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Der letzte Tanz des Abends

 Sandmann, 15.09.2008 in Partner- und Mitglieder-Blogs, automesse-live.de

Hamburg-Berlin Klassik 2008, Epilog

Auf der Titanic ging es nicht festlicher zuGoldene Seiltänzer, schillernde Akrobatik, swingender Soul mit kraftvoller Stimme. Eine glamouröse Preisverleihung mit dem Who is Who dieser Veranstaltung, vielzahlige aufrichtig warme Worte, glückliche Gesichter auf drei Ebenen. Ein mehrgängiges Dinner, erlesene Spezialitäten, dazu wird guter Wein gereicht. Da unten tropft ein grandioser Abend wie Dalis Uhren von den Tischdecken. Sagt man mir. Ich bin noch nicht dabei. Die Bässe der Band dringen bis in den dritten Stock, wo ich in meinem Hotelzimmer sitze und an den Fotos und Berichten arbeite. Sie, liebe Onlineleser, haben alles gesehen, die schönen Autos, die wundervolle Strecke, die tollen Videos von autobild.tv. Und was passiert im “Making-Of” parallel und danach?

Hotelzimmer können sehr groß sein, wenn man alleine istSchauen Sie mal. So sieht das aus, was man als Blogger von autobild.de macht, wenn Teilnehmer der Rallye sich verlustieren und ihre guten Platzierungen feiern. Okay – es macht mir tierisch Spaß, im Internet zu recherchieren, Texte zu verfassen und Bilder zu bearbeiten. Aber heute Abend fühle ich mich ein bisschen einsam. Nicht mal ein Herr Eickmann ist in der Nähe, dabei hatte ich mich gerade an ihn gewöhnt. Und was ich noch gar nicht weiß: Unten wird in diesem Moment Fisch oder alternativ Kalbsmedaillon gereicht. Mein Magen bedankt sich für den Schluck Rotwein und sendet meinem Kopf ein paar metaphorische Floskeln, die vielleicht genau diese Stimmung treffen könnten.

Der Saal leert sich langsamSpäter an diesem Abend setze ich mich seufzend an den Tisch zu unserem guten Lars Busemann (Volontär von autobild.de) und seiner Carmen. Die ersten müden Gäste gehen bereits, erschöpft von drei abwechslungsreichen Rallyetagen. Hände werden geschüttelt, Visitenkarten ausgetauscht und Telefonnummern hin- und hergeschoben. Voller Freude mache ich mich über den großen Teller Spaghetti al Rabiata her, den die beiden mir post-bloggend heimlich aus der Küche haben nachreichen lassen. Ich muss sehr hungrig ausgesehen haben. Die Welt ist eigentlich ganz schön. Als eine neue Flasche chilenischer Wein ins Bild gehalten wird, sind kaum noch Gäste auf der zweiten Ebene. Sie sind alle schlafen gegangen. Aber die Band gibt nicht auf.

Sie gehen…… die Treppe herunter.Volontariate bringen zuweilen schillernde Charaktere hervor. Ungeachtet der Tatsache, dass sich im unteren Bereich nur noch ein paar Smalltalker um einige Whiskeygläser reihen, ergreift Herr Busemann den Arm seiner Freundin und führt sie die Freitreppe hinab. Eine Treppe übrigens, die dem Kuppelsaal der Titanic sehr gestanden hätte. Hier geht aber anders als 1912 nichts unter, hier geht jemand herunter. Auf die leere Tanzfläche.

An Romantik…… kaum zu überbieten.Eisberge sind in den nächsten Minuten nicht zu erwarten, und so stehe ich mit einem verklärten Lächeln am Geländer und mache Erlkönigfotos von den letzten Tänzern des heutigen Abends. Dazu nippe ich an meinem chilenischen Wein, beiße kontrastkauend in den Apfel der Erkenntnis und lasse sentimentale Gedanken auf mich wirken. Bilder der vergangenen schönen Tage, Bilder der vergangenen schönen Jahre und Bilder, die ich in meinem Kopf male, wenn ich nach vorn blicke. Und sei es nur auf die 2. Hamburg-Berlin Rallye im kommenden Jahr, um hier mal ein wenig den Blues herauszunehmen.

Die letzten GästeDie Band spielt die letzten Akkorde an. Der Saal ist inzwischen leer, es ist nach ein Uhr am Sonntagmorgen, und auch wir drei werden allmählich müde. Das gut geschulte Personal des Westin Grand lächelt charmant, wobei ich mir sehr gut vorstellen kann, dass man die letzten drei Gäste auf diesen zwei Stockwerken so allmählich gern in einem der Fahrstühle verschwinden sehen würde. Tun wir ihnen den Gefallen. Leider sind hier keine Glasvitrinen mit Austernschalen wie in den Fahrstühlen in Waren/Müritz. Aber das ist eine andere Geschichte.

So sah es aus…Eine weitere andere Geschichte steht im Roman der Euphorie über unerwartet gute Plätze bei den einen und dem geknickten Ehrgeiz über unerwartet schlechte Plätze bei den anderen. Und das trotz der hochwertigen Zutaten. Damit könnte man einen ganzen Abend füllen. Ha. Dabei sein ist alles! Eine wahrhaft abgedroschene Phrase, die hier auf diesem sehr grandiosen Event allerdings nicht jeder der Teilnehmer unterschreiben würde. Einige wollten schlicht gewinnen. Aber baut das Dabeisein einen nicht immer wieder auf? Besonders, wenn man im Verlauf des Abends ganz aus der Wertung rausfliegt, weil der Fahrer des Käfer Cabrios Sandmann und nicht Katja heißt? Tjaaaha. Das verstehen Sie jetzt nicht. Ich auch nicht. Dabei hab ich mir so viel Mühe gegeben…

Lächeln Sie. Letztlich haben wir nur Platz gemacht. Wir sehen uns im kommenden Jahr auf der von Herrn Wieland versprochenen Fortsetzung, wahrscheinlich in meinem VW K70. Schlafen Sie gut, hoffentlich zu zweit, füe einen allein sind die Betten hier viel zu groß.

Ciao Berlin. Ich hoffe, Sie sind alle wieder gut nach Hause gekommen.

Sandmann


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