Dragracing ist der größte Motorsport der Welt. Die meisten Aktiven, die meisten Zuschauer und die dicksten Preisgelder. Wir reden hier von den Zuständen in Amerika. Europa und Deutschland holen aber in den letzten Jahren kräftig auf.Angefangen hat das Dragracing in Kombination mit dem Hod Rodding in den 30er und 40er Jahren des letzten Jahrtausends. Halbstarke Jugendliche motzten die ausrangierten Fords, Chevrolets oder andere Fabrikate auf, machten sie schneller und veränderten die Optik nach ihrem Geschmack. Die Maschinen leisteten damals schon mehrere 100 PS. Gefährliche Ampelduelle in der Stadt waren das Ziel der Fahrer, um ihre Kräfte zu messen und dem weiblichen Geschlecht zu imponieren. Wer kennt nicht die Filme wie „Amerikan Graffitti“, „Grease“ oder „…denn sie wissen nicht was sie tun“. Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Hot Rodder zur Plage der Öffentlichkeit. Die Heisen Kisten wurden immer schneller, die Duelle härter, man fuhr um Ruhm, und Geld in illegalen Straßenrennen und die Unfälle wurden immer zahlreicher und schwerer. Man versuchte das ganze in sinnvolle Bahnen zu lenken und die NHRA (National Hot Rod Association) entstand. „Dedicated to safety“, der Sicherheit verschrieben ist ihr Motto.

Man wollte die Illegalen Halbstarken in sportliche und sichere Bahnen lenken. Unter ihrer Organisation fanden Anfang der 50er die ersten offiziellen Dragraces statt. Per Flaggenstart wurden immer 2 Gegner ins Rennen geschickt. Wer als erstes im Ziel ist hat gewonnen. Die Startampel samt dem ausgeklügelten Zeitmesssystem wurden erst später eingeführt. Verschiedene Klasse entwickelten sich zur Wahrung der Chancengleichheit. Angefangen von „Stock“ also Straßenwagen bis hin, zu schon mitte der 50er mit Nitromathan (flüssiger Sprengstoff) fahrenden Spezial Dragstern. Das Volk war begeistert, schnell gab es Helden die man verehrte und in Heerscharen zu den jeweiligen Rennen pilgerte. Die NHRA richtet auch heute noch die größte und prestigeträchtigste Meisterschaft im Dragracing aus. Die NHRA Powerade Dragaracing Championship. In 4 verschiedenen Auto und einer Motorrad Klasse geht es um Millionen von Dollar mit großen Sponsoren im Rücken, 100tausenden Fans an der Rennstrecke und Millionen vor dem TV. Was für eine Entwicklung. Kleinere Events gibt es in den USA an jeder Ecke, dort kann man mit seinem Alltagsauto für ein paar Dollar teilnehmen und schauen was seine Kiste so drauf hat. Das ist Volkssport, so wie bei uns Fußball.

Dragracing kam durch die US Army in den 1960ern nach Europa und auch nach Deutschland. Auf Airbasen wie Rammstein oder Hanau – Erlensee fuhren die GI’s mit ihren Kisten um die Wette und immer mehr Deutsche fanden gefallen an diesem Sport. 1969 wurde die HARA (Hanau Auto Racing Association) gegründet und leistet nun schon knapp 30 Jahre gute Dienste für das Deutsche Dragracing. In Deutschland geht es nicht um die großen Summen wie in Amerika, aber es gibt mehr als nur einen harten Kern der zu Rennen in Deutschland und Europa Pilgert (siehe Kasten mit den Strecken).
Man muss grundsätzlich zwei Seiten des Beschleunigungssports unterscheiden. Auf der einen Seite die modernen Hot Rodder, die Tuning Fans die mit ihren aufgemotzten und schneller gemachten VW’s, Opels, BMW’s auch auf ¼ Meile Events wie den German Racewars, oder den Speeddays gegeneinander antreten, schauen was das Material aushält, wie schnell der Ofen eigentlich läuft, eine geile Party feiern und damit zufrieden sind.

Die andere Seite ist der durch den Motorsportverband organisierte Rennbetrieb. Dort wollen die Fahrer in verschiedenen Klassen Rennen fahren und einen Sieger ermitteln und Meisterschaften gewinnen. Oberster Kopf für die Dragracer in Europa ist auch die FIA (ja, die schreibt unter anderem die Formel 1 und Rallye WM aus).

Die Einzelnen Auto und Motorrad Klassen machen den Sport auf den ersten Blick etwas verwirrend, auf der anderen Seite extrem vielfältig und spannend. Man unterscheidet prinzipiell 3 Kategorien in denen die Boliden eingruppiert sind. Die verbreitetste, der Volkssport Modus ist das „Bracket Racing“. Hier werden im Zuge der Chancengleichheit unterschiede der Fahrzeuge an der Startampel ausgeglichen. Zum Beispiel kann Fahrer A eine Sekunde Schneller als Fahrer B fahren, so bekommt Fahrer B an der Ampel eine Sekunde Vorsprung. In diesem Modus werden viele der Lokalen Rennen in den Staaten oder auch in Deutschland (z.B. Bitburg von 1 on 1 Motorsports) ausgetragen. Das ist sehr ansprechend, da das Fahrzeug nicht zwangsläufig modifiziert sein muss. Auch hier gibt es wieder Untergruppierungen. Die zweite Katrgorie sind die Index Klassen. Hier gibt es die Super Klassen die einen Bestimmten Index haben (Street 10.90 Sek , Gas 9.90 Sek., Comp 8.90 Sek).

