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Weiß steht nicht jedem

 Nikolaus Eickmann, 30.05.2008 in Partner- und Mitglieder-Blogs, automarktblog.de

img_7069.jpgVon Joachim Staat und Nikolaus Eickmann. Ein Print-Autor, ein Online-Redaktionsleiter, zwei verschiedene Meinungen. Die objektive Frage zum Freitag:Welches Auto darf weiß lackiert werden? Welches besser nicht? Und was sagen Sie dazu?

Mini: Die einzig richtige Farbe, allerdings nur in der Kombination mit Schwarz. Also die typischen Cooper-Streifen auf der Haube, schwarzes Dach und fette schwarze Räder. Mattschwarz vom Tuner, die originalen Miniräder wirken viel zu brav. Gilt für Clubman und Stahldach, beim Cabrio kommen dunkle Farben besser. Der Kontrast zwischen Blech und schwarzem Stoff wäre mir einfach zu hart.

Eickmann sagt: Warum nicht?

Porsche Cayman: Ja! Allerdings sollte der Fahrer nicht älter als 30 sein. Und da nur wenige Twentysomethings einen Porsche bezahlen können, ist ein weiß gelackter Cayman so selten wie ein bunter Elephant. Schade, dass die Fahrer eines weißen Porsche immer Polohemden mit riesigen Logos tragen. Kein Problem in München, in Hamburg eher ungewöhnlich.

Eickmann sagt: Sehe kein Problem

Porsche Cayenne: Sehr gerne! Allerdings nur, wenn alle 30 Frauen im Palast auf mich warten und die Ölquellen zuverlässig sprudeln. Denn einen weißen Cayenne kann ich mir nur in Dubai vorstellen. Natürlich als turbo S, den Innenraum mit Kamelleder ausgeschlagen. Auch in Monte Carlo hat man im weißen Cayenne einen diskreten Auftritt, macht sich einfach gut vor der Sunseeker im Hafen.

Eickmann sagt: Geht gar nicht

Mercedes C-Klasse:
Vorsicht, Neidgesellschaft! Wer in der C-Klasse sitzt, hat selten die Gelassenheit das wahren Reichtums. Sondern denkt an jeder Ampel nach, ob der Fahrer der C-Klasse im Rückspiegel nicht doch mehr Extras bestellt hat. Die Leasingraten bezalt meist die Firma, eine schlechte Ausstattung läßt Rückschlüsse auf die Hackordnung im Konzern zu. Ich habe weniger C-Klasse als Du – wer gesteht das schon gerne?

Eickmann sagt: Bitte vermeiden!

VW Golf: Hier ist alles erlaubt, der Golf steht bekanntlich über den Dingen. Ein weiß gelackter GTI ist bestimmt kein Zeichen für übertriebene Sparsamkeit bei der Fahrzeugbestellung. Selbst beim Kassenmodell würde ich diese Farbe tolerieren. Und mich vielleicht an die Achtziger erinnern. An die Schwarzwaldklinik, Sascha Hehn und dessen Golf-Cabrio. Kommt alles wieder…

Eickmann sagt: Von mir aus

Fiat 500: Halte ich für das meist überschätzte Auto der Gegenwart und für eine gigantische Marketingleistung der Italiener. Natürlich darf ein Fiat 500 auch weiß sein. In zwei Jahren will die Karre sowieso keiner mehr haben, Wertverlust und Wiederverkaufschancen sind da kein Thema mehr. Würde mich persönlich nicht glücklich machen.

Eickmann sagt: Macht nichts kaputt

Mercedes SLK:
Sehe nahezu täglich einen weißen SLK mit Rostocker Kennzeichen an der Reeperbahn. Eigentlich ist damit alles schon gesagt. Vielleicht sind Sie ja auch langbeinig und tragen gerne Bauchtaschen mit vielen 50-Euro-Scheinen. High Heels im Sommer, Moonboots im Winter. Dann ist der weiße SLK für sie der richtige Wagen. Ich empfehle dazu noch rotes Leder im Innenraum, pflegeleicht und abwischbar.

Eickmann sagt: Nur im Milieu

Mercedes SL: Sie sind Profi in der Bundesliga und wollen pünktlich zum Training erscheinen. Wenn Ihr Verein nicht gerade von Audi gesponsert wird, machen Sie mit einem SL 65 AMG nichts falsch. Weiß kommt extrem gut und wird auch Ihren Verwandten in Südeuropa gut gefallen. Als Schiffsmakler oder Professer einer Privatklinik würde ich doch über einen anderen Farbton nachdenken wollen.

