Klein und mässig fein
Wer einen Prinzen will, muss erst ein paar Frösche küssen. Unser Frosch heisst Tazzari Zero, ist ein elektrisches Kleinfahrzeug und wird nie zu unserem Prinzen. Nicht mal zum König der Herzen.
Elektroautos sind gerade angesagt. Neben den grossen Automobilherstellern findet man auch kleine Anbieter. Und diese gehen teilweise einen ganz eigenen Weg, so wie der in Imola in Norditalien beheimatete Tazzari-Konzern. Der elektrisch angetriebene Zero ist ein echt kleines Wägelchen mit auffälligem Kunststoffkleid.
Nur gerade 288 cm lang ist der Zero. Das ist nur unbedeutend mehr als ein Smart – dank dem extremen Leichtbau und der eher mageren Innenausstattung wiegt der Wagen mit 550 kg aber über 300 kg weniger als der Flitzer aus dem Mercedes-Konzern. Hier unterscheidet sich der Tazzari am stärksten von den Elektroautos der grossen Hersteller. Wenig Gewicht bedeutet, dass es weniger Leistung braucht, um den Wagen anzutreiben. Die Akkus können daher kleiner dimensioniert sein, um eine anständige Reichweite zu erreichen. Der Tazzari-Konzern, der vor allem in der Herstellung von Aluminium-Komponenten für grosse Autohersteller zu Hause ist, hat das ganze Leichtbauwissen in den kleinen Stromer gesteckt. Das Ergebnis: eine Reichweite von bis zu 140 km – sagt zumindest das Werk.
Diese Zahl scheint durchaus realistisch, denn angetrieben wird der Zero von einem Asynchronmotor im Heck. Dieser Antrieb stellt ein Drehmoment von 150 Nm zur Verfügung. Damit ist man tatsächlich sehr flott unterwegs – wenn man einmal Vertrauen in das doch gewöhnungsbedürftige Fahrverhalten des kleinen Flitzers gefasst hat. Denn die Kombination aus extrem kurzem Radstand, schmaler Spur und Breitreifen wirkt sich nicht eben positiv auf die Fahrstabilität aus. Der Tazzari gibt sich insbesondere in Kurven sehr lebendig, besonders dann, wenn man den Fuss vom «Gaspedal» nimmt. Auf den ersten Metern wirkt der Wagen eher wie ein störrischer Esel.
Doch man gewöhnt sich recht schnell an den Eiertanz, den der Zero
aufführt. Schon nach wenigen Kilometern wird man mutiger. Und
tatsächlich: Mit dem Kleinen kann man sehr sportlich unterwegs sein. Die
Lenkung ohne Servounterstützung wirkt wie aus einem Go-Kart und ist nicht
sonderlich leichtgängig.
Obwohl der Zero nicht enorm stabil wirkt, ist er alles andere als ein Bastlerauto. Die Verarbeitung ist in Auto-Massstäben gemessen einigermassen okay – im Vergleich zu einigen Konkurrenzprodukten dieser Fahrzeugklasse aber sehr gut. Und weil der Tazzari so leicht ist, wird er in der Schweiz in der Kategorie Leicht-, Klein- und dreirädrige Motorfahrzeuge zugelassen. Will heissen, dass man den Zero mit einem Motorrad-Nummernschild ausrüsten muss, was in Sachen Versicherung und Steuern kein Nachteil ist. Das lässt auch die Möglichkeit zu, den Wagen zum Beispiel mit Wechselschildern mit einem Motorrad zu bewegen. Der Zero fährt nach einiger Angewöhnungszeit ganz ordentlich, hat zwei Kofferräume mit 180 Litern Inhalt und ein integriertes Ladegerät. Elektrische Scheibenheber, Zentralverriegelung und zahlreiche Farben gibt es auch. Was fehlt dem Zero also zum Erfolg? Vielleicht ein tieferer Preis, denn der Schweizer Importeur (www.ivolt.ch) will für den Kleinen mindestens 34'990 Franken. Eine ordentliche Stange Geld. Zumal der Tazzari in seinem Heimatland ab 20'500 Euro zu haben ist. Ob man bereit ist, so viel für ein kleines Elektroauto auszulegen, lässt sich am besten anlässlich einer Probefahrt abwägen. Doch wir raten zur Vorsicht, denn der Kleine ist wirklich nicht mit Automassstäben zu messen. 

Original: radical








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