„Eines Tages meinte mein Schutzengel: Jacky, ich mag nicht mehr. Da habe ich lieber aufgehört.“
Mitte der Neunziger war das, rund um seinen 50. Geburtstag. Heute ist Jacky Ickx 67 Jahre alt. Ein gutes Alter für einen Blick zurück. Bei ihm ganz besonders: „Monsieur Le Mans“, wie der Belgier auch genannt wird, gilt als der erfolgreichste Rennfahrer der Welt. Fast 200 Podiumsplätze hat „Jacky“ im Laufe seiner grandiosen Karriere eingefahren – auf Motorrädern, Formel-1-Autos, Langstrecken-Rennwagen, Rallye-Autos und Dakar-Offroadern. Heute ist er Motorsport-Markenbotschafter für Volkswagen. Ein Grandseigneur der Geschwindigkeit.


Bei allen großen Rennveranstaltungen – von Dakar über Spa bis Goodwood und Le Mans – ist er präsent, bescheiden im Hintergrund, unfassbar lässig und auf Schritt und Tritt umgeben von der Aura eines würdevoll ergrauten Helden. Bei Audis erneutem Le-Mans-Triumph Mitte Juni stellte er seine autorisierte Biografie erstmals vor. Jetzt kommt sie in den Handel. „Vier unglaublich talentierte junge Männer aus Belgien haben das Buch gemacht“, sagt er. „Sie hatten absolut freie Hand, ich hatte lediglich ein Mitspracherecht bei der Bildauswahl.“ Biografien mit zu viel Text mag er nicht, sagt Ickx. „Mir gefällt die Art, das Leben in Bilden zu erzählen.“ Vorbild dafür war das Erstlingswerk des Teams um Pierre Van Vliet – die (Bild-)Biografie über Radsportlegende Eddie Merckx, den zweiten großen Belgier mit –x– im Namen.
80 Prozent Bilder, 20 Prozent Text


Die Rechte an der deutschen Ausgabe des beeindruckenden Bildbands hat Delius Klasing – „und darauf sind wie mächtig stolz“, sagte Sprecher Christian Ludewig bei der Präsentation im Meilenwerk Hamburg. Das schwere, gebundene Buch zeigt grandiose Fotos aus der Zeit, als Motorsport noch lebensgefährlich war und kaltblütige Kerle in den rührend anmutenden Rennzigarren saßen. Der Ferrari 312 zum Beispiel, mit dem Jacky am 7. Juli 1968 im verregneten Rouen seinen ersten Grand-Prix-Sieg holte, wirkt im Vergleich zu heutigen Formel-1-Boliden wie eine frisierte Seifenkiste. 1969 und 1970 wurde Ickx Vizeweltmeister in der Königsklasse. Beim Großen Preis der USA 1979 startete er zum letzten Mal in der Formel 1.
„Damals überlebt zu haben, war keine Frage des Talents, sondern schlichtweg Glück“, sagt Jacky Ickx heute. „Ich hatte das große Glück, immer Teil eines hervorragenden Teams zu sein. Begnadete Mechaniker, großartige Techniker – Erfolg im Motorsport ist immer Teamwork. Als Fahrer bist du nur ein Teil des Ganzen. Und es gab weiß Gott bessere Fahrer als mich.“ Viele fallen einem nicht ein.


1963 startete der Sohn des Motorjournalisten Jacques Ickx seine Motorsportkarriere: Jacques Bernhard „Jacky“ wurde belgischer Trial-Meister – auf Zündapp. Im gleichen Jahr fuhr er seine ersten Autorennen (BMW), 1966 stieg er komplett um auf vier Räder, zwei Jahre später startete er für Ferrari. Lotus, Ford, Brabham, McLaren und Porsche sollten folgen.1983 siegte er mit einer Mercedes-Benz G-Klasse bei der Rallye Paris-Dakar. Auf dem Beifahrersitz: der Schauspieler Claude Brasseur, Frankreichs Antwort auf Armin Müller-Stahl.
Sicherheit spielte immer eine große Rolle für Ickx. 1984 sorgt er als Rennleiter beim Grand Prix von Monaco für eine bis dahin noch nie dagewesene Entscheidung: Wegen sintflutartiger Regenfälle bricht er das Rennen vorzeitig ab – aus Sicherheitsgründen. Ein absolutes Novum in der Formel 1.
Limitiert, nummeriert, signiert



240 Seiten hat die gebundene Biografie, 61 Farb- und 91 Schwarz-Weiß-Fotos werden formatfüllend (24,5 x 29,5 cm) auf 240 Seiten gezeigt, viele davon zum ersten Mal. Speziell für Sammler oder sehr überzeugte (und vermögende) Fans gibt es alternativ die streng limitierte Sonderausgabe „Jacky Ickx Exklusiv“. 111 Exemplare mit 67 Farb- und 98 S/W-Fotos, 208 Seiten stark. Der Einband ist aus echtem Reifengummi, das Cover ziert eine metallene Plakette mit der Seriennummer.
Die Schmuckkassette der XXL-Edition enthält zehn kleine Glasfläschchen mit Devotionalien von Orten und Dingen, die im Leben des fünffachen Vaters eine herausragende Rolle gespielt haben: Schotter von der Rennstrecke in Le Mans, wo er sechs Mal gewann (nur Audi-Pilot Tom Kristensen holte mehr Siege); Rinde des Baums in La Roche, an dem er zu Beginn seiner Karriere (1963) seinen BMW 700 zerlegte; Sand aus der Téneré und dem Senegal, wo er etliche Afrika-Rennen bestritt.
Als Husarenstück gilt bis heute seine Teilnahme an der Dakar 1995. Als reiner „Amateur“ und ganz allein – ohne Beifahrer und ohne Service – holt er mit einem Toyota Land Cruiser Platz 18 in der Gesamtwertung und den Sieg in seiner Klasse. In den Jahren zuvor war er unter anderem für Lada und Peugeot am Start. 1989 hatte Ickx auf seinem 405 Turbo den Gesamtsieg schon in der Tasche, musste sich dann aber der Stallorder beugen und Ari Vatanen den Vortritt lassen.
Er tat es in Sichtweite des Siegerpodiums – „mit großer Gelassenheit und ohne Polemik“, steht in der Biografie. „Als Profi muss man sich den Interessen seines Arbeitgebers unterordnen, auch wenn manch einer der Ansicht war, dass wir die moralischen Sieger seien.“ Sportchef damals bei Peugeot war übrigens FIA-Präsident Jean Todt.
Sämtliche Honorare aus dem Buchverkauf spendet Jacky Ickx an die SOS Kinderdörfer: „Diese Menschen machen einen fantastischen Job.“
Pierre Van Vliet: „Jacky Ickx“ – Die autorisierte Biografie. ISBN 978-3-7688-3508-4, Preis 39,90 Euro. Erhältlich im Buchhandel oder unter der Hotline 0521-55 99 55. Die Sammler-Edition kostet 995 Euro. ISBN 978-3-7688-3507-7. Video: delius-klasing.de/jackyickx.









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