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Networkmotosound.deBMW M-Exoten: Brainstorming in Blech

Schwere Prüfung für den guten Geschmack: Dieser verquollene Roadster wäre beinahe der Z1 geworden.

Die BMW M GmbH baut nicht nur die stärksten Seriensportler der weiß-blauen Marke, sondern auch für individuelle und exklusive Sonderwünsche ist die Firma in Garching bei München eine erste Adresse. Die exotischsten Autos jedoch behält der BMW-Werkstuner unter Verschluss – in einer Tiefgarage unter dem Firmengelände. Zum Teil aus gutem Grund.

Eine Farbe passend zum Nagelack der Freundin, das Leder von der Lieblingskuh oder das Familienwappen als Intarsienarbeit in der Holzvertäfelung – wer mit besonderen Wünschen zum BMW-Händler kommt, der landet irgendwann praktisch zwangsweise bei der M GmbH. Denn die BMW-Tochter in Garching ist nicht nur zuständig für die Sportmodelle des Autobauers, sondern auch für die individuellen Einzelstücke für besonders verwöhnten Kunden. Allein im letzten Jahr haben die Bayern so mehr als 24.000 Autos einen ganz persönlichen Stempel aufgedrückt. Über die Jahre entstanden bei diesen Jobs einige ebenso kreative wie kuriose Fahrzeuge. Doch die meiste Phantasie bewiesen die M-Ingenieure stets, wenn es um eigene Projekte, neue Modellvarianten und den internen Wettbewerb mit Designern und Entwicklern aus der Zentrale ging.

Die Ergebnisse dieser Arbeit kann man nur zum Teil auf der Straße sehen. Denn natürlich haben es nicht alle Vorschläge des blechernen Brainstormings in die Serie geschafft. Viel spannender als verwirklichte Serienmodelle wie das Coupé von Z3 und Z4 sind deshalb die eiligen Exoten, die von der M GmbH streng verschlossen in einer speziellen Tiefgarage verwahrt werden.

Schade eigentlich: Der M8 war schon fertig, erschien den Bayern damals aber als zu viel des Guten.

Einigen davon trauern die Macher in München noch heute hinterher. Der fertig entwickelte M8 zum Beispiel wäre Anfang der Neunziger sicher ein tolles Auto gewesen. „Nur passte ein Sportwagen mit einem 550 PS starken V12-Motor nicht so recht in eine Zeit, in der gerade mal wieder alle von einer Krise redeten“, sagt Entwickler Roland Ast in der Rückschau. „Außerdem betonte unser Technikvorstand in Interviews damals gern, sechs Zylinder und 300 PS seien genug für einen Sportwagen.“ Deshalb wollte innerhalb des Unternehmens keiner den V12-Motor haben, den die M GmbH aus zwei Sechszylinderaggregaten des M1 zusammen gebaut hatte. „Gut, dass wir die Maschine später an McLaren für den F1 verkaufen konnten“, sagt Ast. Und gut, dass in der Folge doch noch ein paar Exemplare übrig blieben. Immerhin trieb dieser Motor auch den Roadster an, mit dem die Bayern 1999 das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewannen. Dass der V12 dann mit bis zu 700 PS auch noch seinen Weg in einen X5 fand, der mit mehr als 300 km/h über die Döttinger Höhe jagen konnte, das ist vor allem dem Spieltrieb der Entwickler zu verdanken. Wenngleich dieses Auto jeden Porsche Cayenne Turbo und jeden Mercedes ML 63 AMG ausgestochen hätte, dachte allerdings nie jemand ernsthaft an eine Serienfertigung. Ebenfalls in die Rubrik „wäre schön gewesen “ gehören Einzelstücke wie das M5 Cabrio, mit dem die Bayern ihre Kunden lange vor der Premiere des offenen BMW 6er an die frische Luft setzen wollten und die zwei, drei Touring-Typen, mit denen sie immer mal wieder über zusätzliche Karosserievarianten für die M-Modelle nachgedacht haben.

Daneben stehen in der Garage der eiligen Exoten auch ein paar Skurrilitäten, die aus ganz praktischen Erwägungen gebaut wurden. So haben sich die Mechaniker in den späten Achtzigern mal einen M3 zum Pickup umgeflext, weil sie einen praktischen Werkstattwagen brauchten. Und weil der mittlerweile ein wenig in die Jahre gekommen ist, wurde die Übung in diesen Tagen mit einem aktuellen M3 wiederholt. Basierend auf dem Cabrio – und deshalb sogar mit herausnehmbarem Targa-Dach – ist der Wagen mit acht Zylindern, 420 PS und einem Spitzentempo von mehr als 300 km/h jetzt nicht nur der wohl schnellste Pritschenwagen der Welt, sondern laut Fahrzeugschein auch der erste Lkw der M GmbH.

Lifestyle-Laster der ersten Stunde: Als andere Kombis noch für Kisten und Koffer konstruiert wurden, war dieser Familiy Touring schon für Fahrräder & Co. ausgelegt.

Nicht minder unkonventionell, aber mit ernsthafteren Absichten, entstand das Modell „Family Touring“ auf Basis des 5er Kombi, mit dem BMW schon früh die Idee des familienfreundlichen Lifestyle-Lasters durchspielte. Zum leichteren Beladen kann man das Auto mit einem hydraulischen Fahrwerk fast bis auf die Straße absenken, und damit hinter die große Heckklappe auch zwei Fahrräder passen und man trotzdem nicht auf zwei Ausstellfenster aus Glas verzichten muss, wurde das Dach um zwei Handbreit angehoben. Das mag zwar praktisch gewesen sein, und Details wie die integrierten Kindersitze haben es sogar in die Serienfertigung geschafft. Doch erinnerte der Kombi offenbar zu sehr an einen lebensfrohen Leichenwagen, als dass ihm der Vorstand grünes Licht gegeben hätte.

Noch viel schräger als der blaue Luxuslaster ist ein feuerroter Roadster, den die M GmbH im hintersten Winkel der Halle versteckt. Mit Stupsnase und Scheinwerfern wie Glubschaugen, schlankem Bug und breitem Heck sieht er aus wie ein überdimensionales Spielzeug aus dem Überraschungsei und wäre doch beinahe der Z1 geworden. Denn was in der Rückschau an eine schlechte Fingerübung von Designguru Luigi Colani erinnert, war mal ein heiß gehandelter Entwurf für den späteren Kultroadster aus München. Allerdings ist wahrscheinlich selbst bei der M GmbH keiner böse, dass der Zweisitzer am Ende doch ein Einzelstück blieb. In den vergangenen 20 Jahren jedenfalls blieb das Auto gut versteckt.

Original: Blog | MOTOSOUND


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