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Freunde im Roadster

by Jens Tanz

Nordamerikanischer Barock am Daimler

Ein mächtiger 5,6 Liter V8 in einem Mercedes-Benz – in Europa war der für dieses Fahrzeug nicht zu bekommen. Der Wagen verrät seine amerikanische Herkunft durch die dicken Bumper, und er hat weniger Laufleistung als so mancher Jahreswagen. Zwei Freunde überführen den exotischen Mercedes 560 SL der Baureihe R 107 vom Händler in die Werkstatt, wo er aufgearbeitet und zum Kunden ausgeliefert wird. Ein Ersthand-Roadster mit Hardtop, der im Stuttgarter Hafen ohne Sprit liegenbleibt!

Ein sehr spezielles Äußeres

Verständnis für Umwege

„Die Tanknadel bewegt sich kein Stück, sollen wir wirklich…?“ Ja sicher. So eine Gelegenheit bekommt man nicht oft. Einen SL der Baureihe R 107 fahren, einen mit dem größten damals erhältlichen V8 aus der S-Klasse. So groß, dass er allen Ölkrisen zum Trotz im offenen Roadster nur in die USA exportiert wurde. Deshalb hat dieser 560er auch rundrum diese dicken, nichtrostenden Bumper und ein paar Striche mehr auf dem Tacho, jenseits des Atlantiks war das so. Und genug Benzin wird schon drin sein. Jedenfalls bis zur Tankstelle unten am Neckar.

Hardtop gegen den Regen

Das hat zumindest der ein bisschen mürrisch guckende Mann gesagt, der den beiden den Zündschlüssel gegeben hat. Eigentlich sollte der Benz direkt von hier in die technische Aufbereitung und dann zu einem Kunden, der ihn schon bezahlt hat. Dass die Jungs noch einen kleinen Umweg fahren würden konnte er sich lebhaft vorstellen und zog brummelnd wieder ab. Er gönnt ihnen keine Extratouren. Und dafür reicht auch das Benzin nicht. Aber Menschen wollen Autos fahren. Nicht neue, rundgelutschte Leasingrückläufer, sondern kantige Ikonen mit Stern. Das muss man doch verstehen.

Auch geschlossen ein Leckerbissen

Warnlampen, gelb und orange

„Was heißt denn AntiLOCK? Das leuchtet plötzlich…“. Während ein leichter Landregen die Welt in ein schlichtes Grau taucht, fällt die gelbe Warnlampe besonders auf. Gelb, nicht rot, das kann also nicht so schlimm sein. Subjektiv betrachtet funktioniert alles einwandfrei, und die technische Aufarbeitung steht dem schnittigen Roadster sowieso noch bevor. Das satte Stück Technik macht sich jenseits der geplanten Route, vor der eisernen Container-Kulisse unten am Neckar, extrem gut. Hier weht ein schlickiger Wind über das Wasser, hier dröhnt und kracht die Schwerindustrie.

Ein Evergreen mit dicken Bumpern

Der seidenweiche Stern in Pajettrot Metallic ist ein kontrastreicher Ort für Gespräche. Was ist alles in 55 Jahren AMG passiert? Kann man einen defekten Wärmetauscher im Innenraum wirklich riechen? Gibt es irgend einen Mann auf dieser Welt, der nicht in Nina Sergeevna Krilova aus der Serie „The Americans“ verliebt ist? Das Auto fährt den Neckar entlang, weiter als es geplant war. Es lockert die Zunge und die Gedanken. Im Rückspiegel sieht man Hafenarbeiter mit gelben Warnwesten arbeiten. Und nun leuchtet neben der AntiLOCK Lampe auch noch die Tanklampe. Orange.

Größer ging es seinerzeit nicht.

Langzeit-Bestseller

Als die neue SL Baureihe R 107 im Jahr 1971 die „Pagode“ ablöste, ahnte noch niemand, dass der neue Roadster das am längsten gebaute Modell in der Mercedes-Benz Firmengeschichte werden wird. Und es vermutlich auch aus heutiger Sicht für immer bleibt. Friedrich Geiger, gefeierter Schöpfer des 300 SL, verpasste dem neuen Vorzeigemodell damals topmoderne H4 Breitband Scheinwerfer und erstmals die geriffelten Rückleuchten, die eine ganze Generation von Autos kennzeichnen sollten. Technisch entsprach der neue SL weitestgehend dem Technologieträger S-Klasse. Für den Hauptabsatzmarkt USA wurden die großen V8 Triebwerke überarbeitet und neue Viergang Automaten mit Drehmomentwandler verbaut.

Wuchtig und durstig – der „große“ V8

The Americans

Das Auto, mit dem die beiden Freunde unterwegs sind ist in Deutschland ein echter Exot – der 560 SL wurde nur für den amerikanischen Markt produziert und war in Europa offiziell nicht erhältlich. Der Sportler mit Seitenaufprallschutz und Knieschutz für die Passagiere wanderte in nennenswerten Stückzahlen über den großen Teich, über die Optik streitet sich die polarisierte Fangemeinde damals wie heute. Während die einen die dicken US Bumper und die ein wenig irre guckenden Sealed Beam Doppelscheinwerfer cool finden, wollen die anderen lieber die filigraneren europäischen Stoßstangen und Lichter. „Umrüstsätze“, mit denen sich die Re-Importe wieder zurückrüsten lassen, sind daher absolute Mangelware und werden gern mit 3000 Euro im Netz gehandelt.

R 107 – wer einen hat, gibt ihn nicht mehr her.

Ein variabler Baukasten

Das Baukastensystem des R 107 lässt theoretisch jede Motorisierung zu, die auch in einer beliebigen anderen Mercedes Limousine arbeitet. Vom Fünfzylinder Diesel OM617 bis zum gewaltigen M100 aus dem 450 SEL 6.9 passt alles mit ein paar Umbauarbeiten unter die große Haube. Während der SL nur einen optionalen Notsitz anbietet, konnte der familienaffine Kunde damals auf den SLC zurückgreifen, der mit seinem verlängerten Radstand ein vollwertiges, fünfsitziges Coupé ist. 1989 kam dann, nach 18 sagenhaften Jahren, der Nachfolger R 129. In diesen 18 Jahren erfuhr das Modell, allein schon wegen der rasend schnell voranschreitenden Technik, unzählige Veränderungen. Ein 1971er SL ist ein komplett anderes Auto als ein 1988er SL. Das dunkelrote Fahrzeug hier am Ufer des Neckar ist eine späte Ausbaustufe, ab 1980 gab es schon ABS (daher kommt auch die AntiLOCK Lampe) und ab 1982 den Airbag. Die aufladbare Taschenlampe im Handschuhfach ist ab Werk dabei. Cool.

Amerikanische Cockpitbeschriftung – nicht uncool

Ein durstiger Gesell

Nicht so cool ist, dass der durstige Motor einen knappen Kilometer vor der angepeilten Tankstelle ausgeht. Das Benzin ist nun definitiv alle, Männer sind Meister im Verdrängen. Aber wer sich über Nina unterhalten kann, der kann auch schieben, die Straße ist leicht abschüssig. Kurz vorm Ziel, die Preistafeln sind schon zu sehen, dann der Aufschrei: „AAAAHHHHH neiiiiin der Tacho der TACHO!!“. Im Verkaufsschild stehen 15.500 Meilen. Jetzt sind da 16.000 auf dem Meilenzähler. Das gibt Ärger vom Chef, definitiv. Der kleine Umweg ist nun doch ein bisschen zu ausufernd geworden. Aber die Gespräche waren so gut, und der Roadster so geschmeidig…

Den Tausender voll gemacht. Das gibt Mecker.

Langzeitqualitäten

Das gute Super läuft und läuft. Die letzten Kilometer zu der Werkstatt schweigen die beiden, obwohl noch lange nicht alles gesagt ist. Wie viel Auto braucht man in diesem Leben? Okay, wer ein Kind hat, das schwerer als 30 Kilo ist, bei dem sollte der SL noch ein C im Namen tragen. Aber sonst? Hier drin passt alles und quietscht nicht. Die Schalter fühlen sich auch nach 35 Jahren massiv und präzise an, die Automatik legt die Gänge seidenweich und unfühlbar ein. Wenn man erstmal den Hebel für die Höhenverstellung der Sitze gefunden hat, muss man auch als 1,90m großer Norddeutscher den Kopf nicht mehr unter dem Hardtop einknicken. Welch wunderbare Technik, welch ikonische Form. Der alte SL könnte ein echter Freund sein. Ein letzter, ungläubiger Blick auf den noch immer makellosen Zigarettenanzünder – wer dieses Auto gekauft hat, bekommt gefühlt einen Neuwagen.

Nichtraucher.

Irgendwann den Traum wagen

Der Schlüsselmeister in der Werkstatt ist nicht mehr ganz so mürrisch wie sein Kollege im Autohaus, denn gleich darf er Feierabend machen. Mit kritischem Blick guckt er auf die leichten Spritzer an den Flanken. Ja doch, es hat geregnet. Der Schmutz lenkt ihn vom zu hohen Meilenstand ab, außerdem ist mehr Benzin drin als bei der Abfahrt. Gut. Die Jungs sitzen noch bei einem Bier auf einer Mauer am Neckar zusammen und führen die Gespräche aus dem SL fort. Sie bekennen ihre Liebe zum klassischen W 124 und orakeln, ob ihr Geld jemals für einen guten SL reichen wird. Was die Versicherung für so ein Fahrzeug kosten würde könnt ihr jetzt schon klären – mit einem einzigen Klick auf die Seite von Hiscox. Und sein wir einmal ehrlich – Menschen müssen Träume haben, die sie im Leben weitermachen lassen. Wenn Menschen alles, wirklich alles erreicht haben werden sie wunderlich. Also, Freunde. Lasst uns alle zusammen weiterarbeiten und uns irgendwann mal einen echten Traum wagen.

Sandmann

Mercedes-Benz 560 SL
Baujahr: 1986
Motor: V8
Hubraum: 5547 ccm
Leistung: 231 PS bei 4750 1/s
Max. Drehmoment: 378 Nm bei 3250 1/s
Getriebe: Viergang Automatik
Antrieb: Hinterräder
Länge/Breite/Höhe: 4580/1790/1300 mm
Leergewicht: 1619 Kilo
Beschleunigung 0-100 km/h: 7,7 s
Top-Speed: 223 km/h
Wert: ca 50.000 Euro

Der Beitrag Freunde im Roadster erschien zuerst auf Sandmanns Welt.

