Daimler verkündete heute per Pressemitteilung, die neue A-Klasse ist mit dem 15. Juni 2012 ab 23.978,50 € bestellbar. Mit dem W 176 zielt Mercedes auf einen neuen Kundenkreis: jung, dynamisch – wohlhabend. Trotz aller intendierter Jugendlichkeit dürften eher ältere Semester nach den Sternen greifen – denn erschwinglich oder gar günstig möchte ein Benz nach wie vor nicht sein.
Macht in rot mächtig was her, gerade hier im AMG-Kleid: die A-Klasse W 176. Mit den LED-Augenlidern konnte ich mich bisher nicht so recht anfreunden. | © Daimler AG
Ich muss gestehen, aufregend sieht sie aus, die neue A-Klasse. Ähnlich wie die B-Klasse auf der letztjährigen IAA beeindruckt mich die neue Designsprache der Schwaben noch immer. Überzeugen kann sie mich aber nicht vollends. Denn statt der Zeitlosigkeit eines W 201 oder W 202 – den Baby-Benz-Vorgängern – wirkt die neue, abgeflachte A-Klasse hektisch, gewollt modern, voll im Trend. Zunächst mag sich das für eine erfolgreiche Platzierung am Markt als sinnvoll erweisen, ob das aber auch auf Dauer zielführend sein wird, kann nur die Zukunft zeigen.
Zunächst etwas Grundsätzliches: Ja, die dritte Generation der A-Klasse ist kein Van mit erhöhter Sitzposition mehr. Sie ist flacher, breiter und um einiges länger. Statt Sandwich gibt es ab heute Pizza. Mercedes weicht also völlig ab vom einstigen Kompakt-Van-Konzept der kleinsten Baureihe. Ins Visier genommen werden mit dem W 176 erstmals der BMW 1er F20/F21 wie auch der Audi A3 8V – es geht demnach in das sogenannte Premium-Kompakt-Segment …
Mich erinnert das Heck an den BMW 1er – wer weiß ... Mit AMG-Paket macht der W 176 eine sportliche Figur. Die Heckscheibe wirkt klein und dürfte nicht für die beste Sicht nach hinten sorgen. | © Daimler AG
„Premium“ – Dieses Marketing-Schlagwort erlebt in der Neuwagen-Branche seit einiger Zeit eine Hausse und wirkt auf mich derzeit überstrapaziert. Doch, was sagt uns „Premium“ eigentlich? Ein Blick zurück zeigt uns, es stammt vom Lateinischen ‚praemium‘, das uns in seinem ursprünglichen Plural häufiger als ‚Prämie‘ (lat. ‚praemia‘) über den Weg läuft und u. a. so viel wie ‚Auszeichnung‘ oder ‚Belohnung‘ bedeuten kann. Wer demnach „Premium“ kauft, belohnt sich selbst – und wenn es darum geht, sich selbst etwas zu gönnen, darf es ruhig auch mal teurer, also „Premium“ sein. In diesem Duktus bewegen wir uns auch, wenn es um als solche bezeichnete „Premium-Neuwagen“ geht.
Angesichts des Einstiegspreises von fast 24.000,- € für den Mercedes A 180 mit 122 PS kann somit von Premium gesprochen werden. Der 122 PSer Audi A3 8V 1.4 TFSI steht ab 22.500,- € in der Liste. Der BMW 116i mit seinen 136 PS startet bei 23.100,- €. Hier liegen alle drei Modelle recht nah beieinander. Denn der Premium-Anspruch spiegelt sich auch im Preis wieder. Ob ein VW Golf 1.4 TSI mit einem Grundpreis von 21.575,- € da hinein passt, ist fraglich – trotz des relativ hohen Preises. Zum Vergleich: Der Ford Focus mit dem neuen 1.0-Liter-Dreizylinder-Turbo und 125 PS startet bei 20.700,- €, der Opel Astra J mit seinem 120 PSer 1.4 Turbo startet gar bei 18.190,- € – das sind fast 5.800,- € weniger als das Einstiegs-A aus Stuttgart.
Im Heckspoiler ist die Antenne integriert, die Außenspiegel werden serienmäßig beheizt. | © Daimler AG
Optisch gibt die A-Klasse W 176 den Dynamiker. Steil steht der besternte Kühlergrill im Wind. Die Scheinwerfer ziert das neue Familien-Design mit dem auffälligen obenliegenden LED-Tagfahrlicht. Gerade mit letzterem kann ich mich nicht so recht anfreunden – zu sehr Augenaufschlag und Mascara-Wimpern. Es zündet nicht.
Unsäglich: Sicken und Falze. Die Stuttgarter springen auf den Falze-Zug auf und schwingen mit, von vorn bis hinten. Ähnlich modern kommen BMW 1er und Opel Astra J daher. Einzig Audi hält sich diesbezüglich zurück.