Eickmann sagt: Rote Karte!

Mercedes CLS: Ihr Anzug kommt von Adidas, nicht von Armani? Ihre dicke Halskette erinnert an Kampfhunde aus einem sozialen Brennpunkt in Berlin? Gratuliere, Sie haben es geschafft, der kokainweiße CLS rockt bestimmt das ganzen Ghetto. Dunkelblau? Silber? Ey Digga, bist Du weich? Diese Frage sollte man nicht beantworten. Sondern das Weite suchen und baldigst finden.

Eickmann sagt: Fahr ab, Alder

BMW 1er Coupé: Wie orginell! Man zeigt Ihnen drei Pressefotos und schon bestellen Sie Ihren Neuwagen in genau dieser Farbe? Wollten Sie nicht schon in der Schule Trendsetter sein und waren stolz auf Ihre Markenkleidung? Wurden dafür im Schulbus als Popper beschimpft? Und jetzt dieser Reinfall auf eine Marketingkampange. Bilden Sie sich doch einen eigenen Geschmack. Beim nächsten Auto wird alle anders. Hoffe ich.

Eickmann sagt: Gähn!

Rolls Royce: Ich gestehe: Diese Frage stelle ich mir nicht täglich. Vor kurzem durfte ich in einem weißen Rolls Royce Cabrio sitzen. Letzte Ausfahrt Hetero, so mein erster Gedanke. Kann nicht jeder fahren. Meine Freundin würde nach meiner sexuellen Orientierung fragen und davon das zukünftige Eheglück abhängig machen. Aber müssen Rolli-Fahrer noch Fragen beantworten?

Eickmann sagt: Yes, Dave!

BMW 7er: Was ist denn da während Ihrer Kindheit passiert, haben Sie schon mit Ihrem Therapeuten gesprochen? Ich vermute traurige Tage und will keine weiteren Fragen stellen. Sondern Antworten geben. Ja, der Wiederverkauf wird ein Ding der Unmöglichkeit. Ja, man wird Sie stets für einen Rentner halten. Nein, soviel Sonne gibt es in Deutschland nicht, um diese Farbwahl zu begründen.

Eickmann sagt: Zurück an den Start

Audi A4: Schreckt mich nicht. Selbst ein weißer Avant sieht in meinen Augen nicht nach Notarzt aus. Doch mit dieser Meinung bin ich vermutlich alleine, denn auf freier Wildbahn ist ein weißer A4 mehr als selten. Schade. Doch vielleicht kommt das noch, würde die Farbwelt im Flughafenparkhaus angenehm erweitern.

Eickmann sagt: Kann man machen

Audi A3 Cabrio: Ja, kann man bestellen. Muss aber keiner. Der erste offene A3 hat durchaus Kultpotential, durch ein falsches Kreuz am Kaufvertrag kann man da auch viel falsch machen. Selbst ein rotes Cabrio sehe ich da weiter vorne, gerne auch einen Blauton. Meine Wahl wäre ein schwarzer A3, innen hell gehalten. Spießer? Ja, aber wir sprechen hier auch von einem Audi.

Eickmann sagt: Wenn Sie wollen…

Renault Twingo: Ein weißer Twingo? Kranken- oder Altenpfleger im Dienst, diese Frage muß erlaubt sein. Da wir beide Berufsgruppen dringend benötigen, wünsche ich mir möglichst viele weiße Twingo auf den Straßen. Würde aber meine Freundin einen weißen Twingo begehren, hätte ich ein Problem. Eigentlich ist der Twingo ein witziges Auto und hat eine richtig kräftige Farbe verdient.

Eickmann sagt: Für mich die warme Suppe bitte!

Mazda MX-5: Gegenfrage. Wie sollte denn der MX-5 sonst lackiert sein? Knallrot wie bei seiner Markteinführung in den Achtzigern? Das ist doch Geschichte. Dunkelgrün wie ein Brite? Ist er doch gar nicht. Gelb? Blau? Alles schon gesehen. Nein, ich würde hier sogar nur zum weißen Lack raten. Das Problem des ständigen Putzens nehmen MX-5-Fahrer bestimmt gelassen, selten wird ein Auto so intensiv von seinem Fanclub gepflegt.

Eickmann sagt: Kann kein Problem erkennen

Lamborghini Gallardo: Spätestens nach der Präsentation des Gallardo-Facelifts war klar, dass hier keine andere Farbe zulässig ist. Rot wurde bereits vor Jahrzehnten in dieser Liga von Ferrari besetzt, einen gelben Gallardo will man sich nicht vorstellen. Natürlich gucken die Leute etwas verwirrt. Doch das liegt am Gesamtauftritt, dem Sound, der Proportionen. Wertverlust, Wiederverkauf? Wenn das ein Thema sein sollte, gehen Sie doch bitte zum VW-Händler. Da gibt es den Polo in allen Farben!