British Espresso

by Jens Tanz

Britisch-italienischer Stil

Aston Martin. Da denkt man sofort an den smarten Geheimagenten, der 1964 in „Goldfinger“ erstmals eine dieser britischen Legenden über die Leinwand fuhr. Im Alltag oder dem Straßenverkehr des neuen Jahrtausends sah und sieht man diese Autos eigentlich nie. Aston Martin Lagonda Ltd baute von den Modellen DB1 bis DB6 über die Jahre jeweils nur drei- oder vierstellige Stückzahlen, sie waren schon immer very expensive – und es waren schon immer „britische“ Fahrzeuge. Da trauen sich nach einigen Lebensjahren auf der Straße nicht pauschal alle Enthusiasten ran. Ich habe einen gefunden.

Was für ein klares „Geschicht“!

Der Spion, der mich liebte

Wer damals einen Aston Martin käuflich erwarb, der hatte keine rationalen Gründe. In den späten 60ern bekam man zum Beispiel in der schönen Schweiz einen Aston Martin für rund 62.000 Franken. Für den gleichen Preis konnte man sich aber auch einen Maserati Mexico oder einen Ferrari 365 GT hinstellen. Trotzdem griffen solvente Kunden zu. Und es gibt immer wieder Menschen, die sich auch heute noch übergebühr mit einem solchen Fahrzeug befassen. Alte Astons sind gar nicht so astronomisch teuer, da hätte man im Sinne der Werterhaltung damals lieber zum Maserati oder zum Ferrari greifen sollen. Aus der Sicht eines normalen Klassikerkäufers ist das natürlich super – aber der Markt geizt mit Ersatzteilen.

Quasi DIE klassische Coupé-Linie

Eine saubere Restaurierung übersteigt den Wert ums Vielfache. Bei der Oldtimerversicherung wiederum kommt man preiswerter weg, klickt doch mal auf die Seite von Hiscox und schaut euch an, was dort für euren Klassiker angeboten wird! Auch wenn es kein Aston ist. Und jetzt stehen wir in der Hansestadt Lübeck und bestaunen das Ergebnis einer Restauration. Einer von nur 787 gebauten DBS mit Sechszylinder. Und was für einer.

Wer’s sich leisten kann…

Dr. No

„Machen Sie den Wagen wieder fit, und machen Sie es gut bitte. Ich möchte den täglich fahren können.“ Eine solche Aussage lässt den Chef eines jeden Restaurationsbetriebs frohlocken. Der Besitzer dieses Aston Martin möchte nicht in Erscheinung treten. In den Wagen ist mehr Geld geflossen, als andere für ihr Einfamilienhaus ausgeben, das hält man gern dezent britisch unter Verschluss. Nennen wir ihn also „Dr. No“. Das Fahrzeug wurde vor vielen Jahren aus England nach Deutschland importiert und vor sechs Jahren in einem bedauernswerten Zustand aus einer vergessenen Garage gezogen. Kurz darauf nahm Dr. No den Kontakt zu Mike Knoke in Stockelsdorf bei Lübeck auf, und ihm den Auftrag mit dem Aston zu erteilen.

Geschichte und Geschichten

Diamantenfieber

Knoke ist es auch, der mich jetzt durch die Backsteinmauern der alten Hansestadt fährt, denn niemand kennt dieses Auto so wie er. Hunderte Stunden Arbeit, viel Recherche und eine Menge seltenes und wirklich teures Material waren nötig, bis sein Team den Briten in diesem Zustand hatte. Die Alukarosse wurde komplett entlackt, neu aufgebaut und mit funkelnden Lackschichten überzogen, die allein schon mehr Finanzmittel verschlungen haben als so mancher für sein ganzes Auto ausgibt. Alle Chromteile hat der Betrieb entweder neu gekauft oder neu verchromt. Das komplette Interieur wurde mit bestem Leder und Teppichen neu aufgebaut. Am Ende kamen neue Reifen auf neue Felgen, und der DBS hatte so fein geputzte Schuhe wie der Doppelnull Agent.

Details zum Verlieben

Stirb an einem anderen Tag

Legende plus Lagonda – 1947 kaufte und rettete der Unternehmer David Brown das Unternehmen, dessen Wurzeln bis 1913 zurück reichten. Angeboten über eine Zeitungsannonce gingen für die Aston Martin Motors Ltd. 20.000 Pfund über den Tresen, und das bei Staines nahe London ansässige Unternehmen Lagonda kam gleich noch obendrauf. Hier hatte man einen Sechszylinder DOHC Motor im Programm, der von keinem geringeren als Walter Owen Bentley (der Gründer der gleichnamigen Automarke) entwickelt wurde. Alle ab dann gebauten Aston Martins trugen nun die Initialien des David Brown und aufsteigende Nummern. Herr Bond fuhr damals einen DB5.

Schauen wir doch mal rein

Moonraker – Streng geheim

Nach dem DB6 hätte also logisch konsequent eigentlich der DB7 folgen müssen, aber ab 1966 planten die Designer und Ingenieure ein komplett neues Fahrzeug. Der italienisch anmutende Gran Turismo sollte von Anfang an mit einem kräftigen Achtzylinder angeboten werden. Der machte den Testern aber immer kapitale Sorgen. Also gestaltete die Mailändische Carrozzeria Touring für den Pariser Autosalon 1966 zwei neue Entwürfe von zweitürigen Coupés, die zwar für einen Achtzylinder ausgelegt waren, aber zunächst nur den bewährten Reihensechser aus dem DB6 bekommen sollten.

Kein V8 – und das ist irgendwie cool.

David Brown fand die Entwürfe vergleichsweise unelegant und ließ William Towns ans Zeichenbrett. Towns arbeitete bei Aston Martin eigentlich an der Gestaltung von Sitzen. Dass er mehr als das konnte zeigte er bei seinem ersten Wurf, einem viertürigen Coupé. Dieses im nächsten Schritt auf zwei Türen zu reduzieren erschien ihm einfacher, als ein zweitüriges Coupé im Falle einer Limousinenvariante zu verlängern.

Die Welt ist nicht genug

Der kraftvolle und eigenständige Entwurf überzeugte das Management sofort. Die flach abfallende Dachlinie mit der Abrisskante am Heck ähnelte ein wenig dem ersten Mustang Fastback, aber insgesamt kam der Wagen sehr italienisch, kräftig und elegant rüber. Besonderes Merkmal waren die in den Grill eingelassenen Doppelscheinwerfer. Sitzdesigner Towns erschuf mit dem DBS die Grundlage für das „Gesicht“ der kommenden Modelle in den nächsten 20 Jahren.

Eine Uhrensammlung zum Beneiden

Auch unter dem Kleid ging eine Menge gute Technik an den Start. Das alte Fahrwerk des DB6 wurde überarbeitet und so dimensioniert, dass es später auch die Achtzylinder tragen könnte. Am Heck wurde eine De-Dion Achse mit Wattgestänge und Längslenkern verankert, am Vorderwagen arbeiteten Dreiecksquerlenker mit Schraubenfedern und Kurvenstabilisatoren.

Falsche Seite? Wie man’s nimmt.

Feuerball

Zwei Jahre nach Verkaufsstart hatten die Techniker den Achtzylinder gebändigt und präsentierten 1969 auf der London Motor Show das Auto, was sie ursprünglich geplant hatten. Der von Tadek Marek entwickelte 5,3-Liter-V8 aus Leichtmetall basierte auf seinem ausgereiften Sechszylinder, vor allem die Bohrung hatte man übernommen (um auf die gleichen Kolben zurückgreifen zu können). Der neue V8 beschleunigte den Gran Turismo auf über 240 km/h und ließ ihn endlich nicht nur optisch, sondern auch von den Fahrleistungen in der Liga der Italiener mitspielen.

Sogar hinten ist einigermaßen Platz

Einzig der Verbrauch schmälerte die Euphorie ein wenig. Auch wenn die erste Ölkrise noch nicht in Sicht war – Auto Motor und Sport attestierte dem DBS V8 im Jahr 1970 einen Durchschnittsverbrauch von stattlichen 28 Litern. 1972 veräußerte Brown „sein“ Unternehmen an Company Developments, und seine Initialien sollten für immer aus den Modellbezeichnungen verschwinden. Die letzten 70 noch bei der Übergabe vorhandenen DBS wurden von der neuen Unternehmensführung unter dem Namen „Aston Martin Vantage“ an die Kunden übergeben. Der Ur-V8 erreichte eine Stückzahl von 402 und bekam als Nachfolger mit einer modifizierten Frontpartie fortan den Namen „Aston Martin V8 Saloon“.

Schlicht und schön

Ein Quantum Trost

Der Funken springt schon über, bevor ein anderer Funken das Benzin zündet. Einmal auf der falschen Seite eingestiegen umgibt mich duftendes Leder und feine Schlingenware mit Neuwagengeruch. Das einzige Holz hier drin ummantelt das Nardi Lenkrad. Als der Sechser rund und gleichmäßig läuft verharrt Knoke noch ein paar Sekunden und lauscht. Er kennt die mechanischen Geräusche, hört Ungleichmäßigkeiten und identifiziert jedes Zischen oder Schnaufen. Alles gut. Der Restaurations-Profi legt den kleinen Schaltknubbel auf D und lässt das britische Coupé mit dem italienischen Kleid vorbeibrausen an Holstentor, Musik- und Kongresshalle und Traveschiffen.

Knoke reitet uns durch die Hansestadt

Die hochglänzende schwarze Haube lässt tatsächlich Gedanken an den frühen Mustang aufkommen. William Towns gab lange nach den damaligen Muscle Car Vergleichen allerdings zu, sich ein bisschen am Camaro bedient zu haben. Und sind das wirklich nur sechs Zylinder? Die fast 400 Newtonmeter drücken gefühlt schon im Standgas so kraftvoll nach vorn, dass man gar nicht so recht in den Genuss der historischen Umgebung kommt. Zumal ein Auge erfahrungsgemäß auch immer auf dem Kühlwasserthermometer ruhen möchte. Aber well, all is fine.

Rundreise durch Lübeck, nicht London

Man lebt nur zweimal

Ein geretteter Klassiker, ein mit dem Ergebnis mehr als zufriedener Mike Knoke, ein adrenalingefluteter Mitfahrer und ein Dr. No, der in den nächsten Jahren viel Spaß mit einem sagenhaften Auto haben wird. Habt ihr euren Klassiker auch wieder auf der Straße und genießt die Ausfahrten? Seid ihr gut versichert (klickt mal auf den Hiscox Link), auch wenn der Wert eures eigenen Autos in anderen Dimensionen pendelt? Geld ist eben nicht alles. Cool, wenn man es hat und es wie in diesem Fall in ein altes Auto investiert, um eine längst vergangene Zeit noch einmal aufleben zu lassen. Eine Zeit, wo gut gekleideten Agenten von ihren Landsleuten noch wirklich schöne Autos auf die Straße gestellt wurden.

