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Motorkultur Magazin

Citroën DS – Der Palast der Göttin

 Sandmann, Dienstag, 13 Oktober 2009 in Partner- und Mitglieder-Blogs, autobildblog.de

Augen, die verführenEs muss sehr komisch ausgesehen haben, damals, 1955, als Citroën den VGD vorstellte. Ein “Voiture à grande diffusion“, eine Karre für die breite Masse, stand da vor den Augen der spießigen Wirtschaftswunder-Bevölkerung. Es musste hier irgendwie gelandet sein, denn es passte nicht recht in diese Welt. Vorn breit, hinten schmal, extrem tropfenförmig und randvoll mit frischen Ideen aus der Zukunft. Es war eine Zeit, in der Citroën noch keinen blankgelutschten europäischen Plastikmüll produzierte. Wo die Ingenieure noch mutig Technik von übermorgen auf die experimentierfreudigen Käufer von gestern losließen, und wo man in Frankreich noch ganz tief in die Trickkiste der schrulligen Extravaganz gegriffen hat. Dieses Experiment hat sich immerhin knapp 1,5 Millionen mal an Menschen verkauft, die irgendwie anders waren. Und die Formen lieben. Mein Freund Örg ist einer davon.

Ach bitte, steigen Sie doch ein.

Treten Sie bitte einAuf dem Weg in unsere kleine Werkstatt belästigen mich unzählige knubbelig-winzige Designkatastrophen. Der automobile Auswurf der Abwrackprämie spült durch die Straßen wie kreativer Abfall in der Kloake der freien Marktwirtschaft. Während meine Augen und mein Verstand sich noch immer davon erholen wollen, bittet Örg zum Gebet und gibt mir keine mentale Chance. Was ich hier sehe übersteigt meine persönliche Wahrnehmung, negiert alles, was ich normalerweise in Zusammenhang mit einem Auto bringen würde. Roter, neu gesattelter Plüsch, rote Schlingenware auf dem Boden und akribisch in Eigenarbeit mit originalen Stoffen neu bespannte Türpappen umgeben mich mit dem gemütlichen Charme von Omas Wohnzimmer. Ich bilde mir ein, es röche nach Kaffee und Keksen, und irgendwo in einer Ecke spielt ein altes Mittelwellenradio Klassic Hits im Deutschlandfunk. Jetzt bin auf einmal ich selbst das Alien in dieser Welt. Ich möchte hier wohnen!

Ha Ha H-KennzeichenIm Halbwissen der Stammtisch-Laberer wird die Göttin gern als zickig dargestellt. Der Motor gleiche einer Schlangengrube, das hydropneumatische Fahrwerk sei anfällig (und immer undicht) und das Blech roste schneller, als man schweißen könne. Verglichen mit einem mager ausgestatteten Golf IV mag das stimmen. Örg kann darüber nur lachen. Das grundsolide Blech des Frankreich-Imports ist inzwischen mit einigen Hektolitern Hohlraumwachs für die Nachwelt gerettet. Die “Federkullern”, mit denen sich der Bolide in der Höhe absenken lässt und sich katzengleich auf den Boden legen kann, lassen sich genau so leicht tauschen wie herkömmliche Stoßdämpfer. Und der Motor – wo ist er eigentlich, hat Örg ihn zu Wartungszwecken ausgebaut? Ach nein, da, ganz weit hinten unter der gewaltigen Motorhaube kauert das übersichtliche Vierzylinderchen und schnurrt wie eine Nähmaschine von Opel. Überall ist gutes Rankommen, ungewohnt sind lediglich die gefühlt mehreren Meter zwischen Triebwerk und vorderer Stoßstange. Hier passt noch einmal ein kompletter Chevy Matiz rein, als Beiboot sozusagen.

Die Göttin kommt hoch hinausEine Formensprache, die auch 50 Jahre später noch immer sprachlos macht. Mit Seitenteilen, die sich mittels zweier kleiner Schrauben am Heck komplett entfernen lassen! Mit einem abschraubbaren Dach!! Mit vier holmlosen Türen!!! Der Volksmund hat es damals schon erkannt, und Citroën reagierte mit dem Wortspiel DS (gleich der “Göttin” déesse). Bei der heutigen Vollabnahme wurden sich die Sekretärin und der Prüfer anfangs nicht einig, wer sich denn zuerst reinsetzen dürfe. Aber das ist eine andere Geschichte. In dieser Woche erntet Örg die süßen Früchte jahrelanger Arbeit: Das begehrte H-Kennzeichen. Es bescheinigt Autos, die älter sind als 30 Jahre, einen zeitgenössischen originalen Zustand. Hierbei geht es weniger um wattestäbchen-gepflegte Zustand-1-Klassiker, sondern um die schlichte erhaltenswerte Originalität. Und ein bisschen gesunde Patina steht jedem Alltags-Oldtimer (und auch seinen Fahrern) meiner Meinung nach hervorragend! Der erste Test kommt am Sonntag. Örg und ich fahren mit der DS und meinem V8 für eine Woche an die dänische Westküste. Das bekommen Sie natürlich hier zu lesen :-)

Glückwunsch, Örg! Ich hoffe, ich kann mit meinem K70 bald nachlegen…

Sandmann


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Siehe auch: Panasonic CQ-TX5500D: Röhren-Retro-Radio|chromjuwelen: RT @ami6: Extrem Tuning in #Spanien: #Citroen #Ami tiefer breiter härter, wem es...|Tuning World Bodensee: Wir waren dort, wo vorne ist
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