Bestimmt kennen Sie Gumball, sonst wären Sie wohl kaum auf diesem oktanverseuchten Blog. Das Straßenrennen der Neureichen wurde gestern in Mazedonien gestoppt , da ein unbeteiligter 67jähriger Autofahrer in seinem Golf von einem Porsche 911 eines Gumballers gerammt wurde. Das ist sehr traurig und wirft schlechtes Licht auf das Event.
Gumball ist eigentlich eine relativ illegale Veranstaltung. Offiziell handelt es sich natürlich um kein Rennen, allerdings kuriseren im Internet genügend Tabellen mit Bestzeiten und Knöllchenrekorden. Zu dieser Art von Freizeitgestaltung kann jetzt jeder seine eigene Meinung haben; Spinnerei der Erbengeneration ist noch eine der freundlicheren Wortspenden.
Ich gebe ja zu, nächstes Jahr selber gemeinsam mit Kollegen Arian Tawafi im Mercedes ML 63 AMG starten zu wollen. Aktuell mangelt es noch an einer Einverständniserklärung der ML-Besitzerin und etwa 60.000 Euro für Nenngeld und Flugtickets.
In Deutschland steht Gumball nicht im besten Licht. Anders in meiner Heimat Österreich: Hier wurden die Gumballer letztes Jahr freundlichst von der Bevölkerung am Wiener Heldenplatz empfangen. Da ein Bentley-Fahrer nach einer Fahrzeugkontrolle seinen Führerschein in der Hand des Polizisten vergaß, verfolgte ein Hubschrauber des Innenministeriums den Luxus-Hobel und brachte das Dokument via Luftweg nach. Österreicher sind eben lockere Menschen und der Steuerzahler hat sein Geld hier schon für größeren Blödsinn ausgegeben.
Eigentlich war auch die Werbeindustrie sehr locker und investierte heftig in Gumball. Adidas entwarf ein eigenes Sondermodell und eine anatolisch anmutende Jacke, an Sponsoren mangelte es dem Event in seinem achten Jahr jedenfalls nicht.
Bis heute, denn jetzt sind fast alle abgesprungen, haben ihre Websites geschlossen. Nochmals: Der Todesfall ist ein sehr tragisches und bedauernswertes Unglück. Doch erst in dieses Event heftig investieren und nach einem Unfall plötzlich erstaunt sein, verstehe ich nicht so ganz.
Autofahren ist nicht ungefährlich, liebe Marketing-Kombinate. Und mit einem Ferrari, Lamborghini oder Porsche durch die Landschaft brettern ist noch gefährlicher. Vielleicht hätte man darüber schon früher nachdenken können. Und nicht jetzt verblüfft sein und die Teilnehmer als verantwortungslose Oktanjunkies beschimpfen.
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Gumball?
by: Marks (Registriert) on 07-05-2007 08:04