Gelegentlich wird man von der eigenen Vergangenheit überrundet. Gestern war es bei mir soweit, am Abend erreichte mich eine inhaltsschwere Mail, angereichert mit einem Foto. Nein, es zeigte keine Ex-Freundin mit Kind im Arm. Viel schlimmer, es zeigte mein altes Audi Coupé. Weiß, fünf Zylinder, Vergaser, Baujahr 1981. Absender: Der neue Besitzer, er wollte den Kilometerstand bestätigt wissen. 2000 fand ich das Coupé in der Autobörse von autobild.de, es gehörte einem freundlichen Rentnerpaar in Bad Segeberg. Eigentlich konnte ich mir den Audi nicht leisten, denn die Kosten für Steuer und Versicherung waren unglaublich hoch. Typklasse 22, ich bezahlte damals noch 100 Prozent. Und kein Katalysator, als Steuer ohne Ende.
Nach knapp 10.000 Kilometer hatte ich am Audi keine Lust mehr. Der Motor lief unrund, der Vergaser flehte um Beachtung. Beide Seitenschweller habe ich für viel Geld austauschen lassen, aber eigentlich wollte ich den Audi nicht mehr. Ich parkte den Wagen bei meinem Kollegen Bernd Volkens in seiner quadratmeterstarken Halle und leaste für 24 Monate einen Mercedes-Neuwagen.
Irgendwann wurde Bernd lästig. Wollte den Audi aus der Halle haben und stellte interessierte Fragen nach der Abholung des Wagens. “Verkauf die Karre, habe null Bock auf das Coupé”, sagte ich in meinem jugendlichen Leichtsinn.
Irgendwann kam dann echt ein Freak und bezahlte noch 1000 Euro. Geschenkt. Heute würde ich das Auto als Youngtimer bezeichnen und verliebt in der Garage parken. An besseren Tagen an die Luft fahren und sehr gut konservieren. Wenn ich denn den Audi noch hätte. So aber ärger ich mich lieber mit meinem Mini Cooper, der wöchentlich mit neuen Leiden nervt und Sprit schluckt wie ein Couleurstudent kühles Bier.
Angeblich ruft mich der neue Audi-Besitzer heute an. Dann kann ich auch die letzten Jahre dieses Auto-Lebens recherchieren und prüfen, in welch liebende Hände der Fünfzylinder gekommen ist. Melde mich wieder, wenn es News gibt!
Siehe auch: Maserati: Licht an |