selbst Premium-Hersteller wie Mercedes-Benz können schon mal ?ins Klo greifen?, siehe Vito/V-Klasse.
Da man oft zu einem Automobil eine andere Einstellung bekommt, wenn man es nur lange genug besitzt oder sich damit befasst, hängt man auch an Autos, die es objektiv gesehen gar nicht verdient haben. Auch bei mir gibt es so einen Fall. Es handelt sich um einen Ford Escort der 3. Serie von 1980 bis 1990. Die (zu Recht) ewige Nummer drei hinter Golf und Kadett, sowohl was Verkaufszahlen als auch was Testergebnisse angeht. Konkret ist es ein Sondermodell mit dem völlig unpassenden Namen ?Hit? aus dem letzten Baujahr und es gehört meiner Oma. Als ihr alter 83er Escort im Frühjahr 2000 vom Rost zerfressen am TÜV zerbröselt ist, nahm mein damaliger Ausbildungsbetrieb, ein Autohaus, den ?Hit? in Zahlung. Also besorgte ich ihr den Wagen, denn es gab für sie einige Vorteile: Gepflegte 1. Hand, keine großartige Umgewöhnung notwendig, Preis akzeptabel, Ford-Werkstatt im Wohnort um die Ecke.
In den folgenden Jahren bis heute kümmerte ich mich so gut es ging um das Teil, so dass es bis heute technisch völlig in Ordnung ist. Nur der Rost kommt auch hier allmählich durch, das Bodenblech musste bereits geschweißt und der Radlauf gespachtelt werden. So ist mir das Auto allmählich ans Herz gewachsen, obwohl es eigentlich gar nichts wirklich gut kann. Im Juli stand wieder die Hauptuntersuchung an, ich vermute zum letzten Mal. Aber Totgesagte leben ja bekanntlich länger. Leider musste zuvor noch in einen komplett neuen Auspuff und beidseitig neue Achsmanschetten investiert werden. Der Lohn war die begehrte Plakette.
Immer wenn mal ein Verschleißteil fällig war, kam im familiären Umfeld die Frage auf, ob das noch lohnt. Natürlich lohnt das, denn erstens weiß man, was man hat und wegen eines kaputten Auspuffs schmeißt man doch kein ansonsten intaktes Auto weg, oder? Verkaufen kann man solch eine Gurke eh nicht mehr. Und mittlerweile sind Escorts bis Bj.90 schon richtig selten geworden. Gerade in den letzten zwei Jahren sind sie massiv aus dem Straßenbild verschwunden. Ist halt kein Langzeitauto. Mir ist auch noch keiner mit annähernd 200.000 km begegnet, ein Golf II reißt die locker auf zwei Rädern ab. Wer dieses Auto die üblichen 15.000 km im Jahr gefahren ist, konnte sein Auto vermutlich nach 10, bei guter Pflege spätestens nach 12 Jahren wegschmeißen. Omas Escort ist 17, hat aber erst 123.000 gelaufen. Da geht also noch was.
Wenn man heute von einem modernen Auto in dieses umsteigt, begibt man sich in eine andere, längst vergangene Welt. Wie es dort aussieht, davon gibt es in Kürze mehr - in Teil 2 gibt es einen Fahrbericht.
Siehe auch: Pro-Street Romania: Helldriver!|Pixeleye Supercharged Beer: Prost!|Pierce your car.|Dominic Wilcox: In Rust We Trust|Donkey Products: German-Autobahn-Klebeband|Motorkult IV – 11. bis 13. August|Rost funkelt gülden in der Oktobersonne. |