Sachen gibt’s… es war bei den Street Nats in Hamburg 2004, am frühen Sonntag morgen. Wir kurven im Barracuda um den Platz auf der Suche nach einem lauschigen Plätzchen und stellen uns – Mopar or no Nachbar – neben einen schönen 72er Dodge Dart Swinger: Orange, schwarzes Vinyldach, so, wie es sein soll. Das Nats-Gelände füllt sich, und wie üblich streunt der Pöbel wie gewohnt vor allem um ungezählte Flitterlack-Corvädden, Camaros der Straßenmeisterei (Schneepflug-Spoiler…) und anderes klebriges Eye-Candy. Markenübergreifendes Business as usual. In schöner Reihenfolge werden die Schlurren von den Ladys mit Custom-Möpsen auf die Show&Shine-Bühne gewunken und ernten Applaus, „ahs“ und „ohs“ und den einen oder anderen Pokal. Und was hatte das Volk für den Dart übrig? Eine Butterstulle, achtlos abgelegt auf der Motorhaube! So eine Sauerei! Denn Stulle gib nur einer: Der Dodge Dart selber, der Bigblock-Killa!
1960 präsentierte Dodge den ersten Dart als günstiges Fullsize-Heckflossen-Perlchen mit gediegenen Optionsreihen namens Seneca, Pioneer und Phoenix. Das Konzept „Fullsize, low prize“ kam an und aus dem Stand rollten 306.000 Darts vor die Garagen, um Sonntags nach dem Gottesdienst gewienert zu werden. Angestachelt durch den Erfolg wurde der Dart 1961 gleich gründlich redesignt – und total verhunzt. Denn nun war der Dart nicht nur ein Billigeimer, er sah auch noch so aus. Das immer noch Flossen- und Heckleuchtengierige Amerika wurde mit einer Mini-Rückfunzel und sich verjüngenden Finnen abgespeist und wandte sich empört ab. Der Absatz sackte auf die Hälfte (!) des Vorjahres ab.
Was solls, werfen wir das Konzept eben erneut völlig über den Haufen! 1962/1963 stutzte Dodge den Dart zum leichtgewichtigen, günstigen kompakten Karren zusammen, mit kurzem Heck und langer Front. Der Dart GT mit seinem 273ci-Motor (180PS) machte in der Tat seinem Namen „Pfeil“ langsam alle Ehre. Das war der wahre Jakob, und in den folgenden Jahren bis zum Dart-Ende 1976 wurde er zu Dodges kommerziellen Zugpferd, und jährlich schwirrten verlässlich immer weit über 100.000 neue Pfeile durch Nordamerika.
Am populärsten wurde die Baureihe ab 1967. Kantig, aber handlich und harmonisch bot der Dart alles vom luftarmen Viertürer für den Einkauf über Cabrios bis hin zu… den Bigblock-Jägern mit Bumblebee-Stripes, Hoodscoops, High-Performance-Technik und V8-Power. Mit einem 68er/69er GTS, standardmäßig ab Werk mit dem leichten, aber hölle drehfreudigen 340ci-Motor ausgestattet, winkte so mancher Ampelgegner lieber gleich ab und zog den Schwanz ein. Auf Wunsch gab es den Dart GTS sogar mit 383ci oder gar 440ci, aber das Handling reduzierte sich mit diesem Wanst im Motorraum von „Spaß“ auf „bitterer Ernst“.
Bitter ernst wurde es auch auf den Dragstrips der NHRA, denn das mundgerechte Dart-Chassis schrie nur danach, mit PS vollgestopft zu werden. Und die Jungs von Mr. Norm und Hurst waren irre genug, 440er und sogar Hemis in ihre Superstock-Darts zu zwängen. Ein Dart GTS an der Ampel ist eine Sache, der 1968er Hurst Hemi Dart und seine 82 Kollegen allerdings fielen über die Viertelmeilen-Rennen her wie die mittelalterlichen englischen Bogenschützen über den französischen Ritteradel bei Crecy und Azincourt: gnadenlos, perfekt, präzise, schnell. Noch heute sind Superstock-Darts mit Zeiten weit unter 10 Sekunden ebenso gefürchtet wie geachtet auf dem Strip.
1970 kratzten die Darts, allen voran der neue Preis-Leistungs-Knaller Dart Swinger, an der 200.000er-Marke, doch um sich noch mehr vom Marktkuchen abzuschneiden, präsentierte Dodge neben dem weiterhin kaum veränderten Dart 1971 den Dart Demon auf Basis von Plymouths Verkaufsschlager Duster. Der „dämonische“ Name und das dazugehörige Logo mit dem niedlichen Comic-Deibel sorgte allerdings für – ähem – leichte Verstimmung bei den üblichen amerikanischen Verdächtigen und so wurde der Demon 1973 in Dart Sport umbenannt. Nach 1976 ersetzte der Dodge Aspen den Dart im Kompakt-Segment.
Zugegeben, der Dart hatte nie werbewirksame Filmauftritte wie Charger, Mustang und andere Zeitgenossen, und beim Stichwort „Muscle Car“ fallen manchem wahrscheinlich auch andere Namen ein. Aber: mit 4.322.615 verkauften Exemplaren von 1960 bis 1976 war der Dart die Cash-Kuh von Dodge, und bietet dem US-Fan auch heute alle erdenklichen Optionen, Farben, Ausstattungsvarianten, Motoren… vom Einkaufskübel über schnelle Daylies bis zum Mini-Muscle-Monster! Ein Dart GTS ist natürlich öööh nicht ganz billig, vor allem die seltenen Bigblock-Darts, aber Mopar-Maniacs, die sich einen waschechten und vor allem potentiell schwer zu schlagenden Racer aufbauen wollen, finden mit großer Wahrscheinlichkeit irgendwo eine günstige Dart-Basis – und dann ist Achterbahn! Dann wird Stulle gegeben! Unter, nicht auf der Haube!
der...
by: kustomkulture (Registriert) on 14-03-2006 12:20