Urteil: U-N-B-E-D-I-N-G-T-!

Mercedes A-Klasse: Vor sechs Jahren wollte ich eine weiße A-Klasse bestellen. Doch der Verkäufer wollte davon nichts wissen, denn diesen Wagen bekommt die Leasingfirma nie mehr wieder verkauft. Die Zeiten ändern sich. Heute darf dieser Farbton bedenkenlos geordert werden, der Fahrer zeigt damit jugendliche Orientierung. Gerade bei der Mercedes A-Klasse keine Selbstverständlichkeit.

Urteil: Ja. Endlich.

Toyota Prius: Weiß gehalten das Lieblingsspielzeug amerikanischer Filmstars, die umweltschonend zum eigenen Learjet rollen wollen. Hier wird der Prius mehr von Menschen gefahren, die gerne ihrem Vermieter Briefe schreiben und auch sonst sehr schlau sind. Deshalb wählen sie auch gerne einen Silberfarbton. Passt so auch hervorragend zum Liegerad.

Urteil: Nein. Tut mir einfach leid, geht wirklich nicht.

Citroen C5: Ich mag den C5, gerne auch als Break. Das ist ein Outing, denn nach dem XM hatte ich von allen Modellen die gleiche Meinung. Der C5 ist mein persönliches Argument gegen das Audi-BMW-Mercedes-Einerlei, wäre in dieser Klasse meine Wahl. Und dann vielleicht auch weiß lackiert. Der C5 kann das ab!

Urteil: Sehr gerne

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Das Wort geht an Joachim Staat:
Mini: Ein Auto wie ein Laufsteg-Model – kann fast jeden Fummel umhängen. Also auch jedes Weiß, vom zarten Cremeton bis zum laserlicht-scharfen Dancefloor-Weiß. Der Besitzer sollte nur wissen, was er damit riskiert: Die Grenze von der hippen Mode-Karre zur Tunten-Dschunke ist schnell überschritten

Cayman:
Fällt unter die Weiß-Amnestie für alle sportlichen Porsche. Die dürfen das, durften das schon immer und sehen auch jedesmal wieder verdammt schnell aus. Besonders geil: schwarzer Carrera-Schriftzug an der Flanke, gerne garniert mit ansonsten peinlichen Spoilern

Cayenne: Absolutes No-go! Rollender Beweis für geschmacklosen 1c-Promi, gescheiterten Tennis-Profi oder frisch geschiedenen Steuerberater. Wahlweise auch ukrainische Geldeintreiber oder ruhig gestellte Vorstandsgattin mit offen gehandeltem Verhältnis zum Gärtner

C-Klasse: Uiiii, hier droht Glatteisgefahr! Denn AUTO BILD fährt eine weiße C-Klasse im Dauertest. Erster Gedanke: unmöglich! Erste Fahrt: Warum eigentlich nicht, damit kommen die Kanten doch gut?! Erstes Geständnis: Wenn C-Klasse, dann weiß. Na, los Kritiker, Ihr dürft jetzt zuschlagen (duck!!)

Golf: Ein Golf ist ein Golf ist ein Golf. Der war schon Cabrio, Oma-Auto, Abi-200x-Geschenk, Proll, GTI, der war alles. Was juckt es den Golf, wenn er jetzt auch noch weiß sein soll? Das Auto zuckt mit den Schultern, hält tapfer stand – und siehe da: Es geht. So zeigt sich wieder seine zeitlose Klasse

Fiat 500: Un-be-dingt!!! Meine erste Wahl, noch vor dem Rot am AUTO BILD-Dauertestwagen. Vor allem, weil Fiat ein wunderschönes Cremeweiß bietet, mit eingebauter Fünfziger-Jahre-Patina. Erst darauf kommt der rot-weiß-grüne Längsstreifen in Italien-Farben richtig knallig rüber

SLK: Igitt, vor allem nach dem Facelift mit seiner Spoiler-Schaufel, die in weiß aussieht wie das Innere einer Camping-Toilette. Davon streng zu trennen; ein weißer SLK der ersten Serie – der wandelt sich vom top-gay zum zeitlosen Klassiker, dessen Kanten mit der Weiß-Mode immer besser kommen

