Nichts zu hören vom Mongolen-Team im Suzuki. Peter Lang und Roman Wildeis schweigen sich seit Tagen aus. Keine Ahnung, ob sie noch im Rennen sind. An der Informationstechnik kann es jedenfalls nicht liegen, denn heute erreichte mich eine Mail vom Österreicher-Team im Fiat Panda. Und weil ich frohe Nachrichten immer gerne teile, kopiere ich diese Mail mal hier ins Blog. Ab nun: Originaltext von Andi und Hari, Team Edelweiss:
Saim Bai Nu!
Seit gegruesst liebe Familie, Freunde, Freundinnen, Gäste…! Wir sitzen gerade ziemlich staubig in einem Internetcafe in Khovd, dem Industriezentrum der Westmongolei. Uns geht es soweit gut, nur Heidi nimmt uns die hier nicht mehr vorhandenen Strassen etwas uebel… aber setzen wir mal in Samara fort:
Samaras Nachtleben entpuppte sich als ziemlich laessig, das russische Bier (vor allem das “Baltika 7”) kann locker mit einigen österreichischen Marken mithalten. Die nette Gesellschaft von einigen trinkfesten Usbeken bescherte uns eine lange aber lustige Nacht, die mit Schwierigkeiten bei der Hotelsuche endeten.
Mit einem ordentlichen Brummschädel ging es am nächsten Tag weiter Richtung Osten. Über das relative unspektakuläre Uralgebirge gelangten wir über Chelyabinsk (eine staubige, große Industriestadt) in eine Feuchtsteppe mit unzähligen Seen und Mooren. Die Gegend erinnerte uns ein wenig an den Neusiedlersee, nur dass man hier halt dutzende ähnliche Gewässer dieser Art vorfindet. Da die kasachsiche Grenze nicht weit von uns war und wir ja ursprünglich auch dieses Land bereisen wollten (Visa sei Dank wurde aus diesem Plan aber nichts), entschlossen wir kurzerhand, sozusagen “illegal” die grüne Grenze zu überqueren. Vorbei an ursprünglich anmutenden Dörfern, über Feld- und Waldpfade fuhren wir – bewaffnet mit unserem Kompass und einer ungenauen Karte – solange bis wir aufgrund der Unwegsamkeit des Geländes nicht mehr weiter konnten. Ob wir tatsaechlich in Kasachstan waren, wissen wir aber nicht…
Die nächsten Tage brachten uns weiter ostwärts über Omsk bis Novosibirsk, das Wetter änderte sich zu unserem Nachteil, es wurde feucht-schwül und regelmäßig gingen heftige Gewitter nieder. Unsere Nachtlager waren aus diesem Grunde immer sehr ungemütlich, begleitet von klammen Schlafsäcken und den obligaten Stechmücken-Attacken… Omsk entpuppte sich als die absolute Autofahrerhölle, vor allem wenn man – so wie wir – ohne ausreichende Karte unterwegs ist. Unser Kompass brachte uns mitten in ein riesiges Industriegebiet. Ohne Hilfe eines geschäftigen Schrotthändelers der uns mit einer handgezeichneten Karte aushalf, würden wir wahrscheinlich noch heute dort im Kreis herum fahren…
Novosibirsk war trotz seiner Größe recht rasch durchquert, die Route führte uns nun Richtung Süden. Nach Tagen in der nicht endend wollenden sibirischen Steppe, begleitet von Moskitos, Schwerverkehr und stinkenden Industriestädten fanden wir uns plötzlich in einer herrlichen Hügellandschaft voller saufender russischer Touristen wieder – den Vorläufern des Altai-Gebirge. Hier - wie gerade erwähnt – verbringt der gemeine Russe seine Sommerferien, meist im Zelt, am Fluss – in netter Gesellschaft und mit literweise Vodka. Auch wir durften einem typisch russischen Urlaubsritual beiwohnen, unsere Zeltnachbarn entpuppten sich als gastfreundliche Mit-Zwanziger, teilweise mit guter Ausbildung und allesamt mit einem mords Durst. Auch diese Nacht überstanden wir recht gut, wir waren wieder mal die Letzten im Zelt – aber auch schon wieder die Ersten beim Frühstück. Wir konnten nicht lange schlafen. Zu aufgeregt blickten wir den nächsten Tagen entgegen. Es war Donnerstag. Wir wollten die Grenze zur Mongolei noch bis Freitag überqueren, da diese am Wochenende geschlossen hat. Es folgte eine gemütliche Etappe durch die herrliche Landschaft des russischen Altai, ein paar Meter der Reise wurden sogar treibend im Fluss (auf einem alten Reifenschlauch) zurueckgelegt.