Dieser Index darf nicht unterboten werden. Das hat den Sinn dass sich die Materialkosten im Rahmen halten und erschwinglich bleiben. Eine weitere Klasse ist die Competition Eliminator Klasse, hier gibt es für jedes Fahrzeug einen Index, dieser errechnet sich nach Gewicht, Hubraum, Art der Aufladung (Lachgas, Kompressor, Turbo, verwendeter Sprit). Dieser Index soll aber unterboten werden, möchte man gewinnen.

Als Dritte Kategorie gibt es dann die so genannten Heads up Klassen. Hier wird gleichzeitig gestartet und wer als erstes im Ziel ist hat gewonnen. Das ist Quasi die Urform des Dragracing, aber auch die Teuerste. Diese Fahrzeuge verschlingen Unmengen an Geld. Hier werden die Klassen nach ihrer Bauform in Dragster (lange Rohrrahmen Konstruktionen),

Funnycars (kurzer Radstand, Motor vor dem Fahrer und Fieberglaskarosserie zum aufklappen)

oder Doorslammer (ein Auto das noch wie ein Auto aussieht, mit funktionalen Türen) eingeteilt,

sowie nach Art des verwendeten Treibstoffes. In Europa wie in den Staaten sein die Top Fuel Dragster mit ihren 10 Metern Länge, 80 Liter Nitromethan (Sprengstoff) auf 400 Meter fressenden Monstermotoren und bis zu 8000 PS die Könige des Sportes. Sie brauchen im Schnitt bei optimalen Bedingungen 4.5 Sekunden um die Distanz von 400 Metern zurückzulegen und erreichen dabei Top Geschwindigkeiten von über 500 Km/h.

Top Fuel Funnycars sind nur geringfügig langsamer, sind durch den kurzen Radstand aber viel schwieriger zu beherrschen.

Darunter gibt es dann die Klassen der Mehanol Dragster und Funnycars, sie verbrennen reinen Alkohol und keine Nitromethan, leisten um die 3500 PS und sind im Schnitt mit 5.4 Sekunden im Ziel. Die Klasse Pro Modified ist zweifelsohne der Publikumsliebling. 12 Liter Motoren mit bis zu 4 stufigen Lachgassystemen oder 8 Liter Kompressormotoren mit Methanol als Kraftquelle in optisch wunderschöne Autos gebaut. Monster Burn Outs und Rennläufe die nach knapp 6 Sekunden und weit über 300 Km/h vorüber sind. Das sind die Hot Rods from Hell.

Die Klasse der Pro Stocker setzt dabei auf reine Vergasertechnik und Rennbenzin, ohne zusätzliche Aufladung und fahren mit knapp 6.7 Sekunden durch das Ziel.

Diese Klassen kann man in Europa bei den 5 EM Rennen bestaunen. Einer davon findet immer am dritten August Wochenende in Hockenheim im Rahmen der NitrolympX statt. Bei den Motorrädern gibt es ähnliche Einteilungen. Eine weitere Heads up Klasse die sehr spannende Rennen bietet sind die Street Eliminator. Das Fahrzeug muss Straßentauglich sein und ab geht die Post. Die Top Leute Fahren tiefe 9 Sekunden (www.Street-Eliminator.de ).

Die Ampel:
Die Startampel oder „Tree“ (wegen der bunten Lichter vom Christmastree) ist Teil der komplexen Zeitmessanlage. Die oberen beiden weißen Lichtpaare zeigen an ob die Gegner richtig an der Startlinie stehen, die Gelben Lichter laufen in einer bestimmten Zeitlichen abfolge nacheinander durch. Grün gibt den Rennlauf frei und wer ein „Rotlicht“ bekommt hat einen Frühstart hingelegt und fliegt raus.
Wichtig in allen Klassen ist die Reaktionszeit jedes Fahrers (die Zeit die vom aufleuchten des grünen lichtes bis zum tatsächlichen Losfahren verstreicht. Sie wird zur E.T. (Elapsed Time, also der Laufzeit addiert). Sind beide Fahrer auf der Strecke gleich schnell, entscheidet über Sieg oder Niederlage die Reaktionszeit.

Strecken:
Deutschland:
Luckau (bei Cottbus) www.mza-luckau.com mit den Grand Nationals immer am WE des 4. Juli
Hockenheim: 3. August Wochenende NitrolympX ( EM Lauf, über 50000 Zuschauer, www.dragster.de)
Bitburg, kleinere monatliche Events für Jedermann mit speziellen Schwerpunktveranstaltungen (Käfer, Mopars, Street Eliminator, www.1on1-motorsports.de )
Wittstock: kleinere Tuning Treffen mit ¼ Meile, ab 2009 wieder ein Dragrace in Planung
Eisenach, German Racewars. Fahren Für jedermann, 10000 Besucher, monatliche Events (www.german-racewars.com )
Drachten in Nordholland ist für 3 Rennen im Jahr immer eine reise wert. www.explosiondragracing.com
EM Strecken:
Hockenheim www.dragster.de
Santa Pod England, www.santapod.com
Mantorp Schweden www.veidecfestival.com
Alastaro Finnland www.fhra.fi
Gardemoen Norwegen www.ndrg.no
So, das ist quasi die extended Version des Coupe Berichtes der 10/2008 er Ausgabe.
Grüße
The Dragstripper
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