Ay Gemeinde,
der Abend. Ich bin Ihnen noch den Abend schuldig!
Wenn Sie gerade einsteigen, blättern Sie ein wenig zurück. Wir befinden uns in Monaco, in der Nähe des Schiffes Pangaea vom Abenteurer Mike Horn . Ein langer Weg mit multiplen Verkehrsmitteln hat mich hierher bugsiert, der Abend fängt erst an. Der Plan ist, gleich einen individuellen nachhaltigen Rundgang mit Mike Horn zu machen, dann das Schiff zu taufen und den Abend mit Gesprächen und illustren Gästen im Ozeanografischen Institut zwischen Fischen unter Wasser ausklingen zu lassen. Und zwischendurch immer wieder eine Menge zu essen. Ein guter Plan. Machen Sie mit?
Beginnen wir doch einfach einmal mit der Nahrungsaufnahme. Und während Sie versuchen, die einzelnen Köstlichkeiten auf meinem getrockneten Palmenblatt zu identifizieren überlege ich intensiv, wie ich den Bogen zum einen oder anderen Auto spannen kann. Schließlich sind wir ja hier kein Lifestyle-Koch-Imperium. Was haben Sie vor der Kulisse von Monte Carlos Yachthafen entdecken können? Spinat-Tarte, Reissalat, Baguette und – Thunfischsalat. Ein Faux Pas. Thunfische fängt man glaube ich auf der ganzen Welt nicht nachhaltig. Das fällt auch Tina, der Ivy-Redakteurin auf. Eigentlich fällt es nur ihr auf. Ich nehme mir noch ein wenig mehr davon.
Mike steht uns voller Wortwitz Rede und Antwort, während sich draußen der Volksauflauf für die Taufe drängelt. Er hat Großes vor: Vier Jahre lang will er mit der komfortabel ausgestatteten Pangaea mit Jugendlichen um die ganze Welt segeln. Die Mitreisenden sollen mit den Ressourcen an Bord haushalten und nachhaltigen Umgang mit dem lernen, was ihnen zur Verfügung steht. Die ganze Reise wird live via Satellit übertragen, gebloggt und mit regelmäßigen Filmen dem breiten Publikum zur Verfügung gestellt. An Bort ist High-Tech. Ich bin kein breites Publikum und bekomme langsam Durst, es ist warm am Rande der französischen Riviera und mein Oberhemd drückt ein wenig in der Schlipsgegend.
Das muss wohl irgend jemand gehört haben, kurz darauf wird die schon erwähnte nicht enden wollende Champagnerflasche über das 35 Meter lange Boot getragen. Blass und verstört blickt das flaschengegorene Nass in den monegassischen Himmel, sein letztes Stündlein hat geschlagen. Geboren, um an einer Bordwand zu zerschellen. Habe ich eigentlich schon einmal einer Schiffstaufe beigewohnt? Ich kann mich nicht erinnern. Jedenfalls keiner in diesen Dimensionen. Die ersten Aaaahs und Oooohs bezüglich der Doppelmagnum werden von weiteren Seufzlauten abgelöst, als ein kleiner dezenter Lexus 600 neben uns hält und Er Selbst, Monsignore Prinz Albert, aussteigt und mild lächelnd durch die Menge schwebt.
KLATSCH! Wenigstens die Fische trinken Champagner. Da haben sie mir etwas voraus, aber das ist okay, habe ich doch vorhin Kollegen von ihnen gegessen. Applaudierende Hundertschaften von Reportern, Mike und seine Frau Cathy (die Dame in dem roten Oberteil) sichtlich erfreut, der Prinz hält eine schmetternde Ansprache und der charmante Moderator dieser Reality-Show untermalt mit gekonnten gezielten Fragen und Pointen das ganze Unterfangen. Nun heißt das Schiff Pangaea und ich kenne den Anlass meines Hierseins. Als schon unter Wasser erste angetrunkene Chorgesänge ertönen, erkennt der Cateringservice die Zeichen und befüllt das eine oder andere Glas an Land mit jenem Taufwasser. Das meinige werde ich diesen Abend nicht mehr los lassen. Man gönnt sich ja sonst nichts.