Sandmann

Aston Martin DBS S
Baujahr: 1971
Motor: Reihe 6
Hubraum: 3.996 ccm (244 cui)
Leistung: 207 KW (282 PS)
Max. Drehmoment: 390 Nm bei 3850 U/min
Getriebe: Dreigang Automatik
Antrieb: Hinterräder
Länge/Breite/Höhe: 4585/1830/1325 mm
Leergewicht: 1707 kg
Beschleunigung 0-100 km/h: 6,8 s
Top Speed: 225 km/h
Wert: ca 170.000 Euro

Kontakt:
Mike Knoke Automobiltechnik
Tel. 0451 499 44 55
www.kfz-knoke.de

Der Beitrag British Espresso erschien zuerst auf Sandmanns Welt.

Three Hundred non Letter

by Jens Tanz

Herrschaftlich…

Bei Chrysler gab es seit 1955 jedes Jahr einen anderen Buchstaben hinter der Modellbezeichnung. Von 1962 – 1971 ließ man diese Alphabetisierung modellbezogen weg. Auch Enno fehlt dieser Buchstabe bei seinem extrem seltenen 300 2-Door Convertible, also fährt er zurück zum Ort, wo er vor vielen Jahren das Alphabet lernen musste. Zum Internat und dem Gymnasium am See. Ich steige zu ihm in das gewaltige Auto mit ein und will mal hören, ob’s auch ohne ABC geht.

Ein Fremdling im Idyll

Das flache rote Auto ist ein Fremdling in der beschaulichen Kulisse von Plön in Schleswig-Holstein. Ein herbstlicher Mantel hat sich über den Schlossberg gelegt und bedeckt mit trockenen Blättern die Kleinstadtidylle. Man fährt hier Volkswagen Passat, 5er BMW oder E-Klasse in gedeckten Farben. Der langsam den Berg hochkriechende amerikanische „Three Hundred“ wirkt deplatziert, er ist riesengroß, laut, bunt und in jeder Hinsicht unvernünftig. Ganz anders als die Plöner. Er passt zu Enno.

Das Schiff ist Rock’s Roll!

Lücken finden

Heute kehrt er zurück an den Ort, wo die Sozialisierung begann, bevor er erwachsen wurde. Internatsleben bedeutete, das damalige Internat Schloss Plön mit 160 mehr oder weniger wilden Menschen zu teilen, sich anzupassen und die richtigen Lücken zu finden. Gewohnt wurde im Schloss, unterrichtet wurde im fußläufig erreichbaren, altehrwürdigen Gymnasium unten am See. Ein fest vorgegebener beaufsichtigter Tagesablauf, streng getrennt von den Mädchen drüben im zierlichen Prinzenhaus und immer mit dem Leistungsdruck des zu erreichenden Abi 90 im Nacken. Vielleicht waren es diese engen Schubladen, die Enno schon immer zu Autos greifen ließen. Autos, die eine Seele haben.

Noch nicht ganz fertig – aber cool

Enno war begeistert von der Kraft, der Größe und der Lautstärke alter automobiler Dinosaurier – irgendwie musste es nun endlich mal ein Ami sein. Die begehrten Klassiker 1968/69er Dodge Challenger und Charger rangierten preislich schon an der Oberkante und schossen über den Orbit hinaus, als der Wunsch seiner lieben Ehefrau auf den Plan kam, es möge doch bitte ein Cabrio werden. Enno rückte also den Focus auf ein Mopar Full size Car und verliebte sich immer mehr in den 300.

Simpel und randvoll mit Drehmoment

Letter Cars

Mit dem C-300 warf Chrysler 1955 sein leistungsstärkstes Modell (mit dem schweren New Yorker als Basis) auf den Markt. Der Hemi V8 entwickelte die namensgebenden 300 PS und war das stärkste amerikanische Serienfahrzeug der damaligen Zeit. Seitdem verwendeten die Jungs aus Michigan jedes Jahr einen anderen, aufsteigenden Buchstaben als Modellbezeichnung, was der Serie den Beinamen „Letter Cars“ gab.

three hundred

Non letter series

Ab 1962 baute man parallel ein preiswerteres Einstiegsmodell mit anderen Motoren und weniger Ausstattung auf Basis des leichteren Chrysler Windsor. Diese Fahrzeuge erkannte man daran, dass sie diese Buchstaben nicht in ihren Modellbezeichnungen trugen und nannte sie bis 1971 die „Non letter series“. Nur im Modelljahr 1968 hatte der Three Hundred die markante spitze Nase und die hidden Head Lamps – so einer sollte es für Enno werden.

Aus dem Vollen gefräst

Passt in keine Lücke

Gesucht – gefunden. Ein roter Chrysler 300 2-Door fand im November 2011 seinen Weg über Lille nach Deutschland. Die riesige rote Wanne konnte schnell auf den deutschen Straßenverkehr umgerüstet und zugelassen werden und schrieb schon bei ihrer ersten Ausfahrt Geschichte: Die Verabredung mit einem Freund aus der Mopar-Szene zur gemeinsamen Fahrt an die Oldtimer-Tankstelle in Hamburg endete während eines unachtsamen Moments mit einem heftigen Auffahrunfall, bei dem der Chrysler den Wagen des Freundes am Heck brutal kalt verformte. Zum Glück wurde niemand verletzt. Aber das wirft Fragen nach dem richtigen Versicherungsschutz für eure Oldtimer auf. Klickt doch mal auf die Seite von Hiscox und stöbert ein bisschen! Was für ein ungewöhnlicher Saisonauftakt. Der Three Hundred passt genau wie sein Besitzer eben quasi in keine Lücke.

Wo jetzt Herr Fielmann lehrt

Alles ist anders

Denn Lücken finden ist heute genauso schwer wie damals. Das den Schlossberg erklimmende amerikanische Automobil ist mit seinen 5,6 Metern Länge genau so wenig anpassungsfähig wie sein Fahrer, und der ehemals eher liberal geführte Internatsbetrieb ist den strengen Hausregeln der Fielmann Akademie gewichen. Als der Chrysler vor dem gewaltigen schmiedeeisernen Tor zum Stehen kommt, drehen sich sofort zwei Kameras und zwei freundliche, aber entschlossen guckende Herren der Security zu ihm um. Oh. Alles ist anders. Das auffällige Auto und eine gewisse charmante Wortgewandtheit öffnen überraschend Ex-Internatler Enno und seinem 300 Convertible diese Lücke. Sowohl das Tor als auch die normalerweise abgeschlossene grobgliedrige Kette, hinter der der Ehrenparadeplatz liegt werden aufgeschlossen. Wir dürfen rein!

Der große Plöner See in Bestform

Der Big Block raunt tief, und sein gesunder Bass hallt von den reinweißen Schlosswänden wider. In den beiden Wintern nach dem Kauf hat der Wagen diverse Umbauten und Verbesserungen erfahren. Das gesamte Fahrzeug, alle Falzkanten und sämtliche Hohlräume sind mit dem TIMEMAXX Fett-Verfahren großzügig versiegelt worden. Der Motor wird auf eine kontaktlose Zündung von Mallory umgerüstet und erhält komplett neue Schalldämpfer, ein Hochleistungskühlernetz und einen Ölkühler. Die Blattfedern werden ausgetauscht und die Sitze neu aufgepolstert.

Wuchtigkeit allerorts

Details und Herausforderungen

Jeder, der schon einmal ein amerikanisches Auto restauriert hat wird ein Lied von den schwer zu reparierenden und so gut wie nicht zu bekommenden Instrumenten singen können. Allein um den Tageskilometerzähler wieder in Betrieb nehmen zu können muss Enno sieben! komplette Kombiinstrumente kaufen. Die analoge Uhr tickt wieder, das Licht wird in diesem Zuge gleich auf Relaissteuerung umgebaut. Das originale 8-Track Radio hinterlässt momentan ein großes Loch im Holzfurnier, das befindet sich noch auf dem OP-Tisch. Überhaupt macht die Elektrik manchmal, was sie will, das wird im nächsten Winter mit einem komplett neuen Kabelbaum beseitigt. Habt ihr schon auf den Hiscox Link geklickt? So eine Oldtimerversicherung beruhigt doch ungemein… Bei schönem Wetter macht gern mal die ganze Familie einen schönen Ausflug mit offenem Dach. Und die Kaffeepausen werden dann so getaktet, dass der Motor nicht heiß gestartet werden muss. Das mag er nicht, da spielt er manchmal nicht mit…

Das ist lange her.

Hier ist es gewesen

Enno zeigt vom Hof aus das Zimmer, in dem er seine Jahre verbracht hat und setzt sich auf die Mauer, wo er damals immer gesessen hat. Der Chrysler läuft im Standgas, lieber jetzt nicht ausmachen, die Security guckt schon ein bisschen nervös und wir sollten langsam trotz aller entgegengebrachter Toleranz mal wieder verschwinden. Dorthin, wo früher die fehlenden Buchstaben gelehrt wurden.

Vom Internat zur Schule

Zurück zur Schule

Auf dem Schulhof ist alles anders als früher. Enno läuft schweigend über den Kies bis runter an den See. Der hölzerne Marterpfahl mit der Inschrift „ABI 90“ ist weg, wo er mal war steht nun eine riesige Wellblechbude – die neue Turnhalle. Die große runde Uhr über dem Haupteingang tickt gnadenlos und unmissverständlich. Sie kündigt den Beginn des Unterrichts an, das Ende der Pause und irgendwann für jeden auch das Ende der Schulzeit. Danach beginnt der Ernst des Lebens und einige andere Enden.

Falten wir es zu

Enno schließt surrend das elektrische Verdeck, auch geschlossen macht der Chrysler eine gute Figur. Er fährt ihn auf das schwarze Pflaster in die „Oberstufenecke“, wo immer die Großen standen. Wer sich anstrengt, der findet seine Lücken, selbst mit einem 5,6 Meter Schiff ohne Buchstaben in der Modellbezeichnung. Enno blickt von Pathos ergriffen auf sein Auto, das jetzt vor einer sich ständig verändernden Kulisse steht, die er mit der schönsten Zeit seines Lebens in Verbindung bringt. Niemand hat behauptet, es würde einfach werden.

Abschied von der „Oberstufenecke“

Nachruf

Ich bin froh, viele Jahrzehnte nach unserem Abitur in Plön mit Enno diese kleine Reise in einem großen Auto gemacht zu haben. Es ist ein Stück gemeinsame Vergangenheit, die uns niemand mehr nehmen kann. Enno verstarb am 19. Januar 2021 und hinterlässt bei seiner Familie und uns allen genau diese Lücke, in die er nie reinpassen wollte. Lebe wohl, lieber Freund. Du wirst immer ein Teil von uns sein.