Diese Tagesetappe endete mit einer Zelt-Übernachtung am russisch-mongolischen Grenzzaun naher der düsteren und staubigen Grenzstadt Tashanta. Die sanfte Gebirgslandschaft ist bereits in die typische mongolische Steppe übergegangen. Doch dies sollte nur ein kleiner Vorgeschmack von dem sein, was uns jetzt erwartete.
Freitag, 1. August 2008. Grenze Russland-Mongolei, Uhrzeit 09:00. Vor uns nur zwei Fahrzeuge, ein englischer Motorrad-Reisender und ein Rallye-Fahrzeug. Die Abfertigung auf russischer Seite ueberraschte uns sehr, ganz freundlich und (für Russland) unbürokratisch wurden wir nach nur einer Stunde in das 23 Kilometer breite Niemandsland zwischen Russland und der Mongolei eintlassen. Die Asphaltstrasse endete, es wurde ruppig. Staubig standen wir dann nach kurzer Zeit vor der mongolischen Grenze, auch diese war schnell hinter uns. Von den Zöllnern erfuhren wir, dass wir das sechste Fahrzeug der Mongol Rally seien, welches die Grenze bisher ueberquerte…
Die ersten Meter auf der mongolischen Piste entpuppten sich als recht schwierig, wie wir ja gewußt haben, werden wir von nun an bis Ulan Bataar kaum mehr Asphalt vorfinden. Wegweiser? Fehlanzeige. Klare Routenfuehrung? Negativ. Von nun an also Instinkte schärfen, Kompass zur Hand nehmen und sich mal schneller (50km/h), mal langsamer (20km/h) Richtung Ziel bewegen…
Die schneebedeckten Viertausender des mongolischen Altai lockten uns mit ihren wunderschoenen Gletscherzungen. Schnell war ein vermeintlich leichter Berg anvisiert, Name unbekannt. Über freies Gelände, vorbei an Jurtencamps, Viehherden und fast nicht mehr zu erkennenden Pfaden konnten wir mit unserer Heidi bis auf knapp 3000 Meter Seehöhe vorstoßen und unser Basislager errichten. Die Nacht war schrecklich. Wenig akklimatisiert fiel uns das Schlafen schwer, zudem machten uns Temperaturen unter Null zu schaffen – unsere alten, löchrigen Schlafsaecke waren viel zu kühl für diese Aktion. Um sechs Uhr Morgens brachen wir dann voller Tatendrang auf. Nach einer zwoelfstuendigen Gewalttour konnten wir sogar zwei Gletscherberge bezwingen! Berg 1 mit einer Höhe von 3750m und Berg 2 (Edelweiss Uul… Berg) mit einer Höhe von 3801m.
Völlig ausgelaugt zwang uns Heidi dann auch noch, auf unseren wohlverdienten Schlaf zu verzichten, die Motoraufhängung war nach unzähligen harten Schlägen gebrochen und wir durften uns wieder einmal im Improvisieren üben… Diese Nacht sollten wir wie zwei Babies schlafen…
Heute (Montag 4. August) war kein guter Tag. Über der Westmongolei fegte ein unbarmherziger Sandsturm, und schon nach wenigen harten Kilometern (man kann sich die Qualität der Pisten hier kaum vorstellen) brach unsere provisorisch instandgesetzte Motoraufhängung erneut. Mitten in einer Steigung, liegend im Dreck, machten wir uns erneut an die Reparatur. Mit jenem Erfolg, dass wir schon nach zehn Minuten erneut Hand anlagen mussten. Diesmal gelang uns die Reparatur, die letzten 85 km bis Khvod wurden ueberwunden… Nachtlager geplant einige Kilometer ausserhalb der Stadt… Unsere sandgestrahlten Augen benötigen Erholung…
Siehe auch: Maserati: Licht an |