"Italien im Zeitraffer" antworteten wir schon im letzten Jahr, als wir erstmalig das Vergnügen hatten, der Mille Miglia hinterher fahren zu dürfen und gefragt wurden, wie es denn wohl war. Insofern waren wir bestens auf die Mille Miglia 2009 vorbereitet und wussten, was auf uns zukommen würde.
Wunderschöne Autoträume vor der alten Ellring-Scheune
Der Acker so furchig wie geschundenes Blech, die Besucher so schillernd wie
manche Auto-Historie – Ellringen ist das jährliche Eldorado aller
Norddeutschen Oldiefans. Mehr als 11000 Besucher eroberten diesmal das
winzige Dorf bei Lüneburg, um mit rund 1000 privaten klassische
Fahrzeugen (Autos, Motorräder, Trecker, Lastwagen) die Oldie-Saison zu
eröffnen.
Egal, dass dabei oft die Freude an altem Blech das Fachwissen bei
weitem überstieg („...der hat ja gar kein H-Kennzeichen – dann ist es
auch kein Oldtimer...“) – hier geht es schließlich um sehen und gesehen
werden. Das Schönste an der Veranstaltung: Nicht nur Wald- und
Wiesen-Autos wie Strichachter und Ford Capri geben sich ein
Stelldichein, sondern auch seltenere Marken wie Matra, Riley oder Aero
sind zu sehen.
[von Motorkultur.com] Würde eine Branche grinsen können, würde man in Essen bestens die gesunden Zähne des Oldtimer-Wirtschaftszweiges sehen. So sind es bislang nur vereinzelte Händler, die sich die Hände reiben, weil die solvente Klientel zuhauf ihr immer noch vorhandenes Geld von unsicheren Bankgeschäften abziehen und in hochwertige automobile Klassiker stecken mit der Gewissheit einer kräftigen Rendite. Kurz: Die Technoclassica dürfte in diesem Jahr die einzige Automesse von Weltbedeutung sein, auf der „Krise“ ein Fremdwort ist. Nebenbei gibt es auch selten so viele Gründe für Feste wie in der Automobilhistorie.
Verdammt nochmal, wie können eigentlich Mopeds, die auf einer schmaleren
Bereifung als ein Bonanza-Rad unterwegs sind, so einen Krach machen! Aber langsam legt sich das Pfeiffen in den Ohren. Dagegen war Hans-Joachim ''Strietzel'' Stuck in seinem zwangsbeatmeten Audi 90 Quattro Imsa GTO harmlos.
Ich weiß - man kann sie bald nicht mehr sehen. Die vollrestaurierten und zum Neuwagenzustand geschniegelten 300 SL. Wenn man aber eben diese bei geschätzten 220 Sachen in der Steilwandkurve des Bosch-Prüfzentrums Boxberg erleben darf, dann ändert sich die Wahrnehmung.
Ein Auto, das nicht nur äußerlich zum Maß aller schönen Dinge aus
Stuttgart werden sollte, sondern das zu seiner Zeit auch schlichtweg
doppelt so schnell wie alle anderen auf Deutschlands noch leeren
Autobahnen war, rast ein halbes Jahrhundert später an einem vor
Ehrfurcht zitternden Fotografen vorbei. Dieser Fotograf war ich. Die
Veranstaltung war die ''Heidelberg Historic'', eine Oldtimer-Rallye mit
gehobenem Starterfeld von knapp 200 Fahrzeugen. Darunter auch ein
(angeblich) unrestaurierter Flügeltürer mit wunderschöner Patina und
Fifi an Bord.
Italien im Zeitraffer. Besser lässt sich unsere Reise - wobei es Trip (=Rausch) eigentlich besser trifft - quer durch Italien nicht zusammenfassen. Kaum angekommen, ging es schon im Korso durch atemberaubende Altstädte und im Sturzflug durch Serpentinen. Immer unserem 1956 Mercedes-Benz 300 SL W198 hinterher. Von Brescia über Verona nach Ferrara, von Ferrara über San Marino und Assisi nach Rom, von Rom über Siena, Bologna und Maranello zurück nach Brescia. Dazwischen zu wenig Schlaf und den Kopf übervoll mit Eindrücken. Wie war der eigene Name noch? In welcher Stadt sind wir doch gleich?
Morgen Abend ist es soweit: Unser längst überfälliges (motor-) kulturelles Fortbildungsprogramm beginnt! Und zwar mit einem Kurztrip nach Italien. Nach Brescia, um genau zu sein. Denn in Brescia startet sie, die Mille Miglia. Eben der Klassiker unter den Langstrecken-Straßenrennen, der z.B. so große Begriffe wie ''Gran Turismo (GT)'' bekannt gemacht hat. Wir wollten es schon immer mal wissen und fahren sie deshalb in diesem Jahr mit, die berühmten ''1000 Meilen''!
Nach einer dreijährigen Vorbereitungszeit - und mit einigen Extrarunden bei der Restaurierung - wurde die Sammlung ''Prototyp - Personen. Kraft. Wagen.'' am 5. April 2008 eröffnet. Thomas König und Oliver Schmidt haben mit diesem Museum ein Meisterwerk abgeliefert. Natürlich geht es in erster Linie um ''Personen, Kraft und Wagen'', doch alleine die Architektur ist beeindruckend. Moderne Eleganz fügt sich perfekt in die historischen Mauern. Nackter Backstein, kühler Stahl, glatte Flächen und alles durchdringendes Licht geben einem das sichere Gefühl, in einer stil- und geschmackvollen Automobilsammlung gelandet zu sein.
Es ist doch wie verhext. Ich schaffe es einfach nicht, die Techno Classica in Essen zu besuchen. Peinlich, peinlich, peinlich. Zum Glück gibt es aber so fleissige Chromjuwelen-Mitglieder wie Herrn Dirk ''Pixeleye'' Behlau oder
Christoph Pohlmann, die nicht lange mit den ersten Fotos auf sich warten lassen ...
Da hat man schon eine feine Oldtimer- und Youngtimer-Auslese gleich in der Nachbarschaft, und dann kommt man nur viel zu kurz dazu, die Show zu geniessen. Verdammte Autoschrauberei ...