Sandmann

Zeit.

 

 

 

 

 

 

 

Technik Kasten
Chrysler 300 2-Door Convertible
Baujahr: 1968
Motor: V8 Big Block
Hubraum: 7,2 Liter
Leistung: 355 PS bei 4400/min
Max. Drehmoment: 650 Nm bei 2800/min
Getriebe: Dreigang-Automatik Torqueflite 720
Antrieb: Hinterräder
Länge/Breite/Höhe: 5.631/1.990/1420 mm
Leergewicht: 1935 kg
Beschleunigung: 0-100 in 8,1 s
Top Speed: 190 km/h
Wert: ca. 25.000 Euro

Leb wohl, Enno.

Der Beitrag Three Hundred non Letter erschien zuerst auf Sandmanns Welt.

Dodge Charger lädt auf!

by Jens Tanz

Ein begehrter Muskel

Spielende Kinder sind irgendwann aus dem Spielzeugalter raus oder haben notorisch wenig Taschengeld. Wenn sie als Männer später Geld übrighaben, sind sie meistens im beruflichen und sozialen Alltag angekommen und stecken in teuren Verpflichtungen. Gern legt auch die Lebensgefährtin ein “vernünftiges” Veto gegen klassisches Spielzeug für Erwachsene ein. Aber es gibt Ausnahmen. Martin Hofmann ist erwachsen, hat ein wenig Geld beiseitegelegt, will wieder spielen und hat zu allem Überfluss die Freundin auf seiner Seite. Das war der Moment, wo ein 68er Dodge Charger in sein Leben treten sollte.

Nicht die klassische Midlife-Crisis

Erwachsene Männer spielen genau wie Kinder gern mit Autos – aber die klassische Form eines Porsche 911, die so vielen Männer in der Mitte ihres Lebens den Kopf verdreht, reizt Martin Hofmann nicht. Amerikanische Muscle Cars sind da schon eher sein Ding – sie fallen dem Kind der 80er wieder ein, er hat sie damals in den amerikanischen TV-Serien gesehen. Erinnerungen an gute Zeiten mit dem “A-Team”, “Knight Rider” und ein “Colt für alle Fälle” und den Autos, die da durchs Bild geblubbert sind. Und plötzlich hat er nichts Anderes mehr im Kopf als Muscle Cars.

Ein Mann und seine Haube.

Notieren Sie, Watson.

In Hamburg sabbelt man nicht lange, da macht man Nägel mit Köpfen. Mit einem kundigen Importeur wird das vorhandene Geld mit den Wunschvorstellungen in Einklang gebracht, parallel notiert Martin die Kosten und avisierten Leistungen einer guten Oldtimerversicherung. Wenn ich das für euren bestehenden Klassiker oder den, der es einmal werden soll, auch machen möchtet: Ich werbe in diesen Artikeln immer wieder gern für die Allgefahrenversicherung von Hiscox. Klickt einmal rein, vergleichen kostet nichts, und ich kann die euch sehr ans Herz legen.

Der 68er ist DER gesuchte Charger…

Auf diesen Grundlagen beginnt Hofmann eine detektivische Suche im Internet. Und gerade das gestaltet sich gar nicht so einfach, wenn man wie er konkrete Vorstellungen hat. Es soll ein Dodge Charger werden, das klassische und begehrteste Muscle Car der späten 60er. Hofmann befolgt den weisen Rat seines Importeurs und sieht sich sehr viele, sehr unterschiedliche Fahrzeuge an – und wird immer wieder enttäuscht. Er will Baujahr 1968 und das große Kraftwerk vorn drin, da dünnt sich das Angebot in Deutschland ohnehin immer weiter aus. Dichtung und Wahrheit der Kleinanzeigen besorgen den Rest. Also erweitert er seine Recherche auf die USA, und schon kurze Zeit später macht es spürbar *KLICK*. Bei einer Anzeige passt alles – Motor, Innenausstattung, Hinterachse und der beschriebene Zustand. Hofmann greift direkt zum Telefon.

Netz Netz Netz. Soll der es werden?

Ein Treffer in den USA

Auf der anderen Seite des großen Ozeans meldet sich Chris aus der Nähe von Milwaukee, Wisconsin. Ja, der Wagen sei noch da, er habe auch schon eine lange Geschichte in seiner Familie hinter sich. Als das ursprüngliche Fahrzeug in die Jahre gekommen war, erwarb es sein Bruder und wollte es eigentlich zeitgenössisch zum Drag Racer umbauen. Dieses Vorhaben zog sich aber anscheinend erheblich in die Länge, und Chris konnte es irgendwann nicht mehr ertragen, den schon damals recht seltenen Wagen ohne Motor ausgeweidet auf dem Hof stehen zu sehen. Also kaufte er ihn seinem Bruder ab und baute ihn bis 2004 nach und nach genauso auf, wie er selbst sich einen fabrikneuen Dodge Charger bestellt hätte. Und da scheint zwischen Hofmann und Chris geschmackliche Einigkeit zu bestehen. Was für ein Treffer!

Der wurde schon einmal sehr geliebt

Über den großen Ozean.

Der Importeur einigt sich mit dem amerikanischen Besitzer des Muscle Cars auf die Bestellung eines unabhängigen Gutachters vor Ort, der 120 Fotos vom Auto macht und alle eventuellen Schwachpunkte und Mängel in einem Schriftstück festhält. Die Fotos und die umfangreichen Beschreibungen überzeugen sofort – und das wichtige Ja seiner Freundin bekommt Hoffmann umgehend. Er kauft den 42 Jahre alten Dodge, ohne ihn je selbst gesehen zu haben und nimmt ihn sieben Wochen später in Empfang. Nach einem kurzen Umbau für den deutschen TÜV und eine auf Anhieb erfolgreiche Zulassung gehört der Dodge seit 2010 zur Familie.

Ach nehmen Sie doch bitte (viel) Platz.

Innen groß…

Das ist also Familie Hofmann. Der Charger wird beim Fototermin höflich vorgestellt, während ich versuche, die Dimensionen zu erfassen. Ein für die späten 60er Jahre unaufgeregtes Armaturenbrett beherbergt in schwarzem Kunststoff einige Rundinstrumente und dicke Kippschalter. Kleine Aufkleber auf dem Tacho erzählen von Stundenkilometern und verdecken die Meilen-Angaben. Ein Lichtlein aus dem Mitteltunnel leuchtet den Weg, als sich der Steuermann in das weiße Kunstledergestühl fallen lässt.

Sachlich und nicht plüschig

… und außen noch größer!

Zurücktreten bitte. Was einst als Matchbox-Auto mit dicken Reifen und spannenden Formen in der Sandkiste auf eine kleine Reise ins benachbarte Erdbeerbeet wartete, steht hier jetzt im Maßstab 1:1. Die Front wirkt schnell, das Profil wie von einem heißen Gegenwind nach hinten ausgeformt. Ein faszinierender Hüftschwung mit wunderschönen Details wie dem seitlichen Tankdeckel oder den kleinen, runden Rücklichtern lassen meinen Mund permanent offenstehen.

Die Details sind superschön

Der Dodge scheint zu warten. Im Hintergrund rollt ein knubbeliger koreanischer Kleinwagen die Kopfsteinpflasterstraße neben der Oldtimertankstelle Brandshof entlang, und ich kann mich nicht entscheiden, was mir hier deplatzierter vorkommt. Nennen wir es Ansichtssache. Der Anlasser dreht sich.

Ehrfurcht vor diesem Heck, bitte.

7,2 Liter Brennraum füllen sich mit Benzin. Ein kurzes, turbinenhaftes Aufbrüllen. Dann ein ruhiges Grummeln wie von einem fernen Gewitter, gleichmäßig und völlig unaufgeregt. Hofmann legt den mittigen Wählhebel des TFT 727 Getriebes in die Fahrstufe ein und fährt an mir vorbei… und fährt vorbei… und fährt vorbei… Ich habe schon kürzere Autos gesehen. Der koreanische Kleinwagen ist hoffentlich langsam mal verschwunden, wir brauchen gleich die ganze Straße!

Jede Menge Brennraum

Dimensionen eines Triebwerks!

Das tiefe Grollen erzählt den Umstehenden von etwas, was gern frei gelassen werden möchte. Von einem Raubvogel in Lauerstellung, von einem endlich erfüllten Traum. Und Hofmann lässt es frei. Katzenhaft schnellt der Dodge nach vorn. Wie bei einer nahenden U-Bahn vibriert die ganze Straße. Er ist gar nicht laut dabei, ich fühle es trotz der Entfernung eher im Magen und bewundere, wie unangestrengt das Fahrzeug dabei wirkt. Irgendwie von Evil Knievel geprägt erwarte ich am anderen Ende der Vorbeifahrt einen Bremsfallschirm, aber diese Aufgabe müssen die vier zeitgenössischen Trommelbremsen übernehmen.

Rumpel polter und schon vorbei!

Meine Nackenhaare haben sich noch gar nicht wieder gelegt, da fährt er erneut an mir vorbei. Die breite, scheinwerferlose Nase taucht tief in die Bodenwellen ein, hart und bestimmt stemmen sich die Reifen und die Stoßdämpfer gegen das Kopfsteinpflaster – und schon ist er wieder weg. Es riecht nach sauber verbranntem Superbenzin. Das ist Form und Kraft in einem, das ist die Erfüllung eines Traums mit der Kontrolle über die Maschine. Mich fröstelt. Als der Dodge wieder tief grummelnd an mir vorbei auf den Parkplatz rollt, stehe ich noch ein bisschen rum und blicke ihm nur noch andächtig hinterher.

Horch was walzt von draußen rein

Aufladen im Alltag.

Hofmann, setzen, alles richtiggemacht. Der Mann ist noch immer ein bisschen Kind. Und er wirkt glücklich, so glücklich wie ein Mann nur wirken kann, wenn er sich einen Traum erfüllt hat. Habt ihr euch auch euren Traum erfüllt? Und habt ihr weiter oben schon geklickt und mal geschaut, was die Oldtimerversicherung euch kosten würde? Wenn nicht, dann macht das doch jetzt mal hier. Hofmanns Nachbar muss jeden Tag sein neues Elektroauto wieder aufladen. Der Charger lädt andersrum Hofmann jeden Tag wieder auf, bringt Farbe und Sound in den grauen, monotonen norddeutschen Herbst und gibt einen Ausblick auf viele weitere Reisen und Erlebnisse mit einem mehr als ungewöhnlichen Auto. So soll es sein. Hier hat ein Mann seinen Traum gefunden und lebt ihn nun. Und das noch immer mit dem Segen seiner Freundin. Der Fahrer des koreanischen Kleinwagens wird das vermutlich niemals verstehen.