Ein kurzer Blick auf die Prinzenlimousine mit dem attraktiven Nummernschild und zwei Tuten hinten raus, in denen Basketbälle platz haben. Ganz nach dem trendigen Rettet-die-Welt Prinzip fährt der Prinz hier mit seiner Sparkutsche vor, ähnlich dem Gesamtkonzept des Fürstentums. Wohin man auch blickt sieht man Entbehrung, Umweltschutz und ökologische Nachhaltigkeit. Hier wird mit Ressourcen noch sparsam umgegangen, so müssen beispielsweise alle Motoryachten mit einer Länge von über 40 Metern nachts für 5 Minuten die Maschinen ausmachen. Das spart Unmengen Diesel, hier werden Zeichen gesetzt. Mich beeindruckt der Prinzenroller, und ich hätte fast mein Champagnerglas auf dem Kofferraum abgestellt, um ein Foto zu machen. Manche Gewohnheiten legt man einfach nicht ab.
Wo bin ich eigentlich? Diese Welt ist nicht meine. Zweifelsohne existiert hier ein Wohlfühlfaktor, es ist warm und die Hors d’Oevres waren bisher äußerst delikat. Auf der Pressekonferenz erzählt uns Mike von seinen Abenteuern. Diese fesseln in der Tat, die Menge hängt ihm an den Lippen und applaudiert ob seines Wagemutes. Amazonas? Antarktis? Himalaya? Kap Horn? Jemineh ist das weit weg. Er wird all dies gleich noch in der großen Halle des Ozeanografischen Institus wiederholen, vielleicht ein wenig zu lang, und es mit Filmen würzen. Die Gattung Sandmann ist aber ein kleines Heimchen, am liebsten wuselt es zusammen mit seiner Mona Lisa in gemütlichen Piano-Bars rum oder liegt mit ihr am Seeufer und streichelt ihren schönen Bauch. Ich ziehe mich zurück auf mein Zimmer, zurück in meine kleine Welt. Das Mittelmeer da hinten wirkt schier endlos. Ich denke an Zürich und an Kiel und bemerke, dass mein Champagnerglas leer ist. Also muss ich wohl nochmal da runter…
Unter uns gesagt… das war eine gute Idee. Zusammen mit Ivy-Tina und Matthias vom Abendblatt oszillieren wir durch die dunklen unterirdischen Aquarien des gewaltigen direkt am Meer erbauten Ozeanografischen Instituts. Hier schwabbeln hinter Fenstern, zwischen denen kleine Tischchen mit Nüssen in Schalen stehen Dinge, die man so im allgemeinen unter Wasser trifft. Von Haien über Krebse bis hin zu Muränen räkelt sich bei düster beleuchteter Atmosphäre in hausgroßen meerwassergespeisten Aquarien alles, was Rang und Flossen hat. Und Champagner gibt es auch wieder. Das Leben ist schön.
