• Deutsch (DE-CH-AT)
  • English (United Kingdom)

Banner
Networkradical-mag.comToyota 2000GT, 1967

Mysteriöse Schönheit

Noch nicht erstellt
James Bond hat es ja so ein bisschen mit den Damen. Und den gesitigen Getränken. Und den Automobilen. Nur in einem Abenteuer, «You Only Live Twice» (1967), da sitzt Bond - hier: Sean Connery - kein einziges Mal am Steuer. Er ist immer nur Beifahrer. Ob das daran gelegen hat, dass ihm das Drehbuch keinen Aston Martin anbieten konnte, oder vielleicht daran, dass er zwar die «licence to kill», aber keinen japanischen Führerschein besass, das entzieht sich unserer Kenntnis. Und doch hat «You Only Live Twice» ein Automobil berühmt gemacht: den Toyota 2000GT.

Welcher Teufel die Verantwortlichen bei Toyota geritten hatte, ein Fahrzeug wie den 2000GT konstruieren zu lassen, das lässt sich heute nicht mehr feststellen. Tatsache ist, dass Toyota Anfang, Mitte der 60er unter den sowieso schon sehr konservativen japanischen Automobil-Herstellern der mit Abstand altbackenste war; der «Japan-Barock» stand in voller Blüte, Schachteln auf Rädern wurden gebaut, die man dann wild mit Chrom verzierte. Aber irgend jemand bei Toyota musste erkannt haben, dass die Marke ein Image-Problem hatte. Und irgendwie wurde etwas Geld bewilligt für die Entwicklung eines Fahrzeugs, wie es Japan noch nie gesehen hatte.

Jetzt wird es aber schon mysteriös. Denn Toyota konstruierte den neuen Wagen nicht selber, sondern vergab den Auftrag an die Entwicklungsabteilung von Yamaha; es ist aber auch möglich, dass Yamaha an Toyota herantrat mit einem Vorschlag, so genau scheint das heute niemand mehr zu wissen. Ja, Yamaha ist vor allem berühmt als Motorrad-Hersteller, aber dabei wird gerne vergessen, dass die Japaner auch einen ausgezeichneten Ruf als Motorenbauer haben (und schon damals hatten). Erstaunlich ist nun aber, dass Yamaha am Motor, einem 2-Liter-Reihen-Sechszylinder aus dem Toyota Crown, kaum etwas bastelte, ihm «einzig» zwei obenliegende Nockenwellen verpasste, was die Leistung auf beachtliche 150 PS brachte. Neun spätere Exemplare verfügten dann auch noch über einen 2,3-Liter-Motor mit der gleichen Basis, doch der Name 2000GT (ohne Abstand) blieb.

Wurde es je wieder besser?


Ja, man kann durchaus etwas Jaguar E-Type erkennen.

Als Toyota den 2000GT 1965 auf der Tokio Motor Show vorstellte, war das Publikum sehr positiv überrascht. Zwar erinnerte der Sportwagen entfernt an den Jaguar E-Type, doch trotzdem, so ein schönes Auto hatte es in Japan vorher nie gegeben (und wenn wir jetzt böse wären, würden auch noch schreiben: und auch später nie wieder). Wer genau der Designer war, wird wohl nie geklärt werden. Es gilt als sicher, dass Albrecht Graf von Goertz, berühmt geworden als Schöpfer des 1955 vorgestellten BMW 507, Anfang der 60er Jahre für Yamaha gearbeitet hatte. Aber ob es ein Entwurf von Goertz war, den Yamaha Toyota vorstellte, das ist ungeklärt - und eher unwahrscheinlich. Die Rolle von Albrecht Graf von Goertz ist eh etwas undurchsichtig, er galt ja auch lange als Designer des Datsun 240Z, obwohl er nie etwas mit diesem ersten erfolgreichen japanischen Sportwagen zu tun hatte. Toyota schreibt das Design mit den ungewöhnlichen Klapp-Scheinwerfern heute auf jeden Fall einem eigenen Mitarbeiter zu, Satoru Nozaki.