Sandmann

Dodge Charger
Baujahr: 1968
Motor: V8
Hubraum: 7.206 ccm
Leistung:  350 PS
Max. Drehmoment: 651 NM bei 3.200 U/min
Getriebe:  TFT 727 Torqueflight
Antrieb: Hinterräder
Länge/Breite/Höhe: 5250mm/1950mm/1385mm
Leergewicht:  1546 kg
Top Speed:  240 km/h
Wert: ca. 90.000 Euro

Rock’n Roll, Martin!

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Reisen statt rasen?

by Jens Tanz

Dann steigen wir mal ein.

Wir befinden uns im 21. Jahrhundert. Die automobile Welt hat sich in über 130 Jahren rasend schnell verändert. Komfort, Sicherheit und elektronische Assistenzsysteme täuschen geschickt über Verbrennung, Öl und Gestank hinweg, die noch immer die Grundlage des Vortriebs der meisten Automobile sind. Dabei ist die ursprüngliche Idee auch heute noch immer der gleiche: Ein Motor, eine Karosserie, vier Räder. Wie viel ist notwendig, um sich in der heutigen Zeit fortzubewegen? Reicht ein 1958er VW Käfer, also ein Fahrzeug, das inzwischen fast halb so alt ist wie das Automobil selbst?

Es ist Frühling. Herr Müller möchte den sonnigen Maitag nutzen, um mit seinem Volkswagen 1200 zu einem kleinen Anwesen im schönen Schleswig-Holstein zu reisen. Er will dort ein paar Tage seinen Bruder besuchen. Einmal von seinem Bürojob abschalten, einmal keine Schreibmaschinen und keine Akten in großen Regalen um ihn herum sehen. Seinen fjordblauen 1958er Käfer hat er schon am Wochenende poliert und den Reifendruck geprüft. Gute versichert ist er auch, beim Spezialversicherer Hiscox. Klickt mal auf den Link – ja es ist Werbung aber es ist GUTE Werbung – und macht es mit eurer eigenen Versicherung wie Herr Müller 🙂 Aber zurück zu den Reisevorbereitungen – nach dem Kühlwasser muss er nicht schauen, diesen Teil übernimmt praktischerweise die vom Gebläse um den Motor herum geschaufelte Außenluft.

Wenn einer eine Reise tut.

Ein Koffer auf dem Rücksitz

Alles, was er für den Aufenthalt benötigt passt in seinen kleinen Reisekoffer. Dazu legt er noch ein gutes Buch und seinen Wanderstock mit den vielen schönen Erinnerungswappen vergangener Urlaubsziele. Der Rücksitz ist ein wundervoller Platz für dieses Utensil, und statt Laptop, Playstation, diversen Ladekabeln und Smartphone-Accessoires platziert Herr Müller unter der vorderen Haube sein Picknick-Körbchen, direkt hinter dem Tank. Da drin sind ein paar lecker belegte, frische Brote, Kekse und eine kleine Thermoskanne voller heißem Kaffee. Vielleicht lädt ein schönes Plätzchen am Wegesrand zum Verweilen ein.

Viel Freiheit im hohen Norden.

Navigation mit Hirn und Augen

Ein dickes rotes Buch mit vielen bunten Linien aus ganz Europa eignet sich hervorragend zum Abschätzen der bevorstehenden Strecke. In Kombination mit vielen gelben Schildern an den großen Kreuzungen ist Herr Müller in der Lage, während der Fahrt seinen Weg nur mit seinen Augen zu finden. Die Notwendigkeit eines undurchsichtigen, dafür aber immer vor sich hinplappernden, Touch-Screen gestützten Navigationsgerätes entfällt.

Öl? Passt.

Noch eine kurze Kontrolle des Motorölstands im Heck, alles im Rahmen. Die Haube schließt sich schwer und strahlt Zuverlässigkeit aus. Ein chromiger Knopf statt GPS gestütztem Keyless-Entry öffnet die wuchtige Fahrertür, die hinter ihm klonkend ins Schloss fällt. Die Morgensonne hat schon viel Kraft. In diesem Moment könnte man die mehrseitige Bedienungsanleitung der 8-Zonen-Klimatronic studieren, um über das Zentraldisplay eines der 42 möglichen Belüftungsprogramme über das Menü noch zu individualisieren. Herr Müller kurbelt das Seitenfenster einen Spalt herunter und dreht das kleine Dreiecksfenster so, dass frischer Fahrwind über die Unterarme flüstert. Läuft.

Der Weg ist das Ziel

Wenig Spannung, keine Musik

Mehr als 6 Volt Bordspannung sind nicht notwendig, um den Boxermotor mit Zündfunken zu versorgen. Durch die plane, direkt vor ihm liegende Windschutzscheibe sieht Herr Müller die echte, nicht virtuelle Landstraße. Im Sichtfeld liebevoll zusammengestellt, da wo sonst oft ein Wunderbaum pendelt, befindet sich noch ein kleines Blumensträußchen. Das hat seine Frau Ilse ihm gepflückt. Er setzt mit dem kleinen Hebelchen den Blinker, der schnarrend aus der B-Säule klappt und rollt dem Tag entgegen.

Ein Liedchen auf den Lippen ersetzt das Soundsystem mit 10 digitalen Aktiv-Endstufen. Wo eigentlich schrill beleuchtete Disco-Displays den Interpreten, den Songtitel und die Kontonummer des Plattenlabels in den Fahrgastraum schreien – befindet sich im Volkswagen eine kleine, ebenfalls fjordblaue Metallblende. Es gab mal eine Zeit, da kam niemand auf die Idee, in einem Automobil zwingend Fremde Stimmen und Musik zu hören. Dafür gab es Beifahrer oder schlicht das eigene Organ. “Da_has muss ein schle_hechte_her Müller sein, de_hem niemals fie_hiel das Wandern ein….”

Viel Fuß für wenig Pedal

Der Weg ist das Ziel

Parallelen zum Wandern sind in einem VW Käfer bei Überlandfahrten schon zu entdecken. Müllers breite Füße pendeln geschickt mit den drei schmalen Pedalen im Fußraum, während er beherzt und manchmal Zwischengas gebend die Gänge einlegt. Die Reise geht zunächst durch Rapsfelder und kleine Ortschaften, der freundliche Krabbler schnurrt sein sonores Lied und ist zügig unterwegs. Kerngesund klingt das Maschinchen, keine Warnlampen weisen auf bevorstehende Inspektionen hin. Vielleicht auch, weil sie gar nicht da sind. Nichts stört den Genuss der Landschaft oder des Reisens, nicht einmal eine Tankanzeige.

Blümchen von Ilse sind dabei

Herr Müller beschließt, in einem der nächsten Orte noch eine kleine Kaffeepause einzulegen und bei der Gelegenheit auch gleich noch einmal nach dem Benzin zu sehen, bevor es auf die Bundesautobahn geht. Bei einer Nussecke und einem Kännchen Jacobs Krönung im Dorfkrug studiert er das Wochenmagazin, während auch der Käfer sich tickend und knackend eine kleine Auszeit in der Mittagssonne gönnt. Das Auto ist nicht verschlossen. Warum sollte jemand etwas aus ihm entwenden?

Eine kleine Pause mit Blick auf den Volkswagen

Zeiten ändern sich

An der Tankstelle belächelt man den Herren mit Hut, als er die vordere Haube öffnet, einen Metalldeckel aufschraubt und aus der Zapfsäule Benzin in den Tank laufen lässt. Immer mit einem halben Auge den Pegelstand im Inneren begutachtend. Einzig ein Mann mit einem Zweirad gegenüber scheint ihn zu verstehen. Die beiden fachsimpeln ein wenig über Baujahre und Höchstgeschwindigkeiten, während auch der Motorradfahrer kritisch guckt, dass sein eigener Tank nicht überläuft.

Tank vorn, Motor hinten.

Etwas verwirrt ist Herr Müller im Verkaufsraum der Tankstelle. Er möchte vorsichtshalber noch einen halben Liter Öl mitführen, wird von der Aushilfskraft an der Kasse aber nur fragend angeschaut. Einen 2019er Chardonnay hätten sie im Angebot, und zum Scotch Whiskey gebe es noch einen Schlüsselanhänger dazu! Wer kauft denn heute noch Motoröl? Das macht ihn irgendwie traurig, und noch viel später auf der Autobahn fragt er sich, was eigentlich aus den ehemaligen Servicepunkten für Durchreisende geworden ist.

Sich Zeit lassen

100 km/h genügen völlig, um auf deutschen Straßen entspannt das Ziel zu erreichen. Der Stress der linken Spur ist komplett nicht vorhanden, kein pfeifender Turbo muss sich beruhigen und kein Verkehrsfunk lässt ihn nicht geplante, aber trotzdem völlig verstopfte Routen einschlagen. Eben gerade als er alle seine Wanderlieder durchgesungen hat sieht Herr Müller die Ausfahrt zum Anwesen seines Bruders. Das Auto kann direkt vor dem Portal stehen bleiben, es werden keine anderen Gäste erwartet. Und das Abendessen beginnt bitte pünktlich um 19:00 Uhr. Es versprechen schöne Tage zu werden.

Sie haben Ihr Ziel erreicht.

Herr Müller ist im klassischen Sinn verreist. Ohne Internet und Navi, ohne Smartphone und TicToc Ablenkung hat er für eine mehrere 100 Kilometer umfassende Strecke vielleicht 30 Minuten länger gebraucht als sein Abteilungsleiter mit seinem 2020er Audi. Er muss sich nicht vom alles überlagernden Entertainment und vom gehetzten Dränglern erholen, er kommt schon vorentspannt und gut gelaunt an seinem Ziel an. Er lässt sich weder von informationsintensiven Multifunktionsdisplays noch von 24stündiger Erreichbarkeit wahnsinnig machen. Niemand erwartet von ihm, dass er Selfies vorm Raps oder sein Abendessen postet. Er fährt ein altes Auto, zahlt seine Steuern und ist gut versichert. Habt ihr vorhin einmal auf den Link zu Hiscox geklickt? Traut euch. Los!! Womöglich ist das Angebot auch für euren alten Entschleuniger attraktiv?

