Von Katja Büllmann, Las Vegas. Emanzipation hin oder her: Manchmal freut man sich, dass es noch Kavaliere gibt. So ein gut gelaunter Lamborghini Gallardo kann einem nämlich ganz schön Respekt einflößen, wenn er da so steht, gewaschen, gewienert und blankpoliert, eine ganze Flotte davon, in Zweierreihe postiert auf dem Las Vegas Motor Speedway.
Mit dem Hubschrauber wurden wir hergebracht, Jamie Collum schmetterte „Fly me to the Moon“ dazu, das alles bei strahlendem Sonnenschein - man gönnt sich ja sonst nichts. Mirage, Bellagio, MGM Grand, Excalibur, sämtliche Landmarks aus Vogelperspektive, Hollywood könnte das nicht großartiger inszenieren. Wenn es nach Lamborghini geht, hat der neue Gallardo LP 560-4 ohnehin mehr Sexappeal als „Ocean“ George Clooneys 12 zusammen.
Kurze Pressekonferenz – verlangt das Protokoll, die Facts zum Sportwagen aus Sant’Agata sind ja seit Genf bekannt. Darauf ein paar Journalistenfragen - verlangt die Höflichkeit dem Gastgeber gegenüber, unterm Stuhl wird schon heftig mit den Hufen gescharrt. Motorjournalisten, die man nicht fahren lässt, werden gern auch mal quengelig. Dann raus, nichts wie raus, ab auf die Rennstrecke.
Ich gucke mir den Zirkus aus sicherer Entfernung an. Beobachte, wie sich ein Kollege nach dem anderen in schönster Rennfahrer-Eitelkeit hinters Steuer klemmt, lausche, wie sich die Testfahrer über Walkie Talkies unverständliche Regieanweisungen zuwerfen und spüre so was wie Unbehagen in mir hochkrabbeln. Sehr reizvoll, das alles, keine Frage. Ich bin auch kein Hasenfuß: An guten Tagen fahre ich Hamburg-München in gut fünf Stunden mit einem Fünftel der Gallardo-PS. Aber dieser Motor-Machismo macht mir richtig Angst. Kalter Schweiß steht mir auf der Stirn, latent greift Gruppenzwang um sich. Jetzt oder nie: Ich spiele die Frauenkarte. Sollen die Kollegen doch denken, was sie wollen.
Ein flehentlicher Augenaufschlag bringt mir unerwartet den begehrtesten Begleiter der Veranstaltung: Lamborghini-Chef Stephan Winkelmann, zur Abwechslung in bequemer Lambo-Sportswear, bietet sich als Coach für die ersten Runden an und nimmt am Steuer „meines“ Gallardos Platz. Ein Coup wie aus dem Bilderbuch, denke ich und bin plötzlich ganz entspannt. „Es ist mir eine Freude“, sagt er und fährt los. Gepflegtes Geplauder durch die Haarnadelkurven, Gelächter in den großen Kurven. Ich beginne Spaß an der Sache zu finden.
Allerdings: Das Feld wird schneller. Jetzt dazuzustoßen wäre Selbstüberschätzung und so was machen bekanntlich nur Männer. Ich bleibe bei meiner Strategie und suche mir für den nächsten Durchgang wieder Gesellschaft: Giorgio Senne, Rennfahrer im Audi Sport Italy Factory Team und Chef der Lamborghini Testfahrer. „Sehr gern“, freut sich dieser über das Damenprogramm und schenkt mir ein paar beeindruckende Full-Speed-Runden. Danke, die Herren, Sie haben mich überzeugt.
Nachmittags bin ich dann doch noch ein bisschen gefahren. Ganz relaxt, über Landstraße (dem Speed Limit sei Dank), wo sich das schneeweiße Sportgerät mindestens ebenso gut macht, wie der blaue Trainingsanzug an Herrn Winkelmann. Und zum krönenden Abschluss noch einmal den Strip auf und ab, man ist ja nicht umsonst in Vegas. Mit röhrendem Motor - dem kichernden Kollegen auf dem Beifahrersitz zuliebe. Frauen tun so was doch nicht.
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