Alle waren sie da. Die BMW-Bosse der ersten Liga sowie die internationale Auswahl der wichtigsten Motorjournalisten. Schließlich gab es auch erstmals den neuen BMW 7er zu sehen. Live, anfassbar, in Farbe. Ein Bollwerk deutscher Innovationen, wie die älteren Schreiber sagen. Ne ziemlich coole Karre, wie der Nachwuchs notiert. Kreißsaal dieser Geburt war das neue BMW Museum in München. Wie darf man sich als Unbeteiligter so einen Abend vorstellen?
Erste Überraschung: Das Event war vollkommen frei von Eitelkeiten. Fünf avantgardistisch angehauchte Musiker üben sich in der Darbietung sphärischer Klänge, dazwischen gibt es festliche Geburtstagsreden einiger BMW-Vorstände. Vorstandschef Norbert Reithofer betont stolz die Bedeutung des Bonzentransporters auf sämtlichen Märkten der erwärmten Weltkugel, sein Kollege Klaus Draeger toppt dies noch und erzählt mit spürbarer Begeisterung den anwesenden Kolbenkraftliteraten von der Intelligenz auserwählter Fahrerassistenzsysteme. Schönes Wort, was?
Ist aber mit Abstand nicht mein Lieblingswort des Abends. Das ist nämlich der Begriff “Kundenwertige Innovationen”. Ich lass das mal so stehen. Unkommentiert. Und spare mir meine Kommentare für den Auftritt der Familien Fuchs und Floss.
Beides sind Familien verdienter BMW-Mitarbeiter, die seit Jahrzehnten im Werk Dingdolfing arbeiten; sie wurden im Fond des 7er auf die Bühne gefahren. Um den mehr als 5000 Mitarbeitern in der 7er-Produktion ein Gesicht zu geben. Bayerischer Mittelstand, sehr gepflegt, gut gescheitelte Kinder.
Erich Fuchs berichtete im interview, mehr als 30 Jahre am 7er zu schaffen; er startete damals am Fließband. Gut kann er sich noch an die Fahrzeugelelektrik erinnern. Viele Besitzer des ersten 745i werden das heute auch noch sagen, denn dieses Bauteil war nebst des Turboladers eine der größten Schwächen des großen BMW.
Offensichtlich arbeitet er heute nicht mehr am Fließband, diesen Verdacht nährt das kurze Interview mit Frau Fuchs. “Ich stehe mehr auf die kleineren Serien, bin aber vom dynamischen und sportlichen Auftritt des neuen 7er überrascht”, erzählt sie der versammelten Journalie. Aha. Und abschließend zum neuen Luxusmobil: “Mein Weihnachtsgeschenk steht fest”.
Ich überlege an dieser Stelle eine Bewerbung in das BMW-Werk zu senden. Vielleicht kann ich noch vor Weihnachten den Dienst antreten, würde die Frau an meiner Seite sehr freuen.
Neben mir speist Karim Antoine Habib, Designer des Hauses. Ein lässiger Typ ohne Starallüren, was bei seiner Zunft keine Selbstverständlichkeit ist. Und er gesteht seine Aufregung, als noch das Tuch auf der Limousine liegt. Mehr als 3,5 Jahre zeichnete er täglich an Details, hatte nichts als dem 7er im Kopf. Als die Journalisten erstmals zum 7er vorgelassen werden und ihre Blicke über Scheinwerfer, Heck und Innenraum wandern, steht er mit einem leichten und bescheidenem Lächeln daneben. Beobachtet genau die Reaktionen – und ist geistig vermutlich schon wieder in einem ganz anderen Auto.
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