Frischwärts in die Ruhe

In einer Welt der elektrischen Helferchen und totalen Vernetzung in alles draußen lassenden Highspeed-Kapseln fehlt es in einem 60 Jahre alten Automobil genau genommen – an NICHTS. Diese Art des Verreisens macht glücklich und entspannt schon beim Hinweg. Vorausgesetzt man hat die Zeit dazu. Aber sollte man sie sich nicht einfach öfter mal wieder nehmen? Lasst euch wieder mal drauf ein. Der Sommer ist ja noch nicht ganz vorbei!

Sandmann

Einige Bilder mit freundlicher Genehmigung von Schloss Tremsbüttel
www.tremsbuettel.de

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Das Erdflugzeug

by Jens Tanz

Wahrhaft erhaben.

Auf einer Party in Dresden steht Thorsten Wappler vor den Fragmenten eines 1936er Hudson und ist sowohl verwirrt als auch begeistert von der schieren Höhe des Wagens und der flachen Frontscheibe. Ein amerikanisches Vorkriegs-Cabrio, gefahren in Montevideo, versteigert auf dem Hamburger Pferdemarkt. So unvernünftig wie Vollgas bei Auquaplaning. Oder wie Aeroplaning ohne Flügel. Mutige Sachsen betreiben daher die Sportart TERRAPLANING. Hot diggity dog!
Wen der Autovirus einmal gepackt hat, der wird ihn nicht mehr los. Warum sollte es Thorsten Wappler aus Dresden anders gehen, er stellt beruflich Sonderanlagen für die Automobilindustrie her. Da ist nahezu jeder Ansprechpartner – ob Kunde oder Lieferant – schon „infiziert“. Wapplers automobile Wurzeln gehen nicht weiter als in die 60er Jahre zurück. Aber dieses schon teilrestaurierte Dickschiff, vor dem er 2009 im Rahmen der Eröffnung der “Zeitströmung” steht, lässt ihn nicht mehr los.

Diese Formen. Dieses Design!

Das Auto ist wirklich alt. Eine leider sehr lückenhafte Historie erzählt von einem Einsatz bis in die 80er in Montevideo an der Mündung des Rio de la Plata. 1989 wurde der rote Wagen auf dem Hamburger Pferdemarkt für einen damals schon stattlichen Betrag versteigert. Und jetzt ist er hier. Was mag er in der Oldtimerversicherung kosten? Checkt es mal beim Spezialversicherer Hiscox und klickt auf diesen Link! Wappler will dieses Fahrzeug. Und sagt es erstmal nicht seiner Frau…

Hudson… wer?

Die inzwischen fast vergessene Marke Hudson begann 1909 in Detroit mit der Produktion von Automobilen und erarbeitete sich schon bald den Ruf, innovative Fahrzeuge preiswert anzubieten. Das erste Auto mit einem elektrischen Anlasser war ein Hudson. Auch Warnlampen für Öldruck und Lichtmaschine sowie ausgewuchtete Kurbelwellen werden erstmals in diesen Fahrzeugen präsentiert. Hudson baute eines der ersten Autos mit zwei Bremssystemen, einem hydraulischen und einem mechanischen. Das konnte eingesetzt werden, wenn die Hydraulik einmal undicht oder fehlerhaft war.

Hier dürfen wir eigentlich gar nicht sein…

Bis gegen Ende der 30er Jahre stand die Marke mit über 300.000 jährlich verkauften Fahrzeugen hinter Ford und Chevrolet auf Platz drei der amerikanischen Herstellerlisten. Seit 1919 nannte man die preiswerteren Modelle “Essex”, ab 1932 wurde daraus der “Terraplane”. Die Detroiter wollten mit ihm ein leichtes Auto in der unteren Preisklasse anbieten, das sowohl mit Stil, Komfort als auch mit Zuverlässigkeit in den Werbungen angepriesen werden konnte. Das Konzept ging auf, der Name ebenso. Amerika war begeistert vom neuen Traum des Fliegens, und kein geringerer als Mr. Orville Wright – ja genau, der mit dem ersten tatsächlich fliegenden Flugzeug im Jahr 1903 – war 1932 einer der ersten Käufer eines Terraplane.

Alles da was man so braucht

Hot diggity dog!

Groß angelegte Werbekampagnen sprühten vor Begeisterung und Kreativität: “On the sea that’s aquaplaning, in the air that’s aeroplaning, but on the land, in the traffic, on the hills, hot diggity dog, that’s TERRAPLANING!” Dabei ist das mit dem Hund sowas wie ein amerikanischer Ausruf für Aufregung und begeisterte Antizipation. Und genau so euphorisch brandeten auch die Reaktionen der Menschen auf das Auto an die Küsten der Händler. Sowohl als Cabrio oder Limousine, als Reihensechser oder später als Reihenachter und sogar als LKW gingen die kraftvollen, preiswerten Autos gut weg. 1938 war Schluss mit dem Terraplane. 1954 war dann auch Schluss mit Hudson, man fusionierte mit dem Hersteller Nash zur “American Motors Corporation” (AMC) und baute fortan mehr oder weniger erfolgreich seltsame, aber mutige Vehikel.

Instrumente wie Skulpturen

Es gibt noch Teile

Ein so altes und darüber hinaus auch noch seltenes Auto ist schwerlich im Alleingang wieder auf die Straße zu bringen. 2010 ging die irgendwann in grauer Vorzeit begonnene Restauration weiter, parallel wurden alle noch fehlenden Teile ermittelt und direkt in den USA beschafft. Das gestaltete sich problemloser als erwartet und ist eines dieser amerikanischen Phänomene. Ersatzteile… man bekommt sie. Irgendwann irgendwo immer, und oft erstaunlich preiswert. Einige der verschickten Relikte sahen zwar aus wie Fundstücke einer archäologischen Ausgrabung, aber der Mensch wächst an seinen Aufgaben. Im Herbst gestand Wappler seiner Frau endlich den Erwerb und zeigte ihr auch gleich den Wagen. Erste Reaktionen sind nicht überliefert.

SCHNURR und schon vorbei!

Rückkehr auf die Straße

Im März 2011 sitzt Wappler erstmalig aufgeregt in dem Cabrio und bewegt es respektvoll – im unsynchronisierten Getriebe rührend mit Zwischengas – über die Straße. Monat für Monat werden die Runden um den Kirchturm ausgedehnter und das Vertrauen in das 75 Jahre alte Automobil größer, und im August erfolgt nach ein paar letzten technischen Schwierigkeiten die Zulassung zum Straßenverkehr. Aber der Respekt ist noch immer groß, er besucht ausschließlich Veranstaltungen in der Umgebung wie den Concours d’Elegance 2012 auf Schloss Wackerbarth Radebeul oder ein paar schnell zu erreichende Ausstellungen.

Manuals sind heute dicker…

2013 meldet er sich und den Hudson zur Sachsen Klassik an. Vorher werden noch in aller Eile ein neuer Kühler und ein neuer Wasserkasten angefertigt, um thermische Probleme an Steigungen weitestgehend auszuschließen. Frühe Baujahre garantieren bei einer Rallye frühe Startnummern und -Zeiten, aber weiß, was ihn erwartet. Er kennt die Veranstaltung bereits aus dem Cockpit eines 69er Opel Olympia und eines Mercedes W 111 Coupés. Mit einem so alten Auto ist die Herausforderung eine völlig andere, die allerdings locker gemeistert wird. An insgesamt vier Tagen spult der Terraplane über 1000 Kilometer pannenfrei herunter – und Petrus sei Dank immer mit offenem Verdeck. Der satte Hubraum des fast antiken Sechszylinders lässt niemals Leistung vermissen, nicht einmal in den Bergen rund um Augustenburg.

Ein Schmuckstück

Foto vor der Frauenkirche

Nochmal um die Kirche geht es heute Abend auch. Der verkehrsberuhigte Bereich rund um die Dresdener Frauenkirche schimmert schon im dämmerigen Licht der Gaslaternen, als Wappler mit seinem Hudson um die Ecke gefahren kommt. Der kernige, kraftvolle aber unaufdringliche Klang des Oldtimers lässt die Touristen aufhorchen, sofort ist er umringt von einer fotografierenden Menschentraube. Geduldig und routiniert klappt er die seitlichen Motorhauben auf und gibt den Blick auf den kantigen, sehr übersichtlichen Sechszylinder frei.

“Wollen wir mal das Dach aufmachen”…

“Wollen wir das Dach mal aufmachen…?” fragt er und beantwortet mit sofortigem Aktionismus seine Frage gleich selbst. Die Verwandlung vom Coupé zum Cabrio ist noch nicht ganz so komfortabel wie bei den Autos, die 80 Jahre später unterwegs sind, aber es ist machbar. Hier noch ein paar Stangen einklappen, dort noch ein paar Stoffe falten, und nach wenigen Minuten ist das Dach verstaut und lässt den alten Erdflieger noch schöner aussehen, als er es ohnehin schon tut.

Alles hier ist Geschichte

Fahren ist Arbeit

Inzwischen hat sich auch Wapplers Frau mit dem Wagen angefreundet, aber das Fahren überlässt sie immer noch ihm. Das ist auch nicht ganz so einfach und mit einem Stück körperlichem Einsatz verbunden… Aber er kann es inzwischen wie im Schlaf, und das ist zu spüren, als wir dieses Stück amerikanischer Automobilkultur im Tiefflug quer durch das abendliche Dresden zurück zur Halle bewegen. Für damalige Verhältnisse ist die Kombination aus 88 PS und fast 4 Litern Hubraum tatsächlich eher einem Flugzeug zuzuordnen. Er trägt seinen Namen zurecht, hot diggity dog!

Adios!

Und er läuft und läuft, auch wenn er kein Käfer ist. Irgendwas ist ja immer bei so einem alten Auto, kein Konstrukteur hatte jemals das Ziel, einen Gebrauchsgegenstand aus Metall und Gummi für ein dreiviertel Jahrhundert zu dimensionieren. Und wenn doch? Dann könnt ihr so ein Auto beim Spezialversicherer Hiscox umfassend schützen lassen. Habt ihr schon auf den Link geklickt? Momentan ist ein neues Differential über den großen Teich unterwegs nach Dresden und wird, mit den neu zu belegenden Bremsen, das nächste Projekt an dem Hudson sein. Wapplers spontaner Kauf hat sich in den Jahren vom seltenen Erdflugzeug zum stattlichen Phoenix aus der Asche gemausert, perfekt restauriert und liebevoll wieder komplettiert. Es hat sich gelohnt. Wappler sieht am Steuer jedes mal mindestens genau so zufrieden aus wie die Damen und Herren in den damaligen Werbeprospekten.

