Fahrbericht
Toyota Prius+ Wagon
Um Emotionen im Toyota Prius+ Wagon aufkommen zu lassen, braucht es am einfachsten einen handfesten Ehekrach. Denn der Japaner ist eines der zurückhaltendsten Autos, dass wir in den vergangenen Jahren über die Strassen gescheucht haben.
Der Pruis+ Wagon fährt sich - wie ein Prius. Oder wie ein Lexus CT 200h, den wir bereits im Test hatten. Denn der Siebensitzer mit Hybridantrieb verfügt über genau dieselbe Antriebseinheit wie die beiden genannten Modelle, also ein 1800er-Benziner, einen Elektromotor und eine Systemleistung von 136 PS. Freude am Fahren sucht man beim Prius+ also vergebens. Doch das war ja auch nicht das Ziel der Entwickler.
Das Ziel war, einen Vollhybriden (er kann also auch rein elektrisch fahren) auf die Räder zu stellen, mit dem man bis zu sieben Personen bequem befördern kann. Und dieses Ziel hat man erreicht. Die Platzverhältnisse sind mehr als in Ordnung, zumindest für fünf Personen. Die hintersten beiden Sitze sind für Menschen von einer Statur der Klitschko-Brüder aber absolut tabu - doch das ist bei den meisten anderen Siebensitzern nicht anders. Der Pruis+ Wagon ist also einfach ein Prius mit Kombiheck und zwei zusätzlichen Sitzen? Nicht ganz, denn die Entwickler mussten schon noch etwas in die Trickkiste greifen, um so viel Innenraum zu schaffen.
Einer der Knackpunkte war die Batterie, welche den Elektromotor mit Saft versorgt. Diese liegt beim fünfsitzigen Prius unter der Rücksitzbank. Dort wäre sie beim Wagon aber im Weg gewesen, also verschob man die Akkus in die Mitte zwischen die Vordersitze. Dort fehlt es aber an Platz für die Nickel-Metallhydridakkus. Also setzt man bei Toyota in diesem Fall auf die kleineren Lithium-Ploymer-Akkumulatoren. Statt aber einer Ablage in der Mitte verfügt der Prius+ also dort über ein Akkupack, welches in etwa die gleichen Leistungsdaten hat wie die Batterien beim Prius. 
Bequem ist er, der Prius+ Wagon.
Klar gibt es auch sonst Unterschiede zum normalen Prius, wie etwas die neugestaltete Anzeigeeinheit und die neue Anordnung der Schalter. Ansonsten ist der Wagon aber ein typischer Prius. Was nichts Schlechtes bedeutet. Der Wagen rollt sehr komfortabel ab, ist gegen vorne und zur Seite recht übersichtlich und soll laut Werk mit nur 4,1 Litern pro 100 Kilometern auskommen, was einem CO2-Ausstoss von nur 96 g/km entspricht. Maximal sollen mit dem Japaner 165 km/h möglich sein, den Sprint aus dem Stand auf 100 km/h soll nach 11,6 Sekunden erledigt sein. Kein Auto also für Leute, die gerne etwas zügiger unterwegs sind. Aber ein Auto, dass den Insassen alles bietet, um stressfrei von A nach B zu kommen. Und ein Auto, dass richtig etwas wegpacken kann. Als Siebensitzer schrumpft das Gepäckfach zwar auf 232 Liter, doch die Sitze der hinteren beiden Reihen lassen sich alle einzeln abklappen. So vergrössert sich das Laderaumvolumen auf maximal 1750 Liter. Das ist deutlich mehr, als zum Beispiel ein 5er-BMW als Kombi wegpacken kann.Kosten wird der Prius+ Wagon mindestens 35'900 Franken. Die edle «Sol Premium»-Variante, mit allem drin, was gut und teuer ist, wird mindestens 42'900 Franken kosten. In diesem Fall ist die Aufpreisliste dann aber erfreulich kurz. Unverändert zu den anderen Hybrid-Modellen sind die Garantieleistungen. Drei Jahre Vollgarantie (100'000 km), 12 Jahre gegen Durchrostung und fünf Jahre auf die Hybridkomponenten - das kann sich sehen lassen. Die Markteinführung des Hybrid-Kombi erfolgt am 28. Juni 2012.

Bequem ist er, der Prius+ Wagon.

Text: Cha, Fotos: Werk.
Original: radical








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