Es gibt Momente, in denen man eine Art Rückfall bekommt. In denen man von alten Tagen träumt. In unserem Fall von zwei Wochen mit dem Porsche Boxster. Hach. Es tut so weh.
Ich weiß noch genau, wie ich mit Julian abens in einer Kneipe war, und draußen auf dem Parkplatz stand unser Test-Sportwagen. Es war irgendwann nach Mitternacht, da sagte Julian zu mir: „Du, mir ist langweilig. Gib mir den Autoschlüssel.“
Das muss man sich mal vorstellen: Wir gingen wochenends auf Tour, um angeregte Bargespräche zu führen, und was macht der kleine Bruder? Er gähnt vor sich hin. Und irgendwie hatte er recht. Der Boxster kann durchaus spannender sein als angeheiterte Mädels.
Ich gab ihm also den Schlüssel und nachdem er eine Weile allein im Auto verbracht und die Bose-Soundanlage ausgiebig getestet hatte (er ist der eigentliche Angeber von uns dreien), schloss ich mich ihm an. Er tat mir ja auch leid, so ganz ohne Führerschein damals. Also fuhren wir die nächste Autobahneinfahrt hinauf und feierten durch die Nacht – auf unsere ganz persönliche Weise.
Der Mittlere von uns, Sebastian, hat mir kürzlich von seinen nächtlichen Visionen erzählt. Er habe davon geträumt, Rockstar zu werden. Und was hat er sich von der ersten Kohle gekauft? Einen Porsche. In seiner Großzügigkeit habe er vorgehabt, uns beiden übrigen auch einen zu schenken. Danke dafür. Aber wir haben noch die Porsche-Wette laufen, das wird also schon klappen (unser Kontostand ist leider noch nicht erwähnenswert gestiegen).
Das Blöde ist: Irgendwie kann man Porsche erst so richtig im Alter fahren, wenn man ordentlich verdient hat. Das ist schade, weil gerade jetzt würde es ja soviel Spaß machen. Ein Dilemma.
(Ich höre in Gedanken immer meinen Kollegen im Hintergrund sagen: Eine kritische Distanz zum Testwagen wäre nicht schlecht… – und antworte ihm: Mein Gott, ich bin doch nur ehrlich)
Siehe auch: AC Cobra, VW - Vier Jahrzehnte Werbung|Endlich: Tuning lohnt sich! |