Peking im Abendlicht. Auf der riesigen Videowand läuft ein Werbefilm. Es klickt das Schloss einer Perlenkette, eine Frau im roten Kleid braust im Q5 gen Wüste. Später, als Audis neuer Allradler am Vorabend der Automesse in Peking präsentiert ist, lassen die Damen sich reihenweise vor dem Neuling fotografieren. Ist der Audi am Ende ein Frauentyp? Mit seinem geschwungenen Design geht der Q5 sicher andere Wege als der betont kantige Mercedes GLK, dessen Serienversion nur Stunden zuvor ebenfalls in Peking enthüllt worden ist. Der Audi ist von sanfter, runder Wucht, dezent im Detail, kräftig in den Proportionen. Vorne dominiert der inzwischen strapazierte Riesengrill, hinten steht der SUV auf breit ausgestellten Hüften, die von der umlaufenden Heckklappe aus Alu noch betont werden. Zweifellos ein Bruder des großen Q7. In Wirklichkeit sieht der Q5 noch viel imposanter aus, als auf den Fotos: Ein Kompakt-SUV, das ist der Audi nicht mehr – so wenig wie der A4 zur Mittelklasse zählt. Die Limousine spendete zahlreiche Bauteile, von Achsen, Antrieb und Aggregaten bis zum Cockpit, das sich wieder dem Fahrer zuwendet und einfach um eine Etage höher gelegt erscheint. Ein Avant auf Stöckelschuhen, in dem sich jeder Audi-Freund heimisch wird.
Vorne bietet der Q5 Platz wie ein A4 Avant, hinten können sich auch Lange bequem ausstrecken – nicht zuletzt, weil der Q5 auf die dritte Sitzreihe verzichtet. Die zweite ist gegen Aufpreis um zehn Zentimeter längs zu verschieben. Der Kofferraum (540 bis 1560 Liter) fasst eine Tasche mehr als der acht Zentimeter kürzere A4 Avant. Überhaupt werden sich die Audi-Kombis ständig mit dem neuen Q-Wühler vergleichen lassen müssen. Der Ladeboden des Q5 steigt bei umgelegter Rückbank leicht an, der freien Sicht nach schräg steht die ausladende C-Säule im Weg.
Serienmäßig gibt Audi dem Q5 Klimaautomatik, Audio-Anlage, 17-Zoll-Räder und eine Schaltempfehlung im Mitteldisplay mit auf den meist asphaltierten Weg. Kleiner Gag: Ein eingebauter Sensor in der Dachreling erkennt, ob Ladung mitfährt und lässt das ESP in der Folge behutsamer regeln. Der Q5 kommt im Oktober mit zwei längs eingebauten Dieselmotoren (2.0 TDI, 170 PS sowie 3.0 TDI, 240 PS) sowie einem Zweiliter-Benziner mit 211 PS auf den Markt. Kleiner Wermutstropfen: Der kleine Benziner, sicher populärster Motor, ist zunächst nur mit Handschaltung erhältlich. Die Automatik schiebt Audi später nach. Der permanente Quattro-Antrieb, jetzt mit heckbetonter Kraftverteilung, ist generell an Bord. Noch.
Als AUTO BILD VW-Konzernchef Martin Winterkorn fragt, ob ein Frontantrieb denkbar sei, spielt der den Kaiser Franz: „Schau mer mal!“ Ein Frontantrieb für schwächere Motoren ist nicht nur machbar, sondern als Spritsparer auch gut für Audis künftigen Flottenverbrauch. Ein A4 Avant 2.0TDI ist schließlich auch mit reinem Frontantrieb erhältlich.
Der Q5 dürfte voraussichtlich gut 37.000 Euro kosten. Wohlgemerkt ab, denn die Preisliste offeriert mehr Extras als das Schaufenster einer Boutique: von der Rückfahrkamera bis zur Drei-Zonen-Klima-Automatik, von der elektrischen Gepäckklappe bis zu belüfteten Sitzen. Über 100.000 Q5 will Audi bald in Ingolstadt bauen. Schaut man in Peking den Damen in die Augen, scheint der Erfolg des Frauentyps beschlossene Sache zu sein.
Noch mehr Q5-Bilder gibt es hier: Vorstellung Audi Q5
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