Sandmann war im Fotokeller seiner Kieler Behausung und frohlockt mit alten Audi-Aufnahmen. Klar, dass ich am Sonntag ebenfalls die Lichtbild-Laden durchwühlte und einige Zeugnisse der Vergangenheit ans Tageslicht brachte. Stets um Sparsamkeit bemüht, will ich heute aber nur ein Stück aus meiner persönlichen Auto-Geschichte präsentieren. Nämlich meinen grünen Käfer.
Ursprünglich diente der Käfer dem Österreichischen Bundesheer, er stammte übrigens aus dem Baujahr 1966. Also sechs Volt, kaum Licht, selten Saft am Starter. Ich tauschte den Käfer gegen einen Kasten Bier und vertilgte im Rahmen der Bezahlung gleich mal die Hälfte. Ottakringer Helles, falls wer fragt. Wir schreiben das Jahr 1991, ich war chronisch pleite und bereits geraume Zeit am Weg zur Matura, wie der Österreicher das Abitur nennt.
Mangelnde Liebe zum Fahrzeug war schon damals bemerkbar. Der Wagen war eine fahrende Müllhalde, sämtliche Lackierarbeiten vollzog ich mit einer Walze und grüner Farbe. Schön ist anders.
Den Innenraum dominierte Altpapier aus den Fächern Geographie, Biologie und Mathematik. Das Kennzeichen an der Front habe ich nie montiert, es klemmte hinter der Windschutzscheibe. Sehr praktisch, im Winter konnte man so den Schnee wegschippen.
Weiters stets am Start: Ein Ladegerät, denn die Batterie war schon seit Jahren im Herbst ihre Lebens. Und natürlich Werkzeug, denn der Käfer war nicht so wirklich zuverlässig.
Liebe sieht anders aus. Dennoch: Es tut mir leid, dass ich den Wagen dem Rohstoff-Kreislauf anvertraut habe. Einlagern und irgendwann einer Restauration zukommen lassen, wäre garantiert klüger gewesen. Doch ich war jung, dumm und hatte keinen Platz.
Der Käfer wurde übrigens von einem VW Polo abgelöst, meinem ersten Neuwagen. Vielleicht finde ich noch ein Foto…
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