Auch das Heck trifft nicht meine ungeteilte Freude. Wird dem BMW 1er F20 spöttisch eine Hintern-Verwandtschaft mit dem VW Polo V angedichtet, erscheint mir die A-Klasse ihrerseits dem 1er-Heck nicht unähnlich, auch wenn sich die Rückleuchten in ihrer Formgebung recht deutlich voneinander unterscheiden.
Stilsicher und schön zeigt sich das Cockpit. Der Wählhebel des Automatik-Getriebes versteckt sich rechts hinter dem Lenkrad. Die Mittelkonsole zieren viele, teils kleine Knöpfe. | © Daimler AG
Besser, weit besser erscheint mir der Innenraum. War das Cockpit der Pre-Facelift-C-Klasse noch ein an Trostlosigkeit kaum zu überbietender Arbeitsplatz, sind seit Vorstellung der B-Klasse wieder ansehnliche Design-Kunststücke im Innenraum zu bewundern. Instrumente gut ablesbar, Ergonomie weitestgehend gegeben. Das Lenkrad kommt endlich wieder stilsicher daher und weiß zumindest optisch sofort zu gefallen. Wermutstropfen bleibt jedoch die Mittelkonsole. Immerhin, der Bereich um den manuellen Schaltknauf oder das optionale Wählrad des Infotainment-Systems bleibt leer und aufgeräumt. Dafür drängen sich Schalter und Knöpfchen unterhalb der drei mittleren Lüftungsdüsen eng an eng. Klima- und Heizungsregler dagegen liegen unerfreulich tief. Hier dürfte es im Sinne der Ergonomie gern etwas spartanischer zugehen.
Und die Motoren? Drei Mal Otto, vier Mal Diesel. Auch Daimler steigt ins Downsizing ein und eröffnet den Benziner-Reigen mit einem 1.6-Liter-Turbo, der 122 PS an die Vorderachse des A 180 schickt. Auch der A 200 ist ein 1.6er. Ein Zweiliter-Turbo mit 211 PS steht mit dem A 250 bereit. Dieselseitig zeigt sich der A 180 CDI mit 109 PS als 1.5-Liter-Maschine, mit Doppelkupplungsgetriebe mutiert der A 180 zum 1.8er Diesel und ebenfalls 109 PS. 136 PS entwicklet der A 200 CDI aus seinen 1.8 Litern Hubraum.
Falze sollen Dynamik schon im Stand vermitteln – Nur, mir wir das Gefalze bei so vielen Autos langsam etwas zu viel. | © Daimler AG
Trotz Grundausstattung ist der W 176 kein Nackedei. Vorab sorgt eine manuelle Klimaanlage für Abkühlung, vier elektrische Fensterheber erlauben sogar das Absenken des Beifahrer-Fensters vom Fahrersitz aus und ein mp3-fähiges CD-Radio mit sechs Lautsprechern besorgt die standesgemäße Beschallung des Innenraumes. Schön: die Außenspiegel sind serienmäßig nicht nur mit LED-Blinkern versehen und elektrisch verstellbar, zusätzlich sind diese auch beheizbar – ein Detail, das woanders gern Aufpreis kostet. Gleiches gilt für die Mittelarmlehne mitsamt eines praktischen Staufaches. Ebenfalls an Bord sind ein Start-Stopp-System sowie das Multifunktionslenkrad, Lichtautomatik und diverse andere Ausstattungsmerkmale, die zum guten Ton gehören.
Trotz einiger Einwände, die so wirken könnten, als gefiele mir die neue A-Klasse nicht, bin ich gespannt auf das gute Stück. Insbesondere im AMG-Kleid gewandet, erweist sich die A-Klasse als Hingucker. Wie sich dann die später erscheinende „richtige“ AMG-Version zeigt, bleibt zunächst eine spannende Frage. Und in seiner Gesamtkonzeption sagt mir der Baby-Benz auch so durchaus zu – wenn ich ihn alleinstehend betrachte. Da sich der Neue aber an den gleichfalls neuen Kompakten aus Bayern messen lassen muss, dürfen auch Missfallen und Zweifel geäußert werden. Gespannt dürfen wir auf konkrete Gegenüberstellungen von A-Klasse, 1er und A3 sein. Aber der neue A wird auch so sicher seine Liebhaber finden.
passion:driving hat auch bereits einen ersten Artikel zur neuen A-Klasse publiziert.
Original: autoaid.de blog













Mister Wong
Digg
Del.icio.us
Slashdot
Furl
Yahoo
Technorati
Newsvine
Googlize this
Blinklist
Facebook
Wikio