Wurde es je wieder besser?


Ja, man kann durchaus etwas Jaguar E-Type erkennen.




Als der 2000GT 1967 dann endlich auf den Markt kam, da war die Fachwelt überrascht. Das amerikanische Magazin «Road&Track» verglich den Japaner mit dem Porsche 911. Das Fahrwerk mit vorne und hinten Einzelrad-Aufhängung mit Querlenkern und Schraubenfedern war um Meilen besser als das, was die Japaner sonst zu bieten hatten damals. Die Fahrleistungen waren ausgezeichnet, rund 220 km/h schnell war der 2000GT, geschaltet wurde über ein manuelles 5-Gang-Getriebe (für den amerikanischen Markt gab es später auch eine Automatik-Variante), der Toyota hatte vorne und hinten Scheibenbremsen. Neben den aussergewöhnlichen Magnesium-Felgen gab es eine weitere kleine Besonderheit, eine «Notbremse», die nur auf die hinteren Räder wirkte - diese wurde vielleicht extra für James Bond eingebaut. Für heutige Verhältnisse ist der 2000GT mit einer Länge von 4,17 Metern und einer Breite von nur 1,60 Metern winzig; das Leergewicht betrug knapp über 1100 Kilo.

Das Fahrzeug wurde von der Fachpresse ausgesprochen wohlwollend beurteilt, obwohl es mit einen Preis von 8800 Dollar noch teurer war als alle Porsche und Jaguar jener Jahre. Doch noch wichtiger war, dass die Plüsch-Etage von Toyota im 2000GT erkannte, dass Design durchaus seine Berechtigung hat; 1970 kam der Celica auf den Markt, der die Marke Toyota endgültig auf den Radar der Kundschaft auch ausserhalb von Japan brachte.

Bond fuhr in «You Only Live Twice» in einem ganz speziellen 2000GT mit, einem von nur zwei gebauten Cabrios. Beide kamen zwar direkt ab Werk, wurden aber nie offiziell angeboten. Und eigentlich waren sie auch gar keine richtigen Cabrios, denn sie hatten keinerlei Dach; es gab zwar so etwas wie einen Verdeckkasten, doch der war leer. Es wird erzählt, diese beiden Fahrzeuge seien deshalb entstanden, weil der grossgewachsene Connery nicht in das niedrige Coupé - der 2000GT ist nur gerade 1,16 Meter hoch - gepasst habe. Toyota habe es zuerst noch mit einer Targa-Variante versucht, doch auch da soll James Bond zu wenig Platz gehabt haben. Also liess man das Dach dann gleich ganz weg.

Wurde es je wieder besser?

Insgesamt wurden nur gerade 351 Exemplare des 2000GT gebaut, alle bei Yamaha. Selbstverständlich sind diese Toyota heute ausgesprochen teuer, wahrscheinlich die teuersten japanischen Veteranen überhaupt. Das hier neben den leider etwas dürftigen Werksbildern gezeigte Exemplar, ein ziemlich unglücklicher amerikanischer Targa-Umbau aus den 80er Jahren, für den aber anscheinend die Pläne von Toyota verwendet wurde, konnte von RM Auctions 2010 für fast 180'000 Pfund versteigert werden; dafür kriegt man auch einen netten, echten Ferrari. Mindestens ein 2000GT befindet sich auch in der Schweiz.


Original: radical


+ 1
+ 0

Partner- und Mitglieder-Blogs - radical-mag.com

Network Picks

h2oi 2014 the preview
paleolithic prize 1975 audi 100ls brochure
jeep with four harley motorcycle engines
roths orbitron lenos corvette and earnhardts dump truck three of tom cotters 50 shades of rust
neue sonderausstellung im porsche museum projekt geheim
gastbeitrag aus stilistik wurde design die kunst der formgebung
Anzeige
Webhosting by Speicherzentrum.de