Von Katja Büllmann, Las Vegas. Motorjournalisten sind auch nur Männer! Lieben die Vertrautheit des Rudels, sprechen am liebsten über Frauen und Autos und vergessen die Welt um sich herum, wenn sie PS hören. Will man ihnen einen Gefallen tun, präsentiert man ihnen all das auf dem Silbertabelett. Dazu einen hübsch gedeckten Tisch, Bier oder Wein nach Belieben und so viel Bespaßung drumherum, dass sie noch nicht mal mehr an die Fernbedienung denken. Lamborghini war so frei. Einzige Hürde für den perfekten Männerabend anlässlich der Präsentation des neuen Gallardo LP560-4: Der Flug nach Las Vegas. Von Frankfurt aus mit Zwischenstop in Los Angeles immerhin die Kleinigkeit von zwölf bis 18 Stunden. Je nach Abflugort eine nette Geduldsprobe.
Kleine Stadtrundfahrt, nur nicht zuviel Besuchsprogramm, das lenkt nur ab vom Wesentlichen. Unterwegs mit ein, zwei gut plazierten Bemerkungen zur Lamborghini-Historie (je nach Medium wahleise auch zu den eigenen Reporterannalen) beeindrucken – muss ja klar sein, wer Chef ist im Rudel. Dann, endlich, Einfahrt in die Tiefgarage des The Hotel in Mandalay Bay. Und - an dieser Stelle sind Frauen nicht anders als Männer - vor der Tür der erste Miniorgasmus: Ein orangefarbenes Modell des neuen Lamborghini Gallardo LP560-4.
Die Stimmung steigt, man ist sich einig: Das kann nur ein netter Abend werden! Einchecken, Umziehen, muss sein, die Einladung verlangt Smart Casual. Dann Taxiservice für einen halben Kilometer zum Lambo-Veranstaltungszelt: Jetzt will Mann sich wirklich nicht mehr bewegen. Heißt ja Motorjournalist, nicht Wanderreporter.
Zum eisgekühlten Sundowner, serviert von zauberhaften Servicekräften, ein bisschen gucken, alte Kollegen wie Freunde begrüßen (ist eine kleine Welt, die Welt der Motorjournalisten). But: It’s a man’s world! Man schwärmt (hinter vorgehaltener Hand, zuviel Begeisterung wirkt unprofessionell in diesen Kreisen) über die strahlend gewienerten Lambos auf dem Hof, schlürft noch ein Kaltgetränk und tut so, als ob man tagaus, tagein nichts anderes täte.
Irgedwann gehen die Themen aus, die Miniröcke der Bedienungen werden auch nach dem dritten Drink nicht kürzer und der Magen knurrt. Also ab ins Zelt. Dinner ist angerichtet. Begrüßung durch Gastgeber Stephan Winkelmann, der wie ein Leitwolf ein paar Mal über den von unten beleuchteten Laufsteg (der auch Esstisch ist) schreitet und im dunkelblauen Nadelsteifen-Zwirn einfach so viel besser aussieht als alle anderen zusammen, dass aller Neid obsolet wäre. Mann guckt und lauscht und nimmt sich vor, nicht allzu viel zu essen, dann passt man eines Tages vielleicht auch mal in so ein Edel-Teil.
Zum Werbefilm auf Riesenleinwänden wird der erste Gang serviert, dazu gibt’s gut gekühlten kalifornsichen Chardonnay und, Überraschung!, ein paar Mädels in ebenso knappen wie kurzen Kleidchen, die zum Sound des Films ein bisschen posen, lasziv Luftküsse verteilen und den Laufsteg-Esstisch zur Showbühne machen. Die Herren sollen sich ja nicht langweilen…
Zweiter Gang, noch ein Gläschen? Aber gern. Dazu ein bisschen Sport (noch so’n Lieblingsthema… Man merkt, da hat sich jemand Gedanken gemacht). Passiv, natürlich, um diese Zeit! Teenager in schwarzer Fitnesswear (Lambo-Kollektion?) balgen sich schattenboxend ein paar Mal kreuz und quer über die weiß beleuchtete Star-Fläche.
Noch ein Film, noch ein Auftritt für die Girls, noch eine Ansprache. Dazu, danke!, noch ein Gläschen. Ein rundum gelungener Abend. Und das, wo die Veranstaltung noch gar nicht beonnen hat. Die ersten Testfahrten finden erst morgen statt. Eine schöne Aussicht auf den nächsten Tag, bin auf das flache Untier schon mehr als gespannt.
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