Eine Etage höher findet der Autobild-Blogger das Getier eher tot vor, skelettiert, an den Decken hängend und in Vitrinen lagernd. Dazwischen brät man vor kurzem noch lebende Artgenossen und reicht sie in delikaten kleinen Häppchen. Manche sind auch kalt und glipschig. Ich mag keinen frischen Fisch. Auf meine gegrillte Pflicht-Jacobsmuschel wartend finde ich mich zwischen Prinz Albert und Mike Horn wieder. Und jetzt? Was mach ich jetzt? Da ich dem perfekt deutsch sprechenden Thronfolger nicht irgend eine blöde Frage stellen möchte, nur um ihn etwas zu fragen (und über sein Auto wird er mir wohl keine technischen Details verraten können), wende ich mich muschelkauend Cathy Horn zu. Des Abenteurers Gemahlin. Mit einem Schluck Champagner spüle ich die Muschelreste aus den Zähnen und frage sie, wie sie es denn hinbekäme, manchmal jahrelang von ihrem Mann getrennt zu sein, wo er doch in Lebensgefahr schwebe. Ich hätte schon nach zwei Wochen mehr Sehnsucht nach der Schweiz, als ich ertragen kann…
“Ich habe keine Angst um Mike. Sein Leben ist nicht gefährdet. Er ist sehr erfahren, wenn jemand da draußen klar kommt dann er.” “Ja, aber er ist trotzdem in Lebensgefahr, jeden Tag.” “… vielleicht denke ich da einfach nicht drüber nach…” und lächelt. Und dann sagt sie einen Satz, den ich sehr liebenswert finde: “Wissen Sie, Liebe ist für mich nicht, ihm die Freiheit zu geben, dass er gehen kann, wohin er möchte. Liebe ist für mich, dass Mike immer wieder zu uns zurück kommt.” Ich hole mir beseelt noch ein Glas Champagner.
Der Abend geht dem Ende entgegen. In den hinteren Ecken der Ausstellung ist schon niemand mehr, der Prinz ist schlafen gegangen, Mike Horns Töchter sitzen mit einer Freundin im Foyer auf dem Fußboden und tippeln müde und gelangweilt auf ihren Handys rum. Die kulinarische Rettung kreuzt in Form eines Maitre de Cuisine meinen Weg. Er trägt eine große Schale fritierte profane Cheddar Cheese Poppers, die ich ihm in großen Mengen in dialektfreiem Französisch abschwatze. Adé ihr Skelette, ihr Meeressäuger und Fossilien in diesem gewaltigen Gebäude. Hier ist ohnehin alles ein wenig größer, nicht nur die Champagnerflaschen. Ach ja, schon wieder leer. Die Gesellschaft der Lifestyle-Journalisten diffundiert in diverse angrenzende Lokalitäten, teils aus freien Stücken, teils fremdgesteuert. Müde und hoffnungslos von Eindrücken überfrachtet kaue ich die Jalapenos.
Monta Carlo. Du bezaubernde Stadt an der Ostkante der Côte d’Azur. Was macht deine Faszination aus? Sind es die höflich ausgelassen lachenden Polizisten, die ich vor dem Casino frage, wo denn die dicke nackte Frauenstatue nochmal ist, die ich für meinen Freund Jan fotografieren soll? Ist es der neidfreie Blick auf unfassbaren Reichtum, in einer Hand das Glas, in der anderen eine wildfremde Palme? Ich habe eine Menge Eindrücke und Bilder in meinem Kopf, mir wurde ein Haufen Technik und Innovation stilsicher präsentiert und ich habe einen Abenteurer kennen gelernt, der ein bisschen anders als die anderen ist. Ich muss mein Glas abstellen. Gegen drei Uhr Morgens teile ich diese Gefühle noch jener Frau in Zürich mit und sage ihr, in nicht ganz dialektfreiem Deutsch, dass auch ich immer wieder zurück komme, während unten im Hafenbecken die Fische noch immer schmutzige Seemanslieder singen. *hach* Und schlafe lächelnd in einem viel zu großen Bett ein.
Was lernt der Blogger aus diesem Artikel?
- Verschmelze nicht zu viele verschiedene Bilder mit deinem Grafikbearbeitungsprogramm, das verwirrt das Auge
- Erwähne die Hauptsponsoren nicht zu oft, das reduziert die Menge der Kommentare

- Stelle Fragen in deinem Artikel, sonst wird er nur gelesen und niemand fühlt sich zum Dialog angeregt.
- Sei nicht zu technisch, das entspricht nicht deinem Ruf des Hofnarren
- Sei nicht zu witzig, dann kommt die Technik zu kurz
Wir lesen uns
Sandmann
P.S.: Mist, ich hab schon wieder keine Fragen gestellt…
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