SL: SL in weiß? Nee. Nie. Niemals! Silber, schwarz, blau, von mir aus auch unsägliches Bobby-Ewing-Rot. Wer weiß bestellt, sollte bestraft werden mit Fahrverbot laut Saisonkennzeichen von März bis November. In den übrigen Monaten muss er 24 Stunden täglich die Lufthansa-Schlafbrille aufsetzen

CLS:
Honey, wir fahren heute zum Dinner mit George und Evelyn nach Palm Springs, wie wär’s mit den schweren Ohrringen? Ouh, die bedecken Deine frisch gelifteten Brüste? Dann nicht. Aber diese Schuhe passen gar nicht zum weißen CLS, also nehmen wir lieber den Bentley…

Einser Coupé: Einer der Vorreiter der weißen Welle, und das zu Recht. Weiß geht beim Coupé, beim Cabrio sowieso, sogar der Fünftürer verdeckt seinen Hängebauch im weißen Slim-Line-Hemd. Angeblich werden schon zehn Prozent aller Einser in weiß ausgeliefert

Rolls Royce: Wenn ich unter den Reichen der Superreiche bin, die obercoole Sau, der Rapper unter den Millionarios, der schärfste Aufreißer oder einfach der, dem alles egal ist – dann geht ein weißer Rolli. Alle anderen: never. Vermutlich gehört ein weißer RR deshalb zu den Raritäten

Siebener: Mein Geschäftspartner, meine Geldquelle in Tokyo ist Akari-san. Ein Broker, das japanische Trüffelschwein, das zweimal im Jahr herüber jettet, um mit mir durch Bavaria zu cruisen. Nur dafür fahre ich den weißen Siebener, weil Akari-san weiß mag. Ich bin einsam, Mann. Aber reich

A4:
Komisch, Audi macht gerade einen Riesensatz von der Silber-Monokultur hin zu Weiß. Warum? Weil es geht! Auch beim neuen A4, sogar beim Avant mit seinen hohen Flanken. Die Ausstrahlung des Ibisweiß passt gut zum technoiden Look des Audi. Ob das auch länger spannend bleibt?

A3 Cabrio:
Der wahre Nachfolger des Golf Cabrios? Stimmt. Deshalb geht auch die Farbe, die das alte Henkelkörbchen so gerne spazieren fuhr: weiß! Achtung, hohe Abnutzungsgefahr! Der offene A3 muss aufpassen, nicht in die Hutschi-trutschi-Ecke der Damenkränzchen abzurutschen

Twingo: Der alte Twingo war himmelblau, königsblau, sonnengelb, limettengelb, rot, rosa, pink, grasgrün, tannengrün und schwarz. Da soll Twingo-zwei Probleme mit weiß haben? Niemals. Denn wenn der Nachfolger eines geerbt hat, dann sein buntes Selbstverständnis

MX-5: Schon der erste MX-5, der mit Schlafaugen ab 1990, hatte Weiß in der Farbpalette (heute ein gesuchter Geheimtipp). Deshalb ist weiß beim neuen MX-5 glaubwürdig, modern und nostalgisch (hatten auch englische Roadster). Besonders cool, wenn auch das Stahldach weiß ist

Lamborghini Gallardo: Lambo ist radikal, die Farbe Weiß an einem Italo-Sportler ist radikal – ergo geht auch ein weißer Lambo. Der Albino unter den Stieren wird extrem beguckt, aber das ist es doch, warum man diese extrovertierte Karre kauft, gell? Gelb haben alle. Schwarz ist durch. WEISS!!

A-Klasse:
Der Stützstrumpf-Mercedes (wegen der Thrombose-Gefahr mit den hoch gelegten Beinen) wird in weiß endgültig zum Krankenwagen. Oder zum Service-Auto für die Seniorenhilfe. Fehlt nur noch der Aufdruck: Essen auf Rädern. Garantiert immer heiß! Der Gipfel der Langeweile

Toyota Prius: Die seltene Kombi von technischer Klasse in der Form eines rollenden Zäpfchens. Selten war der Fortschritt so lahmarschig verpackt, da kann Weiß nur gefährlich sein. Mit dieser Farbe mutiert der Umwelt-Engel endgültig zum wandelnden Zeit-Geist auf Rädern. Niemals akzeptabel

Citroën C5: So deutsch wie keiner zuvor, sagt die Werbung. Stimmt aber nicht. Als Deutscher müsste ihm weiß stehen – doch da kräht der gallische Geschmackshahn entsetzt auf. Weiß raubt diesem „Nur-ein-bisschen-Franzosen“ das letzten Quäntchen Identität. Non!!


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