Sandmann

Hudson Motorcar & Co.
Terraplane DeLuxe Six Convertible
Baujahr: 1936
Motor: 6-Zylinder Reihe
Hubraum: 3800 ccm (231 cui)
Leistung: 65kW (88 PS) bei  3800/min
Getriebe: Dreigang Schaltung unsynchronisiert
Antrieb: Hinterräder
Länge/Breite/Höhe: 5100/1780/1630 mm
Leergewicht: 1700 kg
Beschleunigung: k.A.
Top Speed: ca 120 km/h
Wert: ca. 70.000 Euro

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“Ein Wagen, wie Sie ihn sich wünschen!”

by Jens Tanz

Höchst amerikanisch. Klasse.

Mit Vorkriegstechnik und Variantenreichtum auf Platz 2 der deutschen Zulassungsstatistik – wovon Opel heute nur träumen kann, gelang den Rüsselsheimern in den frühen 60ern quasi “aus der Hüfte”. Der Opel Rekord P2 konnte mit vier Karosserieformen punkten und avancierte zur Referenz in der Mittelklasse. Mit dem gut motorisierten Coupé erschloss man sich neue Käuferschichten und baute drei Jahre lang den “Rasenden Kofferraum”. Wie macht er sich heute auf der Straße?

Boot neben Boot

Der Kieler Dieter Lange ist in den 60ern gebaut worden und seit seiner Kindheit der Marke mit dem Blitz verfallen. Noch Anfang des Jahres rollte er mit seinem Opel Commodore B GS/E durch den stürmischen Norden rund um die Förde, dicht gefolgt von seiner Frau Nadine im eigenen Manta A. Seid ihr auch gemeinsam Markenfans? So oder so – klickt mal auf die Seite vom Oldtimer Spezialversicherer Hiscox und schaut, was euer Auto da im Jahr (nur) kosten würde. Das Opel-Doppelglück schien perfekt und durch nichts zu erschüttern. Doch im Februar stand er auf einer Messe einem Rekord P2 Coupé gegenüber und wurde sehr still. Ob es jetzt der Wunsch nach ein wenig Entschleunigung in der Mitte des Lebens war, eine unerfüllte und unterdrückte Liebe über Jahrzehnte oder einfach das Gefühl: DAS ist er! ist nicht überliefert. Er musste den haben.

Ab ans Meer

50 Jahre in Schweden

Der flache, langgestreckte Opel wurde in den 60ern in Schweden ausgeliefert und dort über die Jahrzehnte von vier verschiedenen Besitzern gefahren. 2012 kam er nach Deutschland zurück und bekam TÜV und H-Abnahme, wurde aber nicht zugelassen. Er wechselte erneut den Besitzer, wurde aber dann in Bremen wieder nicht zugelassen. Der teilrestaurierte Zweitürer wanderte anscheinend über mehrere Messen, und hier stand er nun. Nach zwei Monaten zäher Verhandlungen mit dem Vorbesitzer wurde der geliebte Commodore in Zahlung gegeben und der treue Manta A verkauft. Nun passte es. Weil der Rasende Kofferraum die vergangenen Monate nur sehr wenig bewegt wurde holte Lange ihn vorsichtshalber mit einem Trailer ab, stellte ihn sich erstmal vor die Haustür und sinnierte über das, was er da sah.

Lang. Er ist laaaaaang.

Altes mit neuen Namen

Schuster, bleib bei deinen Leisten – aber gib ihnen neue Namen. Während ganz Paris noch zusammen mit Catarina Valente von der Liebe träumte, wurde Deutschland 1960 mutiger in seinen Ausdrucksformen automobilen Zeitgeists. Die Pressemitteilungen wurden progressiv und blümerant. Als im Sommer 200 Journalisten, Reporter und Fernsehmacher in die Rüsselsheimer Markthalle geladen wurden, standen Sie vor einem Auto, das zugleich neu und altbacken war. Der Opel Rekord P2 (das P stand immer für das Stilmerkmal “Panaoramascheibe”) malte dem Publikum greifbare Bilder von Form und Fortschritt in die neugierigen Köpfe.

Baby you can drive my car

Der Wagen kam mit progressiven Sicherheitsmerkmalen wie die gepolsterte Oberkante des Armaturenbretts und eine versenkte Lenkradnabe. Das korrespondierten mit einer Karosserie, die um den Innenraum herum gestaltet wurde. Alle noch beim P1 zu findenden, leicht knubbeligen Rundlichkeiten wichen einer kantigen Trapezform mit der Betonung auf die Horizontale. Den Abschluss am Heck bildeten zwei herrlich amerikanisch wirkende kleine Doppellämpchen, die von der Presse umgehend den damals gewagten Spitznamen “Teenager-Titten” bekamen.

Rücklichter als Presseliebling

Der rasende Kofferraum

Opel setzte auf Artenvielfalt. Die Limousine rollte mit zwei oder vier Türen vor, die neueste Evolutionsstufe des Kombis (seit den 50er Jahren war man hier marktführend) stand als zweitüriger “Caravan” oder als zweitüriger “Schnell-Lieferwagen” ohne hintere Scheiben in der zweiten Reihe. Begeisterte Reporter krabbelten auf allen Vieren über die Pritschen und lobten wortgewaltig die umklappbare Rückbank. Für den sportlich ambitionierten Kunden, der Wert auf Komfort legt hatte man das schnittige Coupé im Programm – eine zweitürige Limousine mit flacherem und hinten abgeschrägtem Dach. Die etwas ungewöhnlichen Proportionen des Sportlers mit dem sehr langen Heck brachten ihm schnell den Spitznamen “Rasender Kofferraum” ein, der seinem Erfolg aber keinen Abbruch tat.

Blick in den rasenden Kofferraum

Wer es ganz extravagant wollte konnte ein Cabrio bestellen, was bei Deutsch in Köln oder bei Autenrieth in Darmstadt aufgeschnitten wurde. Hier baute man auch bis August 1961 die Coupés, anschließend fertigte man das erfolgreiche Modell in Rüsselsheim. Auch das war eine kleine Sensation, zum ersten Mal in der Geschichte des Rekord ergänzte ein eigenes Werkscoupé die Modellpalette.

Der kleine Luxus

Schick und flott

Die sprichwörtliche Nähmaschinen-Technik wiederum blieb so wie immer, so wie gewohnt und so wie bewährt. Die Vierzylinder-Vorkriegskonstruktion aus dem Opel Olympia von 1937 mit kurzhubigen 1,5 Litern Hubraum (50 PS) oder 75 Mark teureren 1,7 Litern Hubraum (55 bzw. 60 PS) galt als unverwüstlich und drehte kräftig genug für deutsche Straßen. Der Traum von der Reise nach Italien oder Südfrankreich wurde hier noch weitestgehend mit Isettas, Messerschmitt Kabinenrollern oder Käfern gelebt. Vor allem die leistungsgesteigerte 60 PS Variante in Verbindung mit einer 4-Gang-Lenkradschaltung machte aus dem Rekord einen Kandidaten für die linke Spur. Das kam an. Genau 786.411 Exemplare verkaufte Opel in nur drei Jahren Produktionszeit vom P2, bevor er vom Rekord A abgelöst wurde.

Ein Motörchen – aber kräftig genug

Opel – der Zuverlässige

Und unser Re-Import? Außer ein paar neuen Benzinleitungen, einer neuen Benzinpumpe und einem neuen Heizungskühler lagen nur der obligatorische Ölwechsel und das regelmäßige Abschmieren der Achsen an. Der Segen der alten Technik, an die noch der “Olympia” Schriftzug auf dem Handschuhfachdeckel erinnert, ist die robuste Überdimensionierung und die damit verbundene Unzerstörbarkeit.

Der Komfort der 60er Jahre

Man muss allerdings wissen, wie diese interpretiert werden muss. Auf der ersten großen Ausfahrt zum Alt-Opel-Treffen ließ das Coupé sich plötzlich nur noch in den 3. und 4. Gang schalten. Leicht panisch manövrierte Lange den Oldtimer quer durch Hamburg bis nach Dänischenhagen zurück, sah sich in einer Welt voller roter Ampeln und knabberte unablässig an seinen Fingernägeln, weil ein befürchteter Getriebeschaden richtig ins Geld gehen würde. Aber nein, “Opel – der Zuverlässige” hatte lediglich eine M6 Schraube am Schaltgestänge losgeschüttelt. Das war’s.

Heavy Metal aus Rüsselsheim

Schlager der 60er

Danach wuchsen Vertrauen und Freude wie damals der begeisterte Käuferkreis, und Familie Lange führ den Rasenden Kofferraum gleich quer durch die Republik in den Sommerurlaub, fast wie damals in den südliebenden 60ern. Selbstverständlich pannenfrei. Zumindest was den Opel betrifft, Nadine selbst trug als Beifahrerin aber einen gewissen Kollateralschaden davon. Dieter Lange hört in seinem Auto kein Radio, in dem Coupé wird ausschließlich dem Deutschen Schlager der 60er aus der Konserve gehuldigt. Und nach vielen 100 Kilometern können “Pack’ die Badehose ein” und “Junge, komm’ bald wieder” einen schon ein bisschen verändern. Aber nun, da konnte der Opel nichts dafür.

Straßenszene aus den 60ern?

Heute selbstverständliche Extras waren damals Ausdruck einer gehobenen Klasse: Der P2 hatte immerhin ab Werk eine Frischluftheizung, Einzelsitze (statt einer Sitzbank) und Veloursteppiche (statt nacktem Metall oder Gummi), eine Lichthupe und ein Zweitonhorn sowie Rückfahrscheinwerfer. Klasse. Alle diese besonderen Sachen sind bei Hiscox gut versichert. Habt ihr schon auf den Link geklickt und mal geschaut? Als besonderes Gimmick zeigt Dieter Lange noch das vom Armaturenbrett aus über einen Bowdenzug bedienbare Kühlerrollo, mit dem sich im Winter eine kleine Markise vor den Kühler ziehen lässt und den kalten Wind außen vor lässt. Einfach und sehr wirksam. Aber vom kalten Winter in Kiel wird dieses Exemplar nicht viel mitbekommen. Der Slogan “Rekord Coupé – ein liebenswerter Wagen” wird von Dieter Lange durchaus ernst genommen, bei Schnee und Eis bleibt der Wagen zu Hause. Denn da ist es doch immer noch am schönsten, singt Mutti in der Küche.

Sandmann

Ein Opel für Menschen mit Horizont

Opel Rekord P2 Coupé
Baujahr: 1961
Motor: 4 Zylinder Reihe
Hubraum: 1668 ccm (102 cui)
Leistung: 44 KW (60 PS)
Max. Drehmoment: 148NM
Getriebe: 4 Gang Lenkradschaltung
Antrieb: Hinterachse
Länge/Breite/Höhe: 4433mm/1616mm/1490mm
Beschleunigung 0-100km/h: ca. 20 s
Höchstgeschwindigkeit: ca 140 km/h
Wert: ca. 20.000€

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Der Biss ins Pony

by Jens Tanz

So sehen Mustangs aus…

Die zweite Version des Ford Mustang rollte mit reduziertem Vollgas in das Ölembargo. Das Mittelklasse Pony verkaufte sich dennoch gut, und nach Jahren der Häme leckt sich die Fangemeinde inzwischen die Finger nach Lee Iacoccas Wurf. Vor allem, wenn es ein so seltenes Exemplar wie die King Cobra von Alex Westbom aus Schweden ist. Aufkleber, Plüsch und ein 5.0 Liter V8 sind die Zutaten für eines der seltensten Pferdchen auf diesem Planeten. Yeah. Wir ziehen den Cowboyhut auf die Birne und cruisen durch Schweden!

Dieser Moment fühlt sich an wie eine Gegenüberstellung mit Clint Eastwood. Der Schauspieler ist eigentlich nur ein Mensch aus Fleisch und Blut, aber hey, es ist Eastwood!

Schwedische Königscobra

Das braune Auto hier ist eigentlich auch nur ein Auto aus Stahl und Kunststoff, aber hey, es ist eine King Cobra! Und dann trägt der junge Mann am Steuer auch noch einen Cowboyhut, wir sind mitten in Schweden in der Nähe von Stockholm, die Sonne brät vom Himmel und alles ist ein bisschen unwirklich. Der jugendlicher-als-er-ist aussehende Mann strahlt noch breiter als die schwedische Sonne, steigt aus, öffnet mit der einen Hand die Motorhaube und hält dem Fotografen mit der anderen Hand unerwartet eine Schlangenfigur aus Plastik vor die Kamera. Huch? Eine Cobra! Vermutlich eine Königscobra.

Hier ist viel aus Plastik, auch die Accessoires!

2013 hatte Alex schon einmal einen Mustang der 2. Generation, einen Ghia. Das war sein erstes Auto, und wie sich das gehört wurde der Erwerb und parallel der 50. Geburtstag seiner Mutter mit der ganzen Familie in Las Vegas gefeiert! Auf dem Freeway sah sich der junge Schwede von ungezählten Mustangs umringt und glaubte sich im Ponyhimmel. Einer stach raus, in einem Dunkelbraun Metallic mit wilden Aufklebern und einem 5-Liter-V8: Eine King Cobra. Alex suchte und fand William, dem Besitzer, und verstrickte ihn in ein langes Gespräch. Für einen Mustang Fan ist die King Cobra so etwas wie das lange verschollene Paar goldene Sporen für Clint Eastwood. Die beiden verabredeten sich für den folgenden Tag noch einmal, William tauchte aber nicht bei seinem Auto auf. Also hinterließ Alex seine Mailadresse auf einem kleinen Schnippsel Papier am Auto und reiste mit seiner Familie wieder heim.

Lange Zeit belächelt. Heute nicht mehr.

Schweden ist ein Ponyhof

Zu Hause fiel kurz darauf sein geliebter 2er Ghia einem Kabelbrand zum Opfer. Hoffentlich war er gut versichert. Seid ihr es mit eurem Klassiker? Klickt mal auf diesen Link und schaut euch die Angebote der Oldtimerversicherungen bei Hiscox an. Ohne Mustang ging es für Alex nicht. Schon eine Woche später stand ein 75er Mach 1 vor seiner Tür. Und damit es nicht langweilig wird – weitere zwei Monate später meldete sich William aus Las Vegas, der seine King Cobra verkaufen wollte und sich fragte, ob Alex sie vielleicht haben möchte. Alex wollte. Er kaufte das braune Auto wie gesehen am Telefon, hatte es drei Monate später vor der Tür und schickte den Mach 1 in den vorläufigen Ruhestand.

Alex ist mächtig stolz auf sein Schlangenpony

Zurück zu den Wurzeln

Was ist so cool an diesem braunen, kleinen Auto, was auf den ersten Blick noch lustiger aussieht als die Hot Wheels Autos in der Sandkiste unserer Nachbarskinder? Es ist seine Geschichte, seine Ausstattung und nicht zuletzt sein Motor. Als Lee Iacocca 1970 Präsident der Ford Motor Company wurde, war die Glanzzeit der Pony Cars schon am Verblassen. Der ursprünglich schlanke, leichte und preiswerte Mustang war zu einer Mittelklasse Limousine verspeckt, viele Neuwagenkäufer griffen deshalb nach preiswerteren, sparsameren Autos.

Kleine Details eines Autolebens.

Also startete Ford eine rückwärts gerichtete Offensive, um den Mustang wieder zu dem zu machen, was er einst war. Die Basis für die zweite Generation sollte der kleine „Pinto“ werden, damit hatte das neue Pony eine noch kompaktere Grundlage als der Ur-Mustang mit dem „Falcon“.

Downsizing wurde hip

Damit ließ sich der neue Wurf nicht mehr in die Liga der Pony Cars einordnen, vielmehr stellten die Tester ihn neben Kompaktsportler wie den Chevy Monza, den Pontiac Sunbird oder den Buick Skyhawk! Und wer hätte das gedacht: Der Mustang II trat sogar gegen europäische Importfahrzeuge wie den Ford Capri, den VW Scirocco, den Datsun 240 Z oder den Toyota Celica an. Mit seinem 2.3 Liter Reihenvierzylinder oder dem 2.8 Liter Cologne V6 war er für viele der Untergang einer amerikanischen Legende.

Für Kenner ein epischer Name

Für andere war der 2er eine richtige Reaktion auf die Ölkrisen und die Wünsche der Neuwagenkäufer. Und die kauften. Während im letzten Jahr des Mustang 1 nur noch rund 130.000 Stück die Werkshallen verließen, griffen im ersten Jahr des Mustang 2 schon über 380.000 Käufer zu. In nur vier Jahren verkaufte Ford über 1 Millionen Mustangs und legte damit die erste Grundlage des Downsizing innerhalb der „Big Three“ in Detroit.

Überall ist die Schlange zu sehen

Das Beste zum Schluss

Im letzten Produktionsjahr 1978 wollte man es dann noch einmal wissen. Bevor der Nachfolger Mustang III auf den Markt geworfen wurde, gestalteten die Designer ein Options Paket der Extraklasse. Tief gezogene Spoiler, Seitenstreifen, ein riesiger Cobra Schlangenaufkleber auf der Haube (wie beim Trans Am das Screeming Chicken) und eine Bestückung ausschließlich mit den 5.0 Liter Windsor V8 Motoren. Die Ausstattung war vergleichbar mit der gehobenen BOSS 429 Ausstattung, mehr Mustang für’s Geld gab es damals nicht zu kaufen. Genau 4.313 Fahrzeuge dieser Art wurden gebaut.

Das Screaming Chicken von Ford

Prominente Autogramme

Eins davon hat jetzt Alex. Der junge Mann liebt seinen originalen Wagen und kann im braunen Inneren gleich eine ganze Reihe von Besonderheiten präsentieren. Die mechanische Drehzahlenuhr – funktioniert! Wer kennt noch irgend ein altes amerikanisches Auto, in dem die Uhr funktioniert?

8-Track Stereo. Heute unfassbar selten.

Unter den runden Zusatzinstrumenten steckt ein originaler Eight-Track Spieler, für den Alex sogar noch ein paar Tapes hat. Und der Deckel vom Handschuhfach ist seine braune Mauritius. Darauf haben unterschrieben:

  • Dick Nesbitt (Mustang II Hardtop Entwurf)
  • Buck Mook (Chefdesigner und Mustang II Fastback)
  • Ara Ekizian (Cobra II Design)
  • Howard Payne (Interior Design)
  • Wayne Tanner und Al Carpenter (Mustang II Modeling)
  • Gale Halderman (Mustang I und II)

Deckelprominenz. Und zwar die ECHTE!

Mustang’s Who is Who

Sportlich mit Plüsch

Wow. Ein Deckel of Fame in einer Hall of Plüsch. Hier drin ist nichts jugendlich-sportlich, wie es einst geplant war. In der King Cobra sitzt es sich wie ein einem Cadillac Brougham, nur ein wenig schmaler. Diese Brauntöne überall, abgesetzt mit schwarzem Kunststoff und gebürstetem Edelstahl sind eine Wohltat für das Auge des neuen Jahrtausends.

Ein braunes Wunder

Und man möchte kaum glauben, dass die Schlange einmal so etwas wie ein Sportwagen war. Oder? Oh doch. Vielleicht ist ein Vierzylinder ein wenig zu schlapp, aber die Szene hat genau diesen Body für sich entdeckt, weil er klein, leicht und agil ist. Steckt dann wie hier noch der V8 drin, wenn auch nicht der leistungsstärkste – dann geht das Pony ungezügelt nach vorn!

Nicht der größtmögliche – aber ein V8!

Alex Westbom dreht mit uns im braunen Schlangenpony eine Runde über die Landstraßen. Der Wagen sieht klasse aus, er klingt gut und er springt durch die Kurven wie ein Gokart. Vor den silbernen und dunkelblauen Neuwagen auf dem Baumarkt-Parkplatz sind diese Form und diese Farben so belebend wie ein Café Americano. Mit Créma. Vielleicht sind deshalb auch gerade kleine Kinder so begeistert, wenn sie das Auto sehen. Hot Wheels.

Kombi? Braucht man nicht

Alex ist das alles egal. Er stellt die Schlange wieder auf die Haube. Wollt ihr wissen was so ein Mustang (oder euer eigener Wunschklassiker) beim Spezialversicherer Hiscox im Jahr kostet? Klickt einmal diesen Link! Alex‘ Mustang II ist die einzige King Cobra in Schweden und eine von weltweit nur drei Stück in dieser Farbkombination mit Automatikgetriebe und ohne T-Top. Ein braunes Juwel. Und ein polarisierendes Auto in einer immer gleicher aussehenden Masse von reinen Fortbewegungsmitteln.

Sandmann

Ford Mustang II King Cobra

Baujahr: 1978
Motor: V8 Windsor
Hubraum: 4.942 ccm
Leistung: 141 PS bei 3.600 1/min
Max. Drehmoment: 339 Nm bei 1.600 1/min
Getriebe: Dreigang Automatik C4
Antrieb: Hinterrräder
Länge/Breite/Höhe: 4.445/1.783/1.270mm
Leergewicht: 1.365 kg
Beschleunigung 0-100 km/h: 10,4s
Top Speed: 152 km/h
Neupreis 1978: 6.738 $

Der Beitrag Der Biss ins Pony erschien zuerst auf Sandmanns Welt.