Kennen Sie das? Man surft gelangweilt durch das Web und gibt in der gängigen Suchmaschine den Namen seiner längst vergessenen Jugendliebe ein. Selbstverständlich meine ich da nicht Charlotte, Eva oder irgendeine andere private Erscheinung der Neunziger, sondern ein damals für mich unerschwingliches Auto. Genauer gesagt: Mercedes S-Klasse, Baureihe W 140. Die Frage lautet: Ist ein 500 SE für mich noch immer unerschwinglich? In der Zwischenzeit mutierte ich vom Studenten ohne Fahrschein in der Straßenbahn zu einem bürgerlichen Gehaltsempfänger.
Die Rasterfahndung nach einem S 500 war in unserer Autobörse mehr als erfolgreich. Diese Marktlage macht die Sache spannend, offensichtlich herrscht mehr Angebot als Nachfrage. So erklärt sich auch das niedrige Preisniveau. Es beginnt bei etwa 7000 Euro, spannend wird es um die 10.000 Euro.
Billige Autos haben die Welt meist schon sehr ausführlich gesehen und nicht selten mehr als 250.000 Kilometer gelaufen. Zwar gilt der alte Mercedes-V8 als unsterblich, allerdings will ich diesen Mythos nicht im Eigenversuch testen und dem schönen S auf meine Kosten ein neues Triebwerk spendieren. Doch es ist ja nicht nur der Motor, der mit den Jahren verschleißt. Sämtliche Gummiteile am Fahrwerk werden spröde, die Kugelbolzen der Lenkung schlagen aus, wirklich erstaunlich robust ist dafür die Elektronik. Oder sollte ich besser Elektrik sagen? Der W140 war zwar das beste Auto seiner Zeit, im Vergleich zu einer aktuellen S-Klasse wirkt er aber wie ein Volksempfänger neben einem Apple iPod. Erstaunlich viele Arbeiten kann man mit viel Werkzeug und noch mehr Geschick selbst erledigen. Was dem Mechaniker des neuen S das Notebook ist, ist für die Schrauber des W140 der Hammer.

Ersatzteile sind aber dennoch immer wieder erforderlich. Das beginnt schon mal mit einem Satz Reifen. Ich würde nämlich nach einem Gebrauchtwagenkauf stets in neue Gummis investieren. Nicht selten schraubte der Vorbesitzer 18-Zoll-Räder an. Die Folgekosten sind im Vergleich zu 17 Zoll gewaltig. Pro Reifen sind bei einem der günstigsten Anbieter im Netz 179,70 Euro fällig. Dafür gibt es vier Stück 255/35 ZR 13. Unmontiert. Runden Sie also auf 650 Euro für den kompletten Satz auf. Die Lebenserfahrenen atmen an dieser Stelle tief durch und errechnen die Summe von 1300 Mark. Mit Rundungsfehler komme ich als Österreicher auf knapp 10.000 Schilling. Zur Zeit des W140 hätte ich mich mit dieser Summe in der Tasche von meiner Freundin getrennt, wäre ausgezogen und hätte ein neues Leben begonnen.

Wenn wir aber schon bei unfreundlichen Summen sind: Ich habe auch die Versicherung recherchiert. Den Basistarif, damit es auch für alle transparent wird. Wir sprechen von der Typklasse 23, viel teurer geht es also nicht mehr. Bei 140 Prozent im Jahr freut sich die HUK auf 1536,47 Euro. Das will ich mal kommentarlos so stehen lassen. Und nicht in Mark oder gar Schilling umrechnen.

Wer von der Versicherung spricht, sorgt sich auch um die Steuer. Euro 1, macht 15,13 Euro pro angefangene 100 cm3. Bei fünf Liter Hubraum sind das mal eben 756,50 Euro pro Jahr.
Wartung und Reparaturen setze ich mit 150 Euro pro Monat an, also 1800 Euro im Jahr. Wenn ich jetzt so mal ganz unverbindlich gerundet den Kostenaufwand pro Jahr rechne, addieren sich:
Wartung: 1800.-
Versicherung: 1536,47
Steuer: 756,50
Reifen: 650.-
… also in Summe 4742,97 Euro, also 395,50 pro Monat. Bei dieser Summe ist der 500 SE noch keinen Meter gefahren. Nach 100 Kilometer ist der 100-Liter-Tank etwa 15 Liter leichter. Bei einem Durchschnittspreis von 1,20 Euro und einer Fahrleistung von 15.000 Kilometer kommen nochmals 2700 Euro on Top. Die monatlichen Kosten liegen inklusive Treibstoff dann bei 620,50 Euro. Nicht eingerechnet ist jetzt die Verzinsung des eingesetzten Kapitals. In meinem Rechenbeispiel gehe ich davon aus, dass die 10.000 Euro gelangweilt auf der Bank liegen. Da trägt das Kapital Zinsen, die ich bei einem Gebrauchtwagenkauf nicht mehr erhalte. Doch an dieser Stelle lüge ich mich eiskalt selber an und stelle mir vor, dass die Fahrfreude die Verzinsung darstellt.
Auch stelle ich mir vor, dass man für das Geld bereits einen neuen SLK leasen kann. Soviel zum Thema “Kann ich mir eine S-Klasse leisten”.
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by: admin (Registriert) on 16-11-2006 11:12