Bestimmt kennen auch Sie Zeitgenossen, die versehentlich im falschen Land geboren wurden. Um diese Unachtsamkeit des Schicksals zu korrigieren, flüchten diese Leute dann in merkwürdige Gewohnheiten. Ein gutes Beispiel ist Urs, mein Nachbar in Hamburg. Eigentlich stammt Urs aus Zürich, die Liebe spülte den Schweizer an das Ufer der Elbe. In seinem tiefsten Herzen aber ist er Brite. Selbstverständlich hat er keine Familie an der Themse, dennoch kleidet er sich albern und trinkt bitteren Tee statt Kaffee. Diese bedauernswerte Verhaltensauffälligkeit wirkt sich auch auf seine Autoleidenschaft aus, die sehr ausgeprägt ist. Bei jedem Treffen im Treppenhaus begehrt er eine technische Einschätzung inklusive Marktbetrachtung diverser Modelle. Zu Recht, denn von der Insel stammen zahlreiche Marken, die edel und allerhöchst wertverlustig sind. ?Real Bargain?, wie der Schweizer mit drolligem Akzent zu sagen pflegt. Oktanreiche Beispiele, please: Jaguar: Betreffend S habe ich ja diese Woche schon Senf gespendet. Heute also XJ, denn über den X wollen wir das Tuch des Schweigens legen. Es gibt ja mittlerweile je nach Baujahr einen XJ bereits zum Preis eines Mountainbikes. ?This car needs some attention?, sagt der Brite zu Fahrzeugen unter 7000 Euro und meint damit, dass ein Billig-Jaguar eigentlich nur Schrott sein kann. Für weniger als 5000 Euro würde ich das Mountainbike bevorzugen. Gerne mit bequemen Brooks-Sattel, denn so eine Potenzstörung ist ja auch nichts Lustiges und kann selbst Ihre Partnerschaft negativ beeinflussen.
Bentley. Bentley? Gut, dieses Thema haben wir vor einigen Tagen bereits hier abgehandelt. Bin dennoch ein großer Liebhaber der Marken, obwohl ich noch Berührungsängste habe. Gilt auch für Rolls-Royce, wobei hier die genannten Ängste noch größer sind.
Rover: Der 75 ist ein wunderbares Auto, entstanden unter großer Entwicklungshilfe von BMW. Zahlreiche Gerüchte rund um die Entwicklung der Ersatzteilsituation machten den 75 zu einem Exoten am Markt. Ich sah in der Autobörse ein Baujahr ´99 für kanpp 8000 Euro. Ein gewichtiges Argument für eine der schönsten Limousinen der Jahrtausendwende.
Mini: Und zwar den ersten, also richtig echten Mini. Ein guter Cooper aus 2000 kostet etwa 6000 Euro. Viel Geld für wenig Auto. Aber einer der letzten Charakterdarsteller. Kaufen oder laufen? Kommt stark auch das Auto an, denn Schrott gibt es am Markt mehr als genug. Selten ist ein Ankaufstest so sinvoll wie bei einem Mini.
Für Briten im Herzen gibt es jedenfalls genügend Alternativen zu Bus und Bahn. Günstig und niemals frei von Stil. In den nächsten Tagen gucken wir mal nach Italien. Sage ja nur Alfa und Ferrari?
Siehe auch: Neu: Hemmings im Chromjuwelen Markt|Bentley Continental GT: Schwarz-Weiß|Mazda MX-5: Jaguar V12 Engine Swap|''Chromjuwelen. Autos mit Geschichte'' - Das Buch|Engine Swaps: Datsun V12, Lotus Rotary, Hot Rod Quattroporte|Ausstellung: ''Chromjuwelen. Autos mit Geschichte''|MotoClub: Marken- und szenenoffen |