"Wen interesieren denn schnauzbärtige Rodel-Bayern, wenn „Torino“ Stichwort für was geileres sein kann? Zum Beispiel für den Ford Torino?" CudaCatcher aka Tino Lange aka "The-Chromjuwelen-Historiker" hat wieder zugeschlagen. Mit einem Artikel über ein weiteres, exzellentes Außenseitermuskelauto.
Deswegen: Sofort über "weiter" gehen, den Artikel auswendig lernen, und beim nächsten Ampelrennen den Gegner durch Besserwisserei schlagen. Here we gohoooo ...
Eigentlich ist es keine große Geschichte wert, daß „King Richard“ Petty 1969 zehn NASCAR-Rennen gewonnen hatte und am Ende der Saison zweiter wurde. Was anderes war man vom insgesamt siebenfachen NASCAR-Champion nicht gewohnt. Ungewohnt war allerdings der Hersteller-Aufkleber auf seinem 1969er Arbeitsgerät: Kein dickes „Plymouth“ zierte wie sonst Pettys hellblauen Oval-Renner, sondern – ausgerechnet – Ford! Da ihm die Mopar-Modelle nicht schnell genug schienen, war er zum Erzfeind gewechselt … Saisonsieger wurde allerdings David Pearson, ebenfalls auf Ford. Petty saß ein Jahr darauf wieder im Plymouth (Superbird), und der kurze Ruhm seines Ford-NASCAR-Modelles verblasste im Gegensatz zu Mustang oder Thunderbird mit den Jahren… „Ford’s forgotten muscle“ wird er genannt: der Ford Torino.
1968 stellte Ford den Torino als Sportversion des Fairlane und als großen Bruder des Mustang vor, erhältlich als 4-Tür-Sedan, Hardtop, Cabrio und Fastback. Vor allem letzteres sorgte für Aufsehen: In der Front recht eckig mit vier markanten Rundscheinwerfern gehalten, wollte der Torino Fastback hinten einfach kein Ende nehmen. Schon optisch wurde hier „Aerodynamik“ und „Schnelligkeit“ suggeriert (und vom miesen Handling abgelenkt), und natürlich gab es auch die passenden Maschinen dafür, angefangen beim 302ci-Smallblock über den 390ci-Bigblock bis hin zu Fords Antwort auf den HEMI, den 428ci Cobra Jet Motor. Wohin für die Käufer die Reise gehen sollte, war klar: Mit 74,135 verklauften Exemplaren stach der Fastback 58.000 Hardtops, 18.000 Viertürer und 5000 Cabrios klar aus.
Dieser Anfangserfolg war allerdings nur ein Strohfeuer, denn im nahezu unveränderten Modelljahr 1969 gingen die Verkäufe um rund 1/3 zurück, Pettys Erfolge und das dazugehörige NASCAR-Straßenmodell Torino Talladega (mit abgeflachter Schnauze und 335PS Cobra Jet) sowie das Schwestermodell Mercury Cyclone Spoiler konnten daran nichts ändern. Irgendwie blieb der Torino das schwarze Schaf der Familie, das „nicht schlecht aber lieber doch den Mustang“-Stiefkind.
1970 ging Ford in die Offensive, rundete das Design ab und vergrößerte Chassis ebenso wie Motorleistung (mit neuen 351ci Cleveland- und 429ci Super Cobra Jet Motoren). Die Belohnung: immerhin 56,819 verkaufte Torino GT Fastbacks und die Auszeichnung „Motor Trends Car Of The Year“. Nach Halbierung des Absatzes 1971 folgte 1972 das nächste Re-Design: optisch aggressiver mit großem Karpfenmaul, technisch aber, Muscle-Mördern wie Versicherungsraten und Benzinpreise sei dank, schwächer auf der Brust. Der neue Hang zur Spießigkeit ließ die „Gran Torinos“, wie sie dann derzeit genannt wurden, von 1973 bis zum Ende 1976 optisch und technisch immer mehr abflachen.
Allerdings: Die wenigen Gran Torinos, die heute noch existieren, sind selten im Originalzustand, sondern gerne rot-weiß lackiert und mit roter Signalleuchte ausgestattet. Starsky & Hutch, die legendäre Straßenfeger-TV-Serie (vor zwei Jahren neu verfilmt mit Ben Stiller und Owen Wilson) um zwei Bay-City-Cops, lebte hauptsächlich von zwei getunten 75er/76er Gran Torinos, und nicht nur Ford lackierte 1976 die letzten 1000 Gran Torinos im Starsky&Hutch-Design, sondern ungezählte Serienfans und Nostalgiker. Daß also heute beim Begriff „Torino“ nicht nur an Olympia gedacht wird, sondern auch an „da war noch’n Ford-Muscle-Car außer dem Mustang, wie hieß das noch…“ ist eher Starsky & Hutchs Verdienst als Richard Pettys.
Wer heute auf der Suche nach einem individuellem Ford-Muscle-Car ist und sich nicht in die große Riege der Stang-Natiker einreihen will, dem bleibt eigentlich nur der Torino. Gerade die 1968er und 1969er Modelle belohnen den Sucher mit Leistung und Design, sind aber auch schwer zu finden und teuer. Gut erhaltene Cobra-Jet-Torinos kratzen an der 70.000- 100.000$-Marke, entsprechend sind 1969er Torino Talladegas kaum zu bezahlen. Smallblock-Varianten und Hardtops allerdings werden kaum gesucht und sind freundlicher für den Geldbeutel. Bei den allerorten angebotenen „Starsky & Hutch“-Gran Torinos ist allerdings Vorsicht geboten: Wie beim Mopar-Pendant „General Lee“ wird oft versucht, übergetünchten Schrott als „Film-Star“ überteuert an den Mann zu bringen. Aber auch bei den „guten“ ist Vorsicht geboten, denn Starsky sagt: „You do not bang on the hood. You never under any circumstances drive. And you will certainly not put your coffee mug on the roof of the car. In fact, no coffee in the car whatsoever. Coffee goes on the ground, you get in the car, we go.” Here we go!
Siehe auch: 4° Concorso Internazionale d’Eleganza per Automobili “Città di Torino”___by Simon Grand|The films of Quentin Tarantino|Frenchy LaFemme : Your Wish is My Command|Images ~ Saturday Recap Part Two ~ Pitzer College Latino Rockabilly Festival ~ Claremont|Documercial: Lamborghini Gallardo LP 550-2 “Valentino Balboni”|Lambo Tester Gets his Own Model!|Das ABY |
my favorite musclecar
by: scareglow (Gast) on 19-12-2008 11:09