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Networkradical-mag.comFiat 128 Coupé 3p, 1978

Flotter Feger

Kleine Coupés auf Basis der eher öden Familien-Limos hatten bei Fiat einst Tradition. In dieses 128 Coupé 3p aus dem Jahre 1978 haben wir uns sofort verliebt.

Als der Fiat 128 im Jahre 1969 auf den Markt kam, war alles neu an diesem Wagen: der Motor, das Fahrwerk und vor allem die Form - klassischer geht es wohl gar nicht, die Fronthaube war fast gleich lang wie der Kofferraum-Deckel, und wären nicht die Lampen gewesen, man hätte vorne und hinten kaum voneinander unterscheiden können. Doch der 128er war ein wegweisendes Fahrzeug, erstmals gab es in der unteren Mittelklasse auch so etwas wie Knautschzonen, die Raum-Ökonomie war grossartig. Und auch die Motorisierung war nicht von schlechten Eltern, der neue, sehr kurzhubige 1,1-Liter-Motor schaffte seine 55 PS zwar erst bei 6000/min, doch das maximale Drehmoment von etwa 80 Nm erreichte er schon bei 3000/min, für die damalige Zeit sehr gute Werte.

Ab 1971 gab es auch ein sehr hübsches, zweitüriges Coupé, mit einem 1,1-Liter, der unterdessen 67 PS leistete, sowie einem 1,3-Liter, der auf 75 PS kam, aber das deutlich bessere Drehmoment bot. Der 128 S hatte Einfach-Scheinwerfer, der 128 SL sehr hübsche Doppel-Scheinwerfer, mehr Chrom und eine aufgewertete Innenausstattung. Was die erste Generation der 128 Coupé aber nicht besass, das war eine Heckklappe.

Die kam erst in der zweiten Generation, die zwischen 1975 und 1979 gebaut wurde. Ob die neuen Coupé mit der Heckklappe hübscher waren als ihre Vorgänger, darüber liesse sich bestens streiten, aber auf jeden Fall waren sie viel praktischer. Und gerade mit dem 1300er (der jetzt offiziell nur noch 73 PS hatte) war (und ist) das Fahrvergnügen ziemlich gross, die Fiat sind leicht und handlich und fröhlich. Wir haben es hier noch mit einer Sonderserie zu tun, «Suisse Special», die aber weitgehend der vom Werk angebotenen Variante «Sport» entspricht und sich von den Serienmodellen vor allem durch die breiteren Reifen unterscheidet, 165er anstatt 145er sind aufgezogen.
Es waren halt schon noch gute Zeiten, damals. Fiat gab die Höchstgeschwindigkeit für sein kleines Coupé mit 159 km/h an, das reisst heute keinen mehr vom Sitz. Doch der Wagen wiegt halt nur 825 Kilo, und die lassen sich um einiges flotter bewegen als heutige Kleinwagen, die 300, 400 Kilo schwerer sind. Das 128 Coupé misst 3,83 Meter in der Länge und nur 1,56 Meter in der Breite, in den Kurven neigt er sich bedrohlich zur Seite, hinten hat er nur Trommelbremsen, das Getriebe muss mit vier Vorwärtsgängen auskommen, doch das reicht völlig. Schön ist auch: man hat dauernd das Gefühl, so richtig schnell unterwegs zu sein, die Reifen quietschen in der Kurve, die Vorderräder schieben flott weg, die Arbeit am Lenkrad und am langen Schalthebel erscheint rennmässig, doch wenn man dann auf den Tacho schaut, dann ist man immer noch innerhalb der engen Grenzen, die unsere Freunde und Helferlein noch zu akzeptieren gewillt sind.

Sie haben bereits einen netten Liebhaber-Wert erreicht, die 128 Coupé, auch jene der zweiten Generation. Erstklassige Exemplare kosten über 15'000 Franken, für ein gutes Stück sind auch 10'000 Franken zu entrichten. Rost ist natürlich das grösste Problem, doch unser Fahrzeug, mit dem wir eine kleine Ausfahrt machten und das am 30. April in der Oldtimer Galerie in Toffen unter den Hammer kommt, zeigte in diesem Bereich keinerlei Schwächen; auch das Interieur ist quasi wie neu. In schwindelerregende Sphären werden die Preise nie steigen, doch so ein kleiner Fiat, der unterdessen auch Veteranen-Status hat, ist so etwas wie das perfekte Einstiegsmodell in die Welt der Oldies. Die Italiener sind relativ günstig im Unterhalt, es gibt noch jede Menge Ersatzteile, und auch die Arbeit am Auto selbst verlangt keinen Hochschul-Abschluss als Ingenieur. Dazu kommt die Freude am Fahren: Natürlich macht ein alter Aston oder ein Ferrari mehr her und ist auch schneller, doch dieses 128 Coupé ist ein absoluter Sympathieträger, der auch Frauenherzen höher schlagen lässt.



Klassisches und deshalb gutes Design, kein Firlefanz.


Text/Fotos: pru.

Original: radical


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