Betreffend Südländer hat man ja so seine Vorurteile. Vor allem ihr Organisationstalent wird gerne infrage gestellt, mit entsprechender Vorahnung reiste ich mit Christian Köster zum 34. Salòn Internacional del Automòvil in Barcelona ? und war überrascht. Zwar klappte die Akkreditierung per Mail leider nicht, dennoch waren wir überpünktlich auf der Messe. Die Eröffnung sollte um 9.00 Uhr stattfinden. In Genf und Frankfurt wäre dann tatsächlich um Punkt 9.00 der erste Journalist durch das Drehkreuz gelaufen. Doch in Barcelona? Ein freundliches Lächeln bei der Pressetante am Eingang, Ausweis plus diskret die Visitenkarte vorgelegt ? und schon durften wir in die eiligen Hallen. Um 8.30 Uhr, also eine halbe Stunde vor Eröffnung. Staubsauger drehten noch ihre Runden, Pressesprecher prüften den Sitz der Krawatten, Hostessen hatten teilweise noch nasses Haar und wirkten wie frisch aus der Duschkabine gesprungen.
Kollege Köster war glücklich, konnte er so ohne Menschenmassen im Hintergrund sämtliche Neuheiten knipsen. Nach der Eröffnung ging es allerdings auch nicht besonders hektisch zu, vielmehr gaben sich die Spanier unglaublich lässig. Highlight der Stimmung war für mich die Weltpräsentation (!) des Peugeot 207 SW: Sie war für 9.20 Uhr angesetzt, und wir eilten entsprechend zeitgerecht zum Franzosenstand. Wollten doch unbedingt einen guten Platz haben. Doch um 9.15 Uhr klebte ein Techniker in aller Ruhe ein Kabel für das Mikro am Rednerpult fest, diskutierten die Messe-Mädels die artgerechte Auto-Enthüllung und suchte ein Redner noch seine Notizen. Einfach umfassbar, so eine entspannte Präse habe ich noch nie erlebt!
Ebenso war die Sprachenvielfalt erstaunlich. Grundsätzlich unterhält sich die Branche in Englisch, in Genf und Paris natürlich auch in Französisch. Beim Salòn Internacional del Automòvil in Barcelona? Spanisch und Katalanisch. Bei Spanisch komme ich mit, doch Katalanisch ist mir so fremd wie dem Österreicher das Plattdeutsch.
Der Spanier ist ein durchaus hilfsbereiter Zeitgenosse, wie wir mal wieder erfahren durften. Christian mühte sich in der Ablichtung eines Passat R36 Variant, der auf einer Drehscheibe seine Runden zog. Bewegtes Ziel, für einen militärisch geprägten Knipser eine besondere Herausforderung. Doch daraus wurde nix, denn ein rücksichtsvoller VW-Mitarbeiter bremste den Drehteller. Vielen Dank auch, so viel Rücksicht bei einer Messe ist mehr als selten und war ein weiteres angenehmes Erlebnis in Barcelona.
Weniger schön war dann die Arbeit nach der Messe: Ab ins Hotel, Notebook mit dem Netz vertraut machen, Bilder hochladen. Letzteres war mit veritablen technischen Problemen verbunden und dauerte eine Ewigkeit. Gegen Mitternacht kaufte ich für Christian und mich für 20 Euro Burger und Cola, bis vier Uhr morgens ging es dann an den Text. Christian lag daneben im Bett und atmete sehr gleichmäßig, ich dichtete bunte Bildunterschriften zu all den News aus Barcelona. Auch das ist Journalismus, ein Arbeitstag mit 20 Stunden. Und danach das wunderbare Gefühl, eine runde Geschichte geliefert